Bischofshof-Aus in Regensburg: Kommen auf dem riesigen Areal Wohnungen?

Während man im Landkreis Kelheim die „Heimkehr“ der ältesten Klosterbrauerei der Welt feiert, sitzt der Schock in Regensburg nach wie vor tief: Mit Bischofshof verschwindet im kommenden Jahr die größte Brauerei der Stadt von der Landkarte. Die Brauerei Schneider Weisse mit Sitz in Kelheim hat die Markenrechte erworben, übernimmt 21 Mitarbeiter aus der Logistik – 56 Mitarbeiter bei der Brauerei verlieren ihren Job. Gebraut wird am Standort Regensburg im Inneren Westen dann nicht mehr. Doch was bedeutet das konkret?
Ex-Brauereichef: Hätte man verhindern können
Der frühere Chef der Brauerei, Hermann Goß, sagte zur Mittelbayerischen auf die Nachricht wörtlich: „Ich habe in 20 Jahren als Brauereichef nur einmal einen Verlust gemacht.“ Allein in den letzten beiden Jahren seiner Tätigkeit habe er knapp eine Million Euro Gewinn erwirtschaftet. Dass er seine Nachfolgerin mit ausgewählt hat, das wirft er sich noch heute vor. „Wie kann man während der Corona-Pandemie für zwei Marken einen Relaunch machen, der Millionen gekostet hat?“, fragt er sich. Unter seiner Ägide seien Bischofshof und Weltenburger weltweit vermarktet worden. Kontakte nach Brasilien habe es gegeben. Und das Bier aus Regensburg wurde etwa bei der Vereidigung der Schweizer Garde in den Vatikan geliefert. „Das ist doch super Werbung“, so Goß heute. Als er vom Chef der Schweizer Garde im vergangenen Jahr kontaktiert wurde, musste er einfädeln, dass Weltenburger geliefert wurde. „Da war der Papst dabei – aber keiner von der Brauerei in Regensburg. Das ist doch unglaublich, oder?“
Gibt es Bischofshof künftig noch auf der Dult?
Goß erinnert daran, dass er einst dafür gesorgt hat, dass die Marke Thurn und Taxis aus den Dult-Zelten verschwand. Thurn und Taxis wurde an die Schörghuber-Gruppe (Paulaner) verkauft. In der Dult-Satzung steht, dass nur in Regensburg gebrautes Bier in den Zelten Hahn und Glöckl ausgeschenkt wird. Die drei Regensburger Brauereien – also neben Bischofshof Spital und Kneitinger – wechseln sich eigentlich ab. „Da ist Bischofshof jetzt raus, wenn es nicht mehr in Regensburg gebraut wird ab 2027“, sagt der frühere Brauereichef. Leid täten ihm die 56 Mitarbeiter, die gehen müssen. „Ich bekomme ständig Nachrichten“, sagt Goß. Der Brauerei Schneider hingegen gratuliert er. „Toll, wie die sich zwei super Marken mit kaum Risiko gesichert haben.“
Hoffnung für die Bischofshof-Mitarbeiter?
Aus informierten Kreisen wurde verlautbart, dass das Bistum bemüht ist, vakante Stellen durch Mitarbeiter der Brauerei zu besetzen. In der vergangene Woche verschickten Mitteilung ist nicht von Abfindungen die Rede, die bei einer Betriebsaufgabe nicht üblich sind. Wörtlich hieß es vielmehr: „Zur gemeinsamen Findung sozialverträglicher Lösungen für die dortigen Mitarbeiter werden umgehend Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen.“ Der Regensburger Bischof ließ sich jedenfalls vergangene Woche so zitieren: „Natürlich wäre es uns allen noch lieber, wenn wir auch den Standort Regensburg weiterführen könnten. Dafür fehlt jedoch jede wirtschaftliche Grundlage.“

Die Zahlen waren zuletzt desaströs
Zuletzt wies die Brauerei Bischofshof in den Jahren 2020 ein Defizit von knapp fünf Millionen und für das Jahr 2021 ein Minus von fast 2,7 Millionen Euro aus. Die Brauerei gehört nicht in den Kirchensteuertopf, sondern zur Knabenseminarstiftung. Dort hat man Anteile für 13 Millionen Euro eingestellt und den Wert der Brauerei nach unten korrigiert. Doch was sind die Anlagen wert? Und wird Schneider Weisse einige der Anlagen übernehmen? All das ist noch völlig ungeklärt. Eine entsprechende Anfrage mit einem detaillierten Fragenkatalog beantwortete man mit Verweis auf die Mitteilung von vergangener Woche nicht. Dabei stellen sich auch Fragen für andere Brauereien: Bischofshof füllte Bier ab etwa für Kneitinger, aber auch für eine Straubinger Brauerei. Ob dies künftig von Kelheim aus gemacht wird, blieb unbeantwortet.
Ein Wohngebiet auf bestem Baugrund?
Das Areal der Brauerei umfasst nach einer Messung auf Google Maps etwa 38 000 Quadratmeter. Die Hallen und das Gelände, auf dem bisher auch Bier von anderen Brauereien gelagert wurde, weil diese bei Bischofshof abfüllten, dürften relativ leicht zurückzubauen sein. Das Haupthaus der Brauerei steht interessanterweise nicht unter Denkmalschutz, obwohl es zwischen 1908 und 1910 errichtet wurde und Gebäude in unmittelbarer Nähe aus dem Jugendstil unter Denkmalschutz stehen. Doch was plant die Kirche damit? Das Bistum beantwortete eine Anfrage nicht. Offenbar gibt es noch keine Planung für das Areal und die Brauerei.
Brauerei-Areal liegt in einem Mischgebiet
Die Stadt hatte 2017 daneben einen Bebauungsplan aufgestellt, da das frühere Jahnstadion bebaut werden sollte. Heute befindet sich dort die Kreuzschule. Zudem wurden Gartenanlagen für den Bau der Kreuzschule aufgelassen. Die Stadt sagt, einen Bebauungsplan gebe es für das Brauereiareal derzeit noch nicht. Aber auf die Frage hin, ob auf dem 38 000 Quadratemter großen Areal Wohnbebauung möglich wäre, antwortet die Stadt so: „Aus heutiger Sicht: ja.“

Der Bischofshof ist ein Stück Stadtgeschichte
Ein Weltenburger am Dom gibt es bereits. Das hat seine Räumlichkeiten in einer ehemaligen Herzogspfalz – Regensburg atmet Geschichte. Doch der Bischofshof ist im Kern noch älter. Dort ist ein Teil der Römermauer integriert, im 19. Jahrhundert entdeckte man sogar mit der Porta Praetoria ein noch vorhandenes Tor des Römerlagers. Der Komplex geht auf das 11. Jahrhundert zurück, wobei das Domschatzmuseum der älteste Teil ist. Im Zuge der Übernahme Bayerns der einst freien Reichsstadt Regensburg 1810 kam der Bischofshof zunächst ins Eigentum des Staates. Über eine kirchliche Stiftung gelangte er Ende des 19. Jahrhunderts wieder in den Besitz der Kirche. Schon seit 1649 wurde hier Bier gebraut. Erst 1910 zog man um. Der Bischofshof ist eng mit der Brauerei verbunden.
Wird der Bischofshof nun zum Weißen Brauhaus?
Georg Schneider I. bekam 1872 als erster Bürgerlicher von König Ludwig II. das Recht verliehen, Weißbier zu brauen. Dazu übernahm er auch das Weiße Hofbräuhaus in München, das bis heute besteht. Doch nun stellt sich die Frage: Bleibt der Bischofshof weiter als Bischofshof neben dem Dom bestehen? Auch dazu will sich derzeit niemand äußern. Die Bischofshof Braustuben, die direkt in der Brauerei integriert sind, könnten im Zuge der Aufgabe des Braubetriebs im Stadtwesten möglicherweise aufgegeben werden.