Die Regensburger Mieten überfordern immer mehr Familien

Manchen Mietern in Regensburg bleibt wegen des teuren Wohnens nichts anderes übrig, als wegzuziehen. Ein Fachanwalt des Mieterbunds erlebt drastische Erhöhungen, die vor allem Familien kaum mehr stemmen können.
Ortstermin bei einer Wohnungsbesichtigung im inneren Stadtosten: 94 Anfragen innerhalb einer Januarwoche erreichten das Portal ImmoScout24 zu den 58 Quadratmetern. Die Vermieter haben eine Reihe von Bewerbern eingeladen, die sich nun in den hellen Räumen umsehen, darunter Studierende, Ärzte vom Universitätsklinikum, ein Maschinenbautechniker, eine Pharmareferentin, ein Rewag-Mitarbeiter. Eine Kaltmiete von 12,90 Euro verlangen die Vermieter für die Wohnung aus dem Jahr 2001, von der aus Altstadt und Bahnhof fußläufig zu erreichen sind. Das Rennen macht schließlich ein studentisches Paar, dessen Eltern für die Miete bürgen.
Kaum oder nur zu horrenden Preisen zu bekommen sind große Wohnungen. Eine 37-jährige Lehrerin kann ein Lied davon singen. Sie sucht zusammen mit ihrem Mann eine Fünfzimmer-Wohnung, möglichst mit Garten. Diese Größe müsse sein, weil die beiden Kinder eigene Räume brauchen und sie selbst ein Arbeitszimmer.
„Ich finde die Preise eigentlich schon unverschämt“
„Die meisten Angebote entfallen, weil sie zu teuer sind“, sagt sie. Für 100 Quadratmeter wollte ein Eigentümer kürzlich 2000 Euro kalt haben. „Ich finde die Preise eigentlich schon unverschämt“, sagt sie. Dabei habe ihr Mann, ebenfalls Akademiker, einen guten Job im öffentlichen Dienst. Die 37-Jährige arbeitet aber wegen der Kinder Teilzeit. „Wer kann das bezahlen?“, fragt sie sich. Von Kontakten mit anderen Eltern weiß sie, dass viele Familien große Wohnungen in der Stadt suchen, um alles mit dem Fahrrad erreichen zu können.
Die Regensburger Mieten sind laut Prof. Stephan Kippes vom IVD-Forschungsinstitut in den letzten zehn Jahren enorm gestiegen: beim begehrten Altbau um 48 Prozent, beim Neubau um beinahe 47 Prozent und im Bestand um fast 33 Prozent.
Mit zwei Kindern und einem Hund kann ich nicht in zwei Zimmern im vierten Stock leben.Sebastian Stopp, Mieteranwalt
Sebastian Stopp ist Anwalt für Mietrecht und wirkt im Vorstand des Regensburger Mieterbunds mit. In letzter Zeit berät er viele Menschen wegen Erhöhungen. „Die Eigentümer warten die gesetzlichen Fristen nur kurz ab und erhöhen dann wieder“, erlebt er. Auch nutzen Vermieter immer öfter die sogenannte Spannbreitenregelung, die an sich ein Ausnahmefall ist. Je besser Lage und Ausstattung einer Wohnung sind, desto näher ans Mietspiegel-Maximum kann der Preis rücken. Mit solchen Argumenten forderten Vermieter bis zu 17 Prozent mehr, sagt Stopp, der sich in Regensburg nur eine ganz besondere Lage vorstellen kann: „An der Donau, mit Domblick.“
Häufig ziehen Mieter aus, weil sie die finanzielle Belastung nicht mehr stemmen können. Familien mit sehr knapper Kasse wechselten sogar den Ort. Stopp beobachtet, dass ein Umzug in den Landkreis häufig nicht ausreicht, weil auch dort die Mieten zulegen. Viele Regensburger Familien wollen sich in der Stadt verändern, können aber nicht. „Die Neuvermietungen sind unglaublich teuer“, sagt Stopp. Die Preise lägen oft über der ortsüblichen Vergleichsmiete. „Andere beißen in den sauren Apfel, weil es keine Alternative gibt.“ Das betreffe ebenfalls vor allem Familien. „Mit zwei Kindern und einem Hund kann ich nicht in zwei Zimmern im vierten Stock leben.“
Doch der Markt ist gespalten. In Regensburg machen Mieten unter zwölf Euro je Quadratmeter ein Viertel des Angebots aus. Die günstigeren Wohnungen kommen aber eher Menschen zugute, die schon länger hier verwurzelt sind. Zugleich wächst die Stadt laufend. Das Münchner ifo Institut stellt in einer Untersuchung zu Mieten in Großstädten vom Oktober deshalb eine „Insider-Outsider-Problematik“ fest.
Neubürger steigen bei deutlich höheren Mieten ein
In einer Art Wohnungslotterie profitierten Haushalte mit bezahlbaren Bestandsmieten, während vor allem Neubürger bei deutlich höheren Preisen einsteigen müssten.
Anwalt Sebastian Stopp bestätigt das: Neu Zugezogene seien auf die Immobilien-Portale angewiesen. „Da werden die Objekte allesamt am oberen Ende angeboten.“ Das ifo Institut empfiehlt der Politik, das Angebot auszuweiten. Die Stadt Regensburg ringt seit Monaten um Lösungen.