Akademiker mit sicheren Jobs – und trotzdem chancenlos am Regensburger Immobilienmarkt?

Seit der Zinswende mieten die meisten jungen Familien in Regensburg. Ein Kauf ist für unter 40-Jährige kaum mehr zu stemmen. Fachleute sprechen von der „Verlierer-Generation“. So sieht es ein Mittdreißiger.
Raphael Ziegler und seine Familie suchen eine Wohnung oder ein Haus mit mindestens vier Zimmern und Garten in Regensburg. Auch die Umgebung kommt infrage. Die Miete soll 1300 Euro möglichst nicht überschreiten. „Natürlich haben wir auch geschaut wegen eines Kaufs“, sagt der leitende Bauingenieur im öffentlichen Dienst. „Aber der Unterschied zwischen Mieten und Kaufen ist doch noch immens.“ Er hat zusammen mit seiner Frau, einer Juristin im öffentlichen Dienst, überschlagen, was ein Haus in Regensburg „in einigermaßen gutem Zustand“, attraktiver Lage und mit geeigneter Größe kosten würde. „Das sind rund 800.000 bis 850.000 Euro.“
Eigentum nach wie vor ganz oben auf der Wunschliste
Raphael Ziegler sagt, er müsse schon manchmal schmunzeln. „Wenn wir es nicht schaffen, zwei Akademiker und Doppelverdiener mit sicheren Jobs, wer soll es sonst schaffen?“
25- bis 40-Jährige wie Ziegler und seine Frau können sich in Regensburg immer seltener eine Eigentumswohnung oder ein Haus leisten. Das stellt Chefökonom Matthias Günther vom Hannoveraner Pestel-Institut in einer aktuellen Studie fest. „Dabei rangieren die eigenen vier Wände nach wie vor ganz oben auf der Wunschliste.“
Die Nestbauer-Generation ist längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden.Chefökonom Matthias Günther
Immer mehr Menschen dieser Altersgruppe seien allerdings gezwungen, dauerhaft zur Miete zu wohnen. „Dabei gehören gerade Jobstarter und Familiengründer zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau“, sagt Günther. „Aber die Nestbauer-Generation ist längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden.“ Rund 44.100 Menschen dieser Altersgruppe leben in Regensburg.
Insgesamt sei die Wohneigentumsquote der „Berufsein- und -aufsteiger“ in den vergangenen Jahren bundesweit gesunken. Durchschnittlich 26 Prozent leben demnach in der eigenen Immobilie. Die sinkende Wohneigentumsquote in dieser Altersgruppe hält Matthias Günther für „alarmierend“ im Hinblick auf die Vermögensverteilung und die Alterssicherung. Regensburg weist insgesamt nur eine Wohneigentumsquote von mehr als 21 Prozent auf, bundesweit sind es über 43 Prozent.
Traum vom Hauskauf auf später verschoben
Raphael Ziegler findet nicht, dass seine Generation besonders benachteiligt ist. Die Familie hat den Immobilienkauf zwar verschoben. „25- bis 40-Jährige sind die mit Kindern und einem Erwachsenen in Teilzeit“, erinnert er. Die Tochter ist zwei Jahre alt, das zweite Kind unterwegs. Seine Frau arbeitet Teilzeit. „Wir haben noch nicht geerbt und können es uns aktuell nicht leisten.“ Wahrscheinlich werden sich die Zieglers den Traum später erfüllen. Der Familienvater erlebt den Regensburger Wohnungsmarkt als „überschaubar. Es bewegt sich nicht so viel“. Für ihn käme auch ein älteres Haus infrage, weil er gerne handwerklich arbeitet. „Es sollte aber in einem guten Sinne bewohnbar sein und keine 20 Jahre alte Ölheizung haben.“ Mit einer zeitgemäßen Energieversorgung steigt aber der Preis.
Makler Gerald Loers kennt den Regensburger Immobilienmarkt seit Jahrzehnten. Der Durchschnittskäufer sei grundsätzlich um die 30 Jahre alt. „Doch 90 Prozent der Kaufinteressenten von der Niedrigzinsphase sind nicht mehr vorhanden.“ Vor fünf bis sechs Jahren, vor den Krisen und Bauzinserhöhungen, hätten sich viel mehr Regensburger ein Haus leisten können. Die Reihenhäuser am Brandlberg und im Kunstpark Ost nennt Loers „Niedrigzinsphasen-Häuser“. Die Interessenten hätten fast kein Eigenkapital benötigt.
Inzwischen sei nur noch ein kleiner Käuferkreis um die 30 Jahre alt. „Die kaufen nicht das Reihenhaus am Bahngleis, sondern in Toplagen.“ Kumpfmühl, Westen, Innerer Osten und Altstadt. Loers erhält Anfragen von Leuten, deren Eltern mitfinanzieren, die geerbt haben, oder die schon überdurchschnittlich verdienen.
Bei Regensburger Immobilien zahlen oft die Eltern mit
Er zählt auf: Eine gut erhaltene Tretzel-Wohnung am Hochweg, eine schöne Dreizimmer-Wohnung in der Dr.-Leo-Ritter-Straße und ein Stadthaus in Kumpfmühl habe er in letzter Zeit an jüngere Kunden vermittelt. „Aber die meisten jungen Familien, die bei Bauzinsen von einem Prozent zugeschlagen haben, bleiben heute in der Miete.“
Raphael Ziegler kann aus seinem Umfeld bestätigen, dass viele Eltern mitzahlen. Er und seine Frau sind entspannt, weil sie erst im Juli umziehen möchten. Sie hoffen auf ein gutes Angebot aus dem Regensburger Süden, Bad Abbach oder Burgweinting. „Das wäre cool.“