Verteidigungsunternehmen, Baukonzern und AOK: Größter Regensburger Leerstand füllt sich

In den 65-Millionen-Bau an der Regensburger Osttangente, der ursprünglich als Vitesco-Zentrale geplant war, ziehen der Baukonzern Züblin, ein Rüstungsunternehmen und die AOK. Auch Behörden werden folgen. Nach dem Rückzieher des Antriebsspezialisten sind die fast 27.000 Quadratmeter jahrelang leergestanden.
Vermietungsmanager Norbert Stang führt durch die weiten, lichtdurchfluteten Räume an der Osttangente, die als Zentrale für den Antriebsspezialisten Vitesco gebaut wurden. Er deutet zur Decke hoch. „Überall, wo ich die nichtperforierte Decke habe, können mobile Büro-Trennwände befestigt werden.“ In dem großen Raum in der ersten Etage gibt es bisher nur wenige kleine Büros. Doch das kann auf Wunsch der Mieter schnell geändert werden. Man blickt auf den Nachbarn Aumovio, die Osttangente und ins Industriegebiet. Am Horizont zeichnet sich der Dom ab.
Als erste neue Mieter werden ab Mai die AOK Regensburg mit ihren 280 Beschäftigten und der Baukonzern Züblin auf insgesamt 6000 Quadratmetern einziehen. Es folgt ein Unternehmen, das sich mit Verteidigung und Abwehr beschäftigt. „Entwicklung und ein bisschen Produktion“, erklärt Stang. „Die haben hohe Sicherheitsstandards.“ Dass die AOK ihren sanierungsbedürftigen Sitz in der Bruderwöhrdstraße verlassen muss, wurde Anfang März bekannt. Mit weiteren Interessenten verhandelt Norbert Stang. „Es wird ein interessanter Mieter-Mix aus Ingenieuren, dem internationalen Baukonzern Züblin, staatlichen Behörden, Versicherung und AOK“, kündigt er an.
Nachfrage hat im letzten Dreivierteljahr angezogen
Die Nachfrage sei für die heutige Zeit gut. Im letzten Dreivierteljahr habe sie angezogen. Stang musste große Geduld beweisen und zahlreiche Gespräche führen. Seit Mitte 2023 steht der repräsentative Neubau an der Osttangente leer, der ursprünglich als Vitesco-Zentrale geplant war. Eine Reihe von Autozulieferern hatte Interesse bekundet und wegen der wirtschaftlichen Eintrübung einen Rückzieher gemacht.

Der Meos Campus, so haben die Eigentümer den Gebäuderiegel genannt, ist mit knapp 27.000 Quadratmetern der größte Regensburger Leerstand. Doch nun scheint sich das Blatt trotz der angespannten Wirtschaftslage zu wenden. Dabei stehen in der Stadt nach wie vor Zehntausende Büro- und Gewerbequadratmeter leer: Im Dörnbergviertel, im Businesspark, im Be orange, im Büro- und Geschäftsgebäude Lilienthalcenter oder im Energiepark. Doch der Meos Campus, wie die Geschäftsführer Raimund Oegl und Robert Benz von der Max2 Projektentwicklungs GmbH im Landkreis Neumarkt ihr Gebäude an der Osttangente genannt haben, punktet mit zwei großen Vorteilen: Flexible Grundrisse und niedrige Betriebskosten. Das habe die ersten Mieter überzeugt, sagt Norbert Stang, Experte für Gewerbeimmobilien.
„Der Grundriss kann durch das Versetzen der mobilen Bürotrennwände schnell umgestaltet werden – sogar während des Betriebs.“ Die vier zusammenhängenden Gebäude sind CO2-neutral. Eingesetzt werden ausschließlich nichtfossile Energieträger. Wärmepumpen werden je nach Außentemperatur über Eisspeicher und Solar-Luftkollektoren verwendet. Photovoltaik versorgt die Häuser mit grünem Strom.
Vitesco feierte noch das Richtfest und kündigte dann
„Der Meos Campus ist eine der modernsten, nachhaltigsten und smartesten Gewerbeimmobilien in Bayern“, sagt Norbert Stang. Eine Siemens-Anlage kontrolliert die Lüftung mit Sensoren. Ist die Frischluft verbraucht, wird neue nachgeblasen. Alles werde laufend optimiert, damit die Betriebskosten niedrig blieben.

Norbert Stang und Bauleiter Michael Simon sind inzwischen beim Vorstandsbüro angekommen. Immobilienfachmann Stang deutet auf einen Besprechungsraum. „Der ist abhörsicher ausbaubar.“ Vitesco feierte zwar das Richtfest noch, kündigte jedoch wegen Verspätungen beim Bau den Mietvertrag im Juni 2023. Die Schaeffler AG schluckte Vitesco im Oktober 2024. Die Eigentümer mussten den Gewerberiegel umbauen lassen für viele mögliche Nutzer.
Mit Starkstrom, Schallschutzwänden und einer hohen Deckenlast bis zu 1000 Kilo pro Quadratmeter eignet er sich für Leichtindustrie, das heißt für saubere Produktionsverfahren, für Forschung und Entwicklung, für Labore. Medizintechnik oder Elektronik kämen infrage. Bisher hat sich erst ein Light-Industrial-Betrieb, das Verteidigungsunternehmen, für das Gebäude entschieden. „Seit Corona haben wir in Deutschland den Mut verloren, keiner traut sich mehr was“, bedauert Stang. Trotzdem ist er zuversichtlich. Die Zukunft werde wieder einen Aufschwung mit sich bringen. Die AOK wird ab Mai nach und nach einziehen. „In Wellen“, sagt Sprecherin Silvia Alzinger. Die Kunden finden ihre Ansprechpartner weiterhin in der Bruderwöhrdstraße.