Wohnungsnot in Regensburg: Krankenhaus kauft Hotel für Auszubildende

Das Krankenhaus St. Josef in Regensburg investiert in den kommenden Jahren einen höheren dreistelligen Millionenbetrag in die Sanierung. Teil dieses Konzepts, den Standort weiter zu stärken, ist auch die Übernahme eines Hotels, das den Betrieb zum 31. Dezember eingestellt hat. In Regensburg fragen sich viele, ob die Politik überhaupt eine Antwort hat auf die zunehmend dramatischere Wohnraumkrise.
Zunehmend wird die Wohnungsnot in Regensburg zum Problem. Vor allem Menschen mit niedrigen und mittleren Gehältern haben erhebliche Schwierigkeiten, bezahlbare Wohnungen zu finden. Das treibt auch die Regensburger Caritas um. Nach dem Spital, das ein Gebäude sanieren und darin ein Auszubildenden-Wohnheim errichten will, folgt nun das Caritaskrankenhaus St. Josef mit einer ähnlichen Initiative: „Wir kaufen das Hotel Bernstein“, sagt Klinik-Geschäftsführerin Dr. Sylvia Pemmerl im Gespräch mit der Mittelbayerischen. „Das Thema Wohnungsnot treibt die Caritas ganz besonders um“, sagt auch Caritas-Direktor Michael Weißmann. Beide sind sich einig, dass die Wohnungsnot in Regensburg nicht mit immer mehr regulatorischen Hürden gelöst werden kann.
Bisher verfügte das Hotel Bernstein in der Hildegard-von-Bingen-Straße über 16 Zimmer. Zum 31. Dezember vergangenen Jahres hatte es den Betrieb eingestellt. Eingerahmt ist das Hotel ohnehin von sozialnahem Wohnraum: Auf der einen Seite befindet sich in dem Gebäude das BRK Seniorenwohn- und Pflegeheim Haus Hildegard von Bingen. In einem separaten Gebäude befindet sich ein Wohnheim, das mit einer BRK-Sozialstation betrieben wird. Insgesamt 99 Pflege- und Wohnheimplätze hält das BRK hier vor. Nun wird durch die Übernahme des Hotels durch das Josefskrankenhaus noch ein Wohnheim für Auszubildende in der Pflege integriert. Aus den 16 Hotelzimmern sollen nach dem Umbau 14 Wohnungen werden. Mit einer Eröffnung ist für April oder Mai dieses Jahres zu rechnen. Übrigens betreiben die Barmherzigen drei solcher Wohnheime.
Schwierige Lage auf dem Wohnungsmarkt
Schon bisher mietete das Josefskrankenhaus für Mitarbeiter auf Wohnungssuche in der Tillystraße Wohnraum an. Mit dem Kauf des Hotels nimmt das Josefskrankenhaus etwas wieder auf, was es schon einmal gab: ein eigenes Wohnheim. Das wurde zugunsten eines Anbaus allerdings schon länger aufgegeben. Etwa 280 Azubis werden zusammen mit dem Uniklinikum am Pflegecampus ausgebildet. „Es ist schwierig, Nachwuchs in der Pflege zu bekommen“, sagt Pemmerl. Sie nehme zwar Regensburg insgesamt eher als Standortvorteil wahr, da die Stadt viele Vorzüge habe. Aber der angespannte Wohnungsmarkt ist in der Tat ein Problem für viele.
Das bestätigt auch Caritas-Direktor Weißmann. Und er sagt auch, dass es schon zum sozialen Gewissen mit dazu gehöre, für Wohnraum zu sorgen. „Wir bekommen das natürlich in einem anderen Segment, in dem wir tätig sind, mit: der Obdachlosigkeit.“ Weißmann sagt, dass man seit zwei Jahren im Hintergrund einen Runden Tisch mit einer Wohnraum-Initiative gegründet habe, der nun Wirkung zeigt – und jetzt erstmals im Stadtrat auch Thema wurde. Bis zu 30 Akteure aus der Immobilien-Wirtschaft, aber auch aus der Kommunalpolitik und der Stadtbau sind beteiligt.
Dass nun kurz vor der Kommunalwahl Bewegung in die Debatte um knappen Wohnraum gekommen ist, wundert den Caritas-Direktor nicht. „Wir wollen mit einem Konzept bestenfalls dafür sorgen, dass Menschen in der Obdachlosigkeit in eine eigene Wohnung kommen – und dann auch selbst wieder für sich sorgen können“, sagt Weißmann. Die Caritas hat selbst Wohnungen für solche Menschen angemietet. Doch aufgrund dieser Aktivität weiß der Caritas-Direktor auch, wie schwierig die Wohnungssuche auch für Menschen ist, die nicht in einer ähnlichen Notsituation sind.
Keinen Cent für die Klinik aus der Kirchensteuer
Doch auch Pflege-Azubis aus anderen Ländern haben es auf dem Mietmarkt schwer. Zehn Vietnamesen haben beispielsweise in Wohngemeinschaften günstigen Wohnraum gefunden. Im Josefskrankenhaus sind Auszubildende von den Philippinen angestellt. Ihnen soll nun mit dem neuen Wohnheim geholfen werden, sich zurechtzufinden.
Pemmerl beklagt, dass vor allem die Bürokratie, aber auch die Bauverwaltung, große Probleme für das Krankenhaus seien. Das Josefskrankenhaus wird in den kommenden Jahren grundsaniert. Der Kauf des Hotels ist ein Bestandteil dieser Investitionen. Insgesamt soll ein höherer dreistelliger Millionenbetrag in das Krankenhaus investiert werden.

„Manchmal komme ich mir vor, als würden wir ein Atomkraftwerk bauen wollen“, sagt die Klinikleiterin. Dabei vermisse sie die Unterstützung aus der Verwaltung durchaus. „Manchmal wird vergessen, dass es in anderen Städten oder Landkreisen Millionen-Defizite sind, die für kommunal betriebene Krankenhäuser jährlich ausgegeben werden müssen, und die man sich hier in Regensburg spart.“
In Regensburg ist die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, die im Auftrag der Kommunen liegt und die im Zweifel mit Steuergeldern sichergestellt werden muss, allein durch die beiden konfessionellen Krankenhäuser sowie die Uniklinik, die vom Land finanziert wird, gewährleistet.
Weißmann ist es wichtig, zu betonen, dass kein Cent aus den Kirchensteuergeldern für den Betrieb, die Sanierung des Krankenhauses und jetzt auch für den Kauf des neuen Wohnheims verwendet wird. „Das Krankenhaus trägt sich selbst“, sagt Weißmann. Finanziert wird es natürlich, wie alle anderen Häuser, letztlich von den Beitragszahlern.