Neue Jobs für Regensburg: Vector-Manager ringt um Zukunftslösungen

Von Marion Koller · 24. März 2026 um 09:00

Der Standort Regensburg des Software-Unternehmens Vector mit 600 Leuten erfindet sich in der Automobil-Krise neu – Manager Michael Thurner erschließt Märkte, davon profitieren auch die Stadt und Hochschul-Absolventen.

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Michael Thurner eilt vom Vector-Nebengebäude in den Hauptsitz gegenüber, wo die Besprechungsräume liegen. Die dunkelroten Bauten fallen auf, vor allem die markante Architektur des größeren Gebäudes mit den auskragenden oberen Stockwerken. Beim Interview zeigt Manager Thurner das dritte Grundstück am TechCampus, das sich Vector gesichert hat. Es liegt in der direkten Nachbarschaft. Das Software-Unternehmen mit 600 Mitarbeitenden in Regensburg wollte weiterwachsen, doch daraus ist wegen des Strukturwandels in der Autoindustrie vorerst nichts geworden.

Vector war lange sehr erfolgreich mit Embedded Software, die in das Gesamtsystem Auto eingebettet ist: für Fahrerassistenz oder Infotainment. Doch Teile dieses Markts sind seit 2023 und 2024 wegen der Transformation weggebrochen. Das Unternehmen mit Zentrale in Stuttgart muss sich wie einige Nachbarn auf dem TechCampus neu erfinden. Dafür ist Michael Thurner, Informatiker und Softwareentwickler mit ansteckendem Optimismus, der richtige Mann. „Vorher waren wir immer im Liefermodus und hatten kaum Zeit, über Innovationen nachzudenken“, sagt er. Die Lage sei nicht superprickelnd, wenn es den Autounternehmen nicht gutgehe. „Aber uns geht es gut genug. Und wir haben als Unternehmen die Chance, uns weiterzuentwickeln.“

Der 32-Jährige vernetzt Stadt, Hochschule und IHK

Der junge Manager steht für ein neues Denken. Er erschließt nicht nur neue Märkte für Embedded Software mit Anwendungen jenseits der Automotive-Welt: Beispielsweise in der Medizintechnik. Oder in der Stromversorgung.

Der 32-Jährige vernetzt auch Vector, die Stadt, die OTH, wo er studiert hat, sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK), wo er ausbildet und prüft. Mit der IHK-Tätigkeit möchte er auch anderen jungen Leuten den Weg in die Wirtschaft ebnen. Seit 15 Jahren lebt der gebürtige Landshuter in Regensburg. „Die Stadt hat die richtigen Proportionen“, sagt er. „Hier gibt es eine wunderschöne Altstadt, gelebte Studentenkultur, eine starke Industrie, attraktive Arbeitgeber und Jobs.“ Trotzdem sei Regensburg gefühlt ein Dorf. „Das macht es für mich sehr lebenswert.“

Die Regensburger Zentrale am TechCampus - Foto: Koller

Embedded Software ist ein wichtiger Faktor für Unternehmen und Arbeitsplätze in der Region. Auch Elektronikfirmen, Maschinenbau, Kliniken, Stromversorger oder die Telekommunikation brauchen sie. „Wir wollen eine Software-Ecosystem-Company werden“, sagt Michael Thurner. Das ist ein Unternehmen, das nicht einzelne Produkte anbietet, sondern ein ganzes Ökosystem aus Software, Plattformen, Partnern und Nutzern aufbaut. In der Vergangenheit sei alles ausgerichtet gewesen auf die riesige Maschine der Zulieferindustrie. „Das wollen wir ändern. Die Medizintechnik hat andere Ansprüche und Stückzahlen.“ Da werde etwa ein Mikrocontroller zur Ansteuerung einer Insulinpumpe oder einer Pumpe für die Herz-Lungen-Maschine gebraucht.

Regensburg ist für mich die schönste StadtMichael Thurner, Vector-Manager

„Die Versorgung eines mechatronischen Systems mit Software, also Intelligenz“, erklärt Thurner, der einen Master in Informatik hat. Hier gebe es Schnittmengen zu vielen anderen Branchen. Vector habe immer gute Lösungen, wenn es um Sicherheit geht, und zwar die Sicherheit des Systems an sich und die vor Manipulationen von außen – beispielsweise bei kritischer Infrastruktur.

Auch für Photovoltaikanlagen mit einem Remote-Zugang ist Sicherheit wichtig. „Dass unsere Software aus Deutschland kommt, freut die Kunden“, erlebt Michael Thurner immer wieder. Updates sollten künftig bei der Photovoltaik oder beim Röntgengerät möglich sein, ohne dass ein Techniker von Vector „danebensteht“.

„Der Anteil der neuen Märkte wächst bei Vector“

Zusammen mit seinem Team entwickelt der Embedded-Software-Manager diese innovativen Lösungen. Der Anteil der neuen Märkte wächst. „Wir hoffen auf einen Aufschwung 2027 mit Marktsegmenten wie Medizin.“

Künstliche Intelligenz (KI) verwendet die Firma bei der Softwareentwicklung als Hilfsmittel. „Bei unserer Software will sich der Kunde verlassen, dass alles zu 100 Prozent funktioniert“, sagt Thurner. Deshalb wird die KI mit einem Vector-Tool getestet. Beim autonomen Fahren etwa gebe es noch offene Fragen.

Vector stellt durchaus ein, zum Beispiel wenn ein KI-Spezialist, ein Jurist oder ein hochspezialisierter Softwarentwickler gebraucht wird. Zurzeit aber werden eher Werkstudierende angeheuert oder Absolventen, die eine Abschlussarbeit schreiben. Thurner wirkt im Verein der Freunde der OTH mit und arbeitet bei Projekten mit Studierenden zusammen. Er hofft, dass Vector bald wieder mehr Jobs anbieten kann.

Mitprogrammieren

Nacht.Schafft.Wissen: Am 24. April öffnet Vector den Standort. Michael Thurner ist Host und technischer Experte. Er bietet einen Hands-on-Workshop zur Programmierung für Medizintechnik.

MINT-Labs: Dort gestaltet Thurner die Kurse mit, bei FameLab wirkt er mit.