„Der Elefant im Klima-Raum“: Klimaexperte erklärt, wieso die Winter kälter werden

Von Christian Eckl · 31. Januar 2026 um 09:33

Klimafolgenforscher Hans Joachim Schellnhuber ist in Ortenburg im Landkreis Passau in einem Holzhaus geboren, das heute noch steht. In Regensburg studierte er Mathematik und Physik. Bei einem Gespräch mit der Mediengruppe Bayern erklärt er, wieso Holzbau die Menschheit vor der Klimakatastrophe retten könnte.

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Als Hans Joachim Schellnhuber noch das von ihm gegründete Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam leitete, da durfte er das frühere Büro von Albert Einstein nutzen. Heute arbeitet der Forscher, der in Ortenburg im Landkreis Passau geboren wurde – in einem 500 Jahre alten Holzhaus, „das noch heute steht“, so Schellnhuber selbst – in Wien. „Im einstigen Büro von Kaiser Franz Joseph“, schilderte Schellnhuber in einem kurzweiligen Vortrag. Den hielt er auf Einladung des Holzbauers Semmler, der schon vor 125 Jahren in Hemau gegründet wurde – und zwar in einem Neubau im Kelheimer Donaupark, der für „Bavarian Caps“ gebaut wurde. Der Bausektor sei „der Elefant im Klima-Raum“, sagte der Klimafolgenforscher. 40 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes komme aus dem Bausektor. Schellnhuber kritisierte auch Phänomene wie „Flightshaming“ – der Flugverkehr macht nur einen Bruchteil des weltweiten CO2-Ausstoßes aus. Er warf auch Megacitys wie Lagos in Nigeria an die Wand. „Eine Hölle“, so Schellnhuber, „die bis 2050 auf 50 Millionen Einwohner und eine Fläche so groß wie die Bundesrepublik Deutschland angewachsen sein wird“.

Die Klimawandel-Zweifler können Statistik nicht lesen

Der Klimafolgenforscher, der regelmäßig den bekennenden Klimaschützer König Charles trifft, hat in Regensburg Mathematik und Physik studiert. In etwa einer halben Stunde skizzierte Schellnhuber, wieso die Bezweifler des menschengemachten Klimawandels einfach keine Statistiken lesen können. So schilderte er vor dem Fachpublikum aus dem Holz- bzw. Wohnungsbau, dass die mittleren Temperaturen Jahr für Jahr immer weiter steigen. Kalte Winter in Deutschland sind kein Argument gegen den menschengemachten Klimawandel. „Im globalen Klima gibt es Teilsysteme.“ Eines davon ist der Golfstrom, so etwas wie die Heizung Europas. Versiegt dieser, würden die Winter mit Minusgraden um die 40 Grad Wirtschaft und Gesellschaft vor große Herausforderungen stellen.

Die Sommer wären aber heißer mit immer mehr Tagen, an denen das Thermometer über 40 Grad steigt. „Es wird extremere Extremereignisse und große Migrationsströme geben“, brachte es Schellnhuber auf den Punkt. Seine These ist auch, dass es nicht reichen wird, den CO2-Ausstoß auf Null zu senken. „Wir müssen das Klima auch reparieren.“ Dabei hatte Schellnhuber aber auch durchaus überraschende Erkenntnisse. Er sprach von einer „Klimapumpe“, die CO2 aus der Atmosphäre entfernen würde. Das Zauberwort ist ein Vorgang, der etwa drei Milliarden Jahre alt ist und damit die Lebensspanne des vor etwa 12 000 Jahren entstandenen Kulturmenschen um eine halbe Ewigkeit übersteigt: Die Photosynthese nämlich.

Und das ist wiederum ist die gute Nachricht, die Schellnhuber mit im Gepäck hatte. Während zwar im Amazonas der Regenwald schrumpft, weil dieser abgeholzt wird, um vorwiegend Schweinefutter zu produzieren, wachsen die Wälder in Europa, aber auch in Nordamerika und auch in einem anderen Land wieder, das der Klimaforscher überraschend lobte. „Das Land, das dabei heraussticht, ist China.“

Ausgerechnet China? Eine Diktatur soll besser sein als die Demokratien, die zunehmend Probleme haben mit den finanziellen Folgen des Klimaschutzes? Genau das betonte der Forscher auch im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. Zwar ist es richtig, dass China derzeit 30 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verursache. „China ist aber zwischenzeitlich ein Vorreiter bei den Erneuerbaren Energien, bei der Elektromobilität und sie werden jetzt auch mit dem Bauwesen beginnen.“ Hochhäuser in Holzbauweise seien keine Frage der Technik mehr. „The sky is the limit“, also der Himmel ist die Grenze, hatte Schellnhuber auch in seinem Vortrag gesagt. „Ich halte China für eine Autokratie aus Experten, Xi Jinping ist beispielsweise Chemieingenieur.“

Dass die Grünen derzeit in Deutschland nur noch bei 13 Prozent sind, also die Klimaschutzpartei an jenen scheitert, die sich fragen, wie die Wende überhaupt finanziert werden soll, das überrasche ihn nicht. „Wir rutschen leider wieder in ein Zeitalter des Aberglaubens und Diktatoren wie Donald Trump“ – Schellnhuber bezeichnete den US-Präsidenten wörtlich als „faschistoid“ – würden dies sogar noch mit der Religion rechtfertigen.

Klimaschutz muss auch sozialverträglich sein

Schellnhuber räumte ein, dass man sozialverträgliche Lösungen finden müsse. Doch wie sieht es mit Technologien wie der Künstlichen Intelligenz aus? Können diese das Klima retten, wenn wir es schon freiwillig nicht tun? „Das ist in der Tat ein Widerspruch.“ Der gebürtige Niederbayer kritisierte, dass Unmengen von Energie derzeit für Unterhaltung durch KI draufgehe, während die Tech-Unternehmer Abermilliarden verdienen würden.

Wiederum in China organisiert Schellnhuber derzeit einen Kongress zusammen mit einem Dutzend Nobelpreisträgern, wie man mit Hilfe von Techniken wie KI die Klimakatastrophe noch abwenden könne. „KI kann man sehr wohl einsetzen, um Stromnetze mit Erneuerbaren Energien zu optimieren und beispielsweise den Verkehr zu optimieren“„ so der Klimaexperte. Aufgegeben hat er die Welt nicht – wenn sich die Menschheit bewegt.