Wirt der Bischofshof Braustuben in Regensburg: „Wir machen weiter!“

Das Wirtsehepaar Schmidt betreigt die Bischofshof Braustuben in Regensburg. Vom Aus für die Bischofshof-Brauerei waren sie völlig überrascht. Eigentümer des Gaststätten-Gebäudes direkt neben der Brauerei, die Ende 2026 geschlossen werden soll, ist aber die Kirche. Im Gespräch verrät Wirt Manfred Schmidt, wie es weitergeht - und wieso er sich einen Besuch der Familie Schneider in seiner Gaststätte wünscht.
Wirt Manfred Schmidt ist traurig. „Das ist unsere Familie“, sagt der Betreiber der Bischofshof-Braustuben. Wie die Mitarbeiter der Brauerei Bischofshof, so erfuhr auch das Wirtsehepaar durch eine Mitteilung davon, dass Regensburgs größte Brauerei bis zum Ende des Jahres zusperren wird. Was Schmidt aber auch betont: „Wir machen weiter“, so der Gastronom. Der Pachtvertrag läuft noch zwei Jahre, doch längst verhandeln die Schmidts mit den Verantwortlichen bei der Brauerei, den Pachtvertrag zu verlängern. Die Signale an die Schmidts, trotz Brauerei-Schließung: Das Brauhaus soll bleiben – noch weitere Jahre! Schmidt sagt aber auch: „Wir würden uns wünschen, dass die Familie Schneider einmal bei uns vorbeischaut und sich selbst ein Bild macht.“ 28 Mitarbeiter beschäftigt der Wirt, der viele Jahre an der Uni arbeitete, bevor er sich vor vier Jahren zusammen mit seiner Frau dazu entschied, doch noch sein eigener Herr zu werden.
Erst Corona, dann ein Krankheitsfall, und jetzt das: Für die Schmidts ist das Aus ein Schock. Aber es geht weiter: „Wir werden auch das schaffen“, sagt der Wirt. Für ihn bedauerlich ist aber, dass in seiner Wahrnehmung viele Gäste glauben, dass nun auch die Braustuben geschlossen werden. „Wir wünschen uns unsere Gäste zurück, denn wir stehen auch die kommenden Jahre mit Sicherheit für sie zur Verfügung.“ Doch Schmidt sagt auch, dass von der Brauerei selbst etwa 80 Buchungen jährlich bei ihm landen, etwa durch die Brauereiführungen oder wenn Lehrlinge ihre Prüfung bestanden haben. „Das ist für uns ein tiefer Einschnitt.“ Als Beispiel nennt er das Unternehmen Krones, das gerade mit ausländischen Gästen häufig die Anlagen in der Brauerei besucht hatte – und anschließend mit den Gästen in den Braustuben einkehrte. „Das muss man erst einmal kompensieren“, sagt der gelernte Koch. „Aber auch das schaffen wir.“ Schmidt erhofft sich die Solidarität seiner Gäste.
Reservierungen brachen um 50 Prozent ein
„Manche denken nämlich, dass es nicht weitergeht bei uns – kürzlich hatten wir eine Beerdigung und die haben angerufen und gefragt, ob sie überhaupt kommen können.“ Seitdem die Hiobsbotschaft, dass die Brauerei Ende des Jahres schließt, bekannt wurde, seien die Reservierungen um 50 Prozent eingebrochen.
150 Sitzplätze haben die Braustuben, 200 sind es im Biergarten. „Wir wollen kein Restaurant sein, sondern ein gutes, bayerisches Gasthaus“, sagt Schmidt. Es sei heutzutage schwierig, gutes Personal zu finden. „Das haben wir aber geschafft und unsere Mitarbeiter sind ein tolles Team.“
Das Gebäude der Bischofshof Braustuben gehört nicht der Brauerei. Diese pachtet laut Schmidt das Gebäude nämlich selbst von der Kirche. Bereits 2019 hatte der Regensburger Bischof die Rechtsform der Brauerei neu ordnen lassen. Seit dem Jahr 1649, dem Gründungsjahr der Brauerei, waren die Bischöfe die direkten obersten Chefs der Brauereimitarbeiter. 2019 ließ der Bischof die Rechtsform wechseln von der eines eingetragenen Kaufmanns in eine GmbH und Co. KG. Damals hieß es gegenüber den Mitarbeitern: „Bischof Rudolf Voderholzer bleibt aber weiterhin der Brauerei Bischofshof erhalten. Er ist der Vorsitzende der Bischöflichen Knabenseminarstiftung, die als Komplementär vereinfacht gesagt Besitzer des Unternehmens ist.“
Zudem sagte der Bischof damals gegenüber den Mitarbeitern: „Wir wollen die Eigentümerschaft erhalten. Sie ist ein historisches Erbe. Sie garantiert die Nähe und Verbundenheit des Produkts mit der Oberpfalz und mit Niederbayern. Die Regionalität, die Verwurzelung werden wir als Bistum erhalten. Wir behalten die Rolle des Eigentümers bei.“ Ein paar Jahre später ist die Welt eine andere – und der Bischof verfügte die Schließung. Millionen-Finanzspritzen durch das Bistum für die Brauerei rissen große Löcher in den Haushalt.

Schmidt sagt, er hätte sich gewünscht, dass die drei Regensburger Brauereien – also Kneitinger, Spital und eben Bischofshof – gemeinsam aktiv geworden wären. „Aber die regionale Nähe zur Brauerei Schneider ist natürlich die zweitbeste Lösung“, findet der Wirt. Vier Gaststätten sind es, die direkt von der Brauerei verpachtet werden, auch wenn ihr die Häuser offenbar nicht selbst gehören: Neben den Braustuben der Bischofshof am Dom, der Ratskeller unter dem Alten Rathaus und das Haus Heuport. Derzeit finden dazu wohl Gespräche statt.
Getränkeabsatz brach um 40 Hektoliter ein
In der Gastroszene herrschte nach Bekanntwerden der Brauereischließung unter den Bischofshof-Pächtern und Bierbeziehern erst einmal Ratlosigkeit. Doch die lichtet sich langsam, sagt auch Schmidt. „Ich glaube, dass manche Sachen noch gar nicht final zu Ende gedacht sind“, sagt der Braustuben-Betreiber. Doch er ist sich sicher, dass es am Ende gute Regelungen mit der Brauerei Schneider geben wird. Seiner Einschätzung nach wird die kommenden vier, fünf Jahre auch auf dem Bischofshof-Areal wenig passieren. „Und dann kommt auch noch eine neue Stadtregierung“, sagt der Wirt. Aber eine Wohnbebauung würde er auf dem Nachbarsgrund begrüßen.
Das gesamte Areal umfasst zwar laut Google Maps 38.000 Quadratmeter. Da sind aber auch die Braustuben eingerechnet – und diese sollen, so versichert Schmidt, auch weiterhin Gastronomie bleiben. So befinden sich im ersten Stock des wunderschönen Jugendstil-Gebäudes noch Gästezimmer. Im obersten Stockwerk hat das Wirtsehepaar eine Pächterwohnung.
Dass es für Gastronomen immer schwieriger wird, das sagt auch Schmidt. „Wir haben im vergangenen Jahr 40 Hektoliter weniger Getränke verkauft“, sagt der Gastronom. Nicht nur Bier würde weniger getrunken. „Die Leute haben einfach weniger Geld“, sagt er, „sie sparen“. Doch zusammen mit seiner Frau will er weiter kämpfen. „Das hier ist für viele ein sozialer Treffpunkt“, sagt Schmidt. Und das soll so bleiben.