Matcha-Tee und Kaffee statt Stiefel: Regensburger Café zieht in Beppos Bootstore ein

Von Christian Eckl · 6. Februar 2026 um 15:00

In den ehemaligen Beppos Bootstore an der Ecke Weiße-Hahnen-Gasse in Regensburg zieht ein neues Caféein. Das Wirts-Ehepaar expandiert und vergrößert das eigene Angebot. Das sind die Hintergründe.

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Wer in Regensburg seine Jugend verbrachte, der hatte die Wahl: Entweder lief man mit Cowboystiefel durch die Gegend. Das waren eher die Rock-affinen. Oder man hatte Biker-Boots – das waren die, die Depeche Mode vergötterten und auch mal auf eine Loveparade fuhren. Sicher war: Das Paar Boots kaufte man sich bei Beppos Boot Store Unter den Schwibbögen. „Wir bedauern sehr, dass immer mehr solcher Traditionsläden verschwinden aus Regensburg“, sagt Stefan Reisinger. Seine Frau Kristina bestätigt das: „Wir wünschen uns, dass die Altstadt floriert.“

Schon heute hat das Ehepaar einen Anteil daran, zumindest in Sachen Gastronomie. Neben dem Charlie’s am Dachauplatz betreibt es auch – zusammen mit Partnern – die Galerie. Auch dieser Name klingt bei den Kindern der 90er nach – war die Galerie doch die erste Gastro in Regensburg mit strengem Türsteher (der legendäre Rainer Fleischmann, der heute Fotograf ist) und der „Place to be“, wie man heute sagen würde, für die Regensburger.

Schöne Räumlichkeiten in ehemaliger Kapelle

Galerie heißt heute das frühere Picasso – und dieses Lokal ist in einer der schönsten Räumlichkeiten, die Regensburg zu bieten hat. Die ehemalige Hauskapelle hat derart schöne gotische Kreuzgewölbe im Inneren, dass man für diese eine separate Beleuchtung einbaute. Nun also wird es bald ein neues Café geben – nämlich direkt daneben. „Wir wollen hier ein Konzept verwirklichen mit regionalen Kaffee-Spezialitäten, aber auch Matcha-Tee und Bagels sowie selbst gemachten Kuchen“, sagt Reisinger. Das Café soll über Mittag bis nachmittags geöffnet sein, während die Galerie abends öffnet.

Das Eck entwickelt sich. Zwei Bäckereien haben ihre Ladeneinheiten so ausgebaut, dass sie auch als Café funktionieren. Neben dem Schifferl – direkt neben dem Goliath-Hotel – hat nun die Bäckerei Wurm ein Café in grundsanierten Räumlichkeiten in der Goliathstraße, Ecke Brückstraße eröffnet. Die Reisingers finden das gut. „Das belebt die Ecke“, sagen beide unisono. Das neue Round Bagel & Coffee, so wird das Lokal heißen, das bis Mitte März seine Pforten öffnet, bietet kostenloses W-LAN. Man soll darin also ähnlich wie im Starbucks bequem sitzen können mit Laptop, Mails lesen und beantworten und dabei einen Bagel essen.

Das Gebäude Unter den Schwibbögen 1 ist ein wahres Kleinod in der Altstadt. - Foto: Eckl

Einen Bagel-Store gab es bisher schon in Regensburg, doch dieser hat sich nach 16 Jahren verabschiedet. Das zeigt derzeit ein Zettel an, der im Laden in der Oberen Bachgasse angebracht ist und sich bei den Kunden bedankt für die Treue – und verabschiedet. Die Sache mit den Bagels haben die Reisingers auch schon im Charlie’s ausprobiert – „das hat sich etabliert“, sagt Kristina Reisinger. Um die Inneneinrichtung kümmert sich der Wirt selbst. „Das ist meine Leidenschaft, wir planen das immer selbst und bauen das dann auch“, sagt Reisinger. Er will mit viel Holz arbeiten, der Boden ist hell, die großen Fenster sollen Licht in das Café bringen.

Rückgang der Frequenz in der Altstadt spürbar

Das Gebäude, in dem neben der Galerie nun das Round Bagel & Coffee einziehen wird, ist ein absolutes Regensburger Kleinod. Der Keller des Gebäudes ist romanisch, der Kern ist gotisch und die Fassade ist im Barock entstanden. Im Jahr 1476 kam es zu einem sogenannten Hostienfrevel. Ein junger Dieb hatte einen Kelch gestohlen mit den geweihten Hostien, die er in den Keller des Gebäudes warf. Daraufhin wurde die Salvatorkapelle errichtet, in dem heute die jungen Leute feiern. Die Stadt verkaufte das Gebäude nach der Reformation 1542, schon damals zog die Kapelle „Zum Weißen Hahn“ ein.

Die Gastronomen sagen, dass sie spüren, dass die Frequenz in der Altstadt zurückgeht. „Der Wegzug von Zara, den merken wir im Charlie’s sehr stark“, sagt Reisinger. Sie wollen in ihrem neuen Café hochwertige Kaffeetassen aus einem Regensburger Keramikladen verkauft. Die Reisingers sind echte Regensburger – sie wünschen sich, dass gerade die kleinen Läden bleiben.