Nach Dauerzwist im Regensburger Stadtrat: Bau des Parkhauses am Unteren Wöhrd startet

Lange konnte sich der Stadtrat nicht einigen – In einem Jahr soll nun das 16 Meter hohe Gebäude beim Alten Eisstadion am Regensburger Altstadtrand stehen
Beim Thema Mobilitätsdrehscheibe hatte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer lange nichts zu lachen. Seit 2018 war das Parkhaus am Unteren Wöhrd im Gespräch, doch wegen Konflikten im Stadtrat und Bürgerprotesten ging lange nichts vorwärts. Beim ersten Spatenstich am Dienstag wirkt sie gelöst. Lächelnd greift die OB zusammen mit Stadtwerk-Geschäftsführer Manfred Koller und weiteren Projektbeteiligten zum Spaten. Das Stadtwerk baut das Parkhaus.
Regensburg sei eine Großstadt, erinnert Maltz-Schwarzfischer. „Wir müssen nicht nur den öffentlichen Nahverkehr, sondern auch den Individualverkehr weiterentwickeln.“ Die Mobilitätsdrehscheibe solle die Altstadt von Autos entlasten.
Günstigere Gebühren als in den Zentrums-Parkhäusern
Das Parkhaus in Modulbauweise auf der Fläche des früheren Eisstadions an der Wöhrdstraße/Ecke Nibelungenbrücke mit 580 Stellplätzen wird auf zehn Etagen und 16 Meter Höhe wachsen, die Nibelungenbrücke also um bis zu acht Meter überragen.
Der Bau kostet 11,5 Millionen Euro. Stadtwerk-Geschäftsführer Manfred Koller kündigt an, das Parkhaus werde schon im April fertig, nicht erst im Herbst 2027, wie es ursprünglich erwartet wurde. Die ausführende Firma Goldbeck habe viel vorbereitet. Eine Bauzeit von zwölf Monaten sei „sensationell kurz“. Mit seiner Metallfassade könne sich das Parkhaus sehen lassen.
Die Firma Goldbeck, erfahren im Gewerbe- und Parkhausbau, zieht das Gebäude hoch. Der Regensburger Niederlassungsleiter Maximilian Licha betont, die Fassade, vor der ein Edelstahlnetz hängen wird, an dem sich Weinreben emporranken, habe durchaus einen architektonischen Anspruch. Begrünt werden drei Seiten. Sein Kollege Ingo Roßner spricht gar von einem Hingucker. An eine Industriehalle werde der Betrachter jedenfalls nicht denken. Geplant sind 50 Ladepunkte für E-Fahrzeuge im Parkhaus. Photovoltaik auf dem Dach wird diese mit Strom versorgen.
Zwischen 7 und 19 Uhr wird Personal vor Ort sein. Das ist bei Mobilitätsdrehscheiben dieser Größe üblich. Auf der Fläche am Alten Eisstadion werden sich weitere 364 Parkplätze verteilen, darunter 80 für Anwohner. Ob das Parkhaus angenommen wird, hängt wesentlich von den Tarifen ab. „Die müssen bezahlbar sein“, fordert Stadtwerk-Chef Manfred Koller.

Die OB umreißt, was eine Mobilitätsdrehscheibe ist: Es geht darum, die Autos beim Alten Eisstadion stehenzulassen und umzusteigen – in den kostenlosen Altstadtbus Emil oder eine andere Buslinie, auf das Fahrrad, das Lastenrad, das E-Leihfahrzeug Earl oder das Hotelshuttle. „Auch zu Fuß ist man in zehn Minuten in der Altstadt“, sagt sie. Der Untere Wöhrd ist in ihren Augen der richtige Standort, weil er als Parkplatz eingeführt ist. „Direkt am Altstadtrand, mit Blick zum Dom.“ Sie habe die Lage von Anfang an für attraktiv und „genial“ gehalten. Maltz-Schwarzfischer sagt, das Parken im Parkhaus am Unteren Wöhrd müsse deutlich günstiger sein als in der Altstadt, zum Beispiel für Leute, die im Zentrum arbeiten. Die OB blickt zurück: „Wir haben lange darüber gerungen.“ Solle man nicht die Autos weiter draußen auf Park&Ride-Plätzen abfangen? „Aber das funktioniert nicht, solange es im öffentlichen Raum in der Altstadt so viele Parkplätze gibt“, ist sie heute überzeugt. Die P&R-Plätze West und Jahnstadion würden nicht gut angenommen.
Während der Bauzeit stehen am Unteren Wöhrd vorerst weiterhin 224 Pkw-Stellplätze zur Verfügung. Das Stadtwerk baut derzeit neben der Mobilitätsdrehscheibe noch zwei Parkhäuser, in Haslbach und auf dem Gelände der Prinz-Leopold-Kaserne (PLK), wo ein Wohnviertel entsteht. Für das PLK-Areal plant die Stadttochter noch ein weiteres Parkhaus.
CSU war gegen die Verlegung von Altstadt-Parkplätzen
Zur Vorgeschichte: Vor Weihnachten 2025 votierte der Stadtrat mit 27 zu 20 Stimmen für den Bau des Parkhauses – sieben Jahre nach dem ersten Planungsbeschluss. Dagegen waren sechs von elf Grünen-Stadträten, die CSU, die FDP, Jakob Friedl (Ribisl-Partie) und Irmgard Freihoffer (BSW). Als die Stadt 2018 mit der Planung begann, war von 1500 Parkplätzen die Rede. Diese Zahl schrumpfte auf 1000. Die CSU sprach sich gegen den Bau aus, weil er zu teuer sei für die geringe Zahl an Stellflächen und weil sie nicht wolle, dass Parkplätze aus der Altstadt dorthin verlegt werden.