„Ich mag, dass ich mein eigener Herr bin“: Eine Lkw-Fahrerin aus Regensburg erzählt

Als einzige Frau unter Männer arbeiten – für Dana Schwarz aus Regensburg ist das ganz normaler Berufsalltag. Die 28-Jährige Kraftfahrerin von DHL erzählt anlässlich des Weltfrauentags von den Herausforderungen, mit denen sie als Frau in einem männerdominierten Beruf konfrontiert wird.
Das Rattern der Fließbänder summt monoton durch die großen Hallen. Unzählige Pakete rollen darauf durch den Raum. Auf den ersten Blick undurchschaubar, doch hier hat alles System. Im Frachtpostzentrum im Osten von Regensburg herrscht rund um die Uhr reger Betrieb.
Zielstrebig bahnt sich eine junge Frau den Weg durch das geschäftige Treiben. Im schalen Licht der hohen Hallen begrüßt sie vorbeigehende Mitarbeiter. Bequeme Leggins, Stahlkappenschuhe, die Haare im Dutt, neongelbe Sicherheitsweste. Die 28-jährige Dana Schwarz arbeitet hier seit drei Jahren. Ihr Beruf: Kraftfahrerin.
Frauen sind unterrepräsentiert
„Der Blick bleibt schon länger haften, wenn man als Frau im Lkw sitzt“, erzählt sie. Frauen sind in einigen Berufen noch deutlich unterrepräsentiert. Zwischen ihren Kollegen, mit denen sie am meisten Zeit verbringt, ist Dana Schwarz die einzige Frau.
Als sie sich vor drei Jahren von der Zustellerin zur Kraftfahrerin bei der DHL ausbilden lassen hat, waren die Reaktionen ihrer Freunde und Familie durchweg positiv. Auch die Kollegen an ihrem neuen Arbeitsplatz seien damals sehr unterstützend gewesen.
„Eigentlich ist es eher vorteilhaft, eine Frau zu sein“, sagt Dana Schwarz lachend. Die Kollegen seien oftmals hilfsbereiter ihr gegenüber, greifen ihr mehr unter die Arme. Solange diese Hilfe ernst gemeint ist, freut sie sich über diese. Manchmal würden die Männer ihr jedoch nur helfen, weil sie meinen, Frauen würden es nicht so gut können oder es würde viel länger dauern – diese Hilfe möchte Dana Schwarz nicht.
Eine Arbeit mit viel Kraftaufwand
Um die Ladefläche des Lkw zu füllen, schiebt die Kraftfahrerin routiniert die vollen Rollbehälter. Diese wiegen leer schon 150 Kilogramm, voll können sie bis zu 500 Kilogramm schwer werden. Eine Anmeldung im Fitnessstudio könne sie sich sparen, erzählt sie lachend. In wenigen Stunden hat sie Feierabend. Wenn Dana Schwarz von ihrer Arbeit erzählt, lächelt sie breit. Lkw fahren mache ihr einfach Spaß, man komme gut rum, pro Tag legt die 28-Jährige circa 200 Kilometer zurück. Außerdem mag sie es, ihr „eigener Herr“ zu sein. Als Lkw-Fahrerin verbringt sie viel Zeit alleine.
Täglich transportiert sie etwa 1200 bis 1600 Pakete. Zur Weihnachtszeit werden bundesweit 13 Millionen Päckchen über die DHL versendet. Immer an Bord hat Dana Schwarz Motor Öl Spray für alle Fälle und „so typisches Frauenzeug halt“. Außerdem hört sie immer Musik oder Podcasts, wenn sie unterwegs ist.
Dana Schwarz wird in ihrem Arbeitsalltag mit vielen Herausforderungen konfrontiert: Von Schnee und Eis bis hin zu Staus oder Straßensperrungen – „Du musst schauen, dass du den Tag überlebst“, erzählt die 28-Jährige und lacht.
Anerkennung für den Beruf, egal ob Mann oder Frau
Eine weitere Herausforderung sei, dass sie bei der Arbeit „männlicher agieren“ müsse. Zum Feierabend müsse sie dann erst mal einen Schalter umlegen, sodass sie sich wieder wie eine Frau fühlen könne. Die Energie sei einfach eine andere, wenn das Kollegium nur männlich ist. „Männer halt“, schmunzelt Dana Schwarz und stützt ihr Kinn auf ihre Hand. Ihre Fingernägel sind rot lackiert, außerdem trägt sie Ringe.
Wenn sie anderen Menschen von ihrem Beruf erzählt, sind diese meist positiv überrascht und beeindruckt. Wenn Männer dasselbe tun würden, wären die Reaktionen jedoch weniger angetan. Dana Schwarz wünscht sich, ihr Beruf wäre insgesamt gut angesehen, egal ob ein Mann oder eine Frau diesen ausführt. Dana Schwarz arbeitete bereits fünf Jahre als Zustellerin bei der DHL, als sie sich dazu entschied, Kraftfahrerin zu werden. Vom Lkw-Fahren war die 28-Jährige schon immer fasziniert.
Das helle Licht blendet, als Dana Schwarz aus der schummrigen Halle ins Freie tritt. Das Gelb des Fahrzeugs reflektiert die Mittagssonne. Für heute hat sie ihre Tour beendet. Auf die Frage, was sie jungen Menschen, die vor der Berufswahl stehen, raten würde, antwortet sie: „Egal ob Mann oder Frau, du musst machen, was dich begeistert und nicht, was gesellschaftlich angesehener ist oder nicht.“
Jungen Frauen spezifisch rät sie, „Man kann sich auch einfach mal was trauen!“