Der Regensburger Bischof verkauft seine Brauereien an Schneider Weisse

Von Christian Eckl · 17. Januar 2026 um 11:00

Ein Jahr nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Brauerei Bischofshof gegründet. Trinken für die Priesterausbildung, so lautete das Credo. Was der 55. Bischof von Regensburg eröffnete, sperrt der 78. Bischof nun zu: Der Standort wird 2027 aufgegeben. Es trifft auch Mitarbeiter.

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Übernommen werden die beiden Marken Bischofshof und Weltenburger, der ältesten Klosterbrauerei der Welt, von Schneider Weisse. Das Familienunternehmen will die Tradition fortführen. Dennoch verlieren 56 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

Eine jahrhundertealte Tradition endet in Regensburg mit dem Beginn des kommenden Jahres. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer ist der Oberhirte, der die Brauereitradition von Bischofshof beenden wird in Regensburg, die Fürstbischof Franz Wilhelm Graf von Wartenberg neben dem Dom St. Peter im Jahre 1649 zur Versorgung der Dombauer gegründet hatte. Das war ein Jahr nach dem 30-jährigen Krieg. Doch die Nachwirkungen von Corona und des Ukrainekrieges zum einen, aber auch die nachlassende Lust der Deutschen auf Bier macht nun dem Brauereistandort in Regensburg den Garaus. Übernehmen soll die Kelheimer Traditionsbrauerei Schneider Weisse.

Am Freitag erklärten die Brauerei Schneider Weisse gemeinsam mit der Brauerei Bischofshof, dass der Standort im Regensburger Westen zum 1. Januar 2027 eingestellt wird. Weiter gehen soll die Tradition der ältesten Klosterbrauerei der Welt im Kloster Weltenburg. Bischofshof-Bier soll von da ab in Kelheim gebraut werden. 56 Mitarbeiter der Brauerei sollen ihren Job verlieren, „sozialverträglich“, wie es in einer Mitteilung an die Medien heißt. Lediglich die Mitarbeiter aus der Logistik – das sind 21 – sollen von Schneider in der neuen Konstellation übernommen werden.

21 Mitarbeiter werden übernommen, 56 verlieren ihren Arbeitsplatz

Die Marken Bischofshof und Weltenburg werden bleiben: In der Mitteilung heißt es, Schneider Weisse habe die Markenrechte an Bischofshof und Weltenburger übernommen. Wann der Brauereibetrieb allerdings am Standort Regensburg eingestellt wird, ist offenbar zeitlich noch offen. Wörtlich heißt es: „Die Produktion aller Marken soll mittelfristig komplett am Stammsitz von Schneider Weisse in Kelheim und in der Klosterbrauerei Weltenburg stattfinden, wofür die Voraussetzungen in Kelheim in den nächsten Jahren entsprechend geschaffen werden.“

Dass die Brauerei Bischofshof finanziell unter Druck ist, hatte unsere Zeitung bereits im August 2022 berichtet. Schon damals gab es Gerüchte, dass die Brauerei verkauft werden sollte. Doch der Bischof ließ damals seine Finanzverwaltung die durch Corona in Schieflage geratene Brauerei stützen. Damals hieß es von einem Bistumssprecher, die zum Bistum gehörende Knabenseminarstiftung übernehme in der wirtschaftlichen Ausnahmesituation der Corona-Pandemie „Verantwortung für die Brauerei und bietet Überbrückungshilfe, um so Arbeitsplätze und die Wirtschaftskraft in der Region zu erhalten und auch die Förderung des Priesterseminars langfristig zu sichern“.

Brauereichef Till Hedrich hatte die Marken Weltenburger und Bischofshof in den vergangenen Jahren modernisiert. - Foto: Bischofshof

Dunkelrote Zahlen der Brauerei im Finanzbericht

Im kurz vor Jahreswechsel veröffentlichten Finanzberichten des Bistums wurde bereits die desolate finanzielle Situation der Brauerei erwähnt. Die Brauerei wird nicht über den Kirchensteuertopf, sondern über die Knabenseminarstifung abgerechnet. „Bier trinken für die Priesterausbildung“, lautete die Devise über vier Jahrhunderte. Doch heute gibt es kaum mehr Priester – und Bier trinken auch immer weniger. Während das Bistum Regensburg für das Jahr 2024 Kirchensteuereinnahmen von über 300 Millionen Euro und ein Anlagevermögen von 1,4 Milliarden Euro auswies, wurde der Wert der Brauerei in den Büchern für 2024 nach unten korrigiert. Demnach mussten allein für das Geschäftsjahr 2024 insgesamt knapp drei Millionen Euro abgeschrieben werden.

Der wirtschaftliche Druck scheint also weiter gewachsen zu sein. Weiter heißt es, dass 13 Millionen Euro in die Brauerei durch die Stiftung in Form von Einlagen eingegangen sind. „Außerdem wurden der Brauerei Bischofshof weitere Sicherheiten für die Aufnahme von Finanzkrediten zur Finanzierung strategischer Investitionen gewährt.“ Die Bewertung des Risikos durch die Diözesan-Buchhalter ist „mittel bis hoch“. Dass die Brauerei zum Verkauf stehen könnte, war in der Gastroszene auch über Regensburg hinaus bekannt – dass dies mit der Aufgabe des Standorts Regensburg geschehen könnte, war wohl für viele undenkbar.

Bischof musste Bischofshof finanziell stützen

Aus gut informierten Kreisen erfuhr die Mediengruppe Bayern, dass die Brauerei seit Jahren rote Zahlen schrieb. Das Bistum Regensburg hatte zuschießen müssen, um die Brauerei zu stabilisieren. 90 Brauereien sind in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland geschlossen worden. Kürzlich sprach der Chef der Oettinger Brauereien, Stefan Blaschak: „Die Brauereien werden wie Fliegen von der Wand fallen.“ Ein solches Schicksal wollte man der Brauerei Bischofshof ersparen, indem man auf einen lokalen Partner setzte, der die Marken übernimmt. Georg Schneider VI. – traditionell heißen die Chefs der Kelheimer Brauerei Georg mit Vornamen – ist auch Präsident des Brauerbunds in Bayern.

Wir verbinden damit unsere über 150-jährige Weißbiertradition mit fast 380 Jahren Historie der Marke Bischofshof und der bis ins Jahr 1050 zurückreichenden Brautradition der ältesten Klosterbrauerei der Welt.Georg VII. Schneider, Geschäftsführer von Schneider Weisse

Sein Sohn Georg VII. ließ am am Freitag zum Kauf mitteilen: „Wir verbinden damit unsere über 150-jährige Weißbiertradition mit fast 380 Jahren Historie der Marke Bischofshof und der bis ins Jahr 1050 zurückreichenden Brautradition der ältesten Klosterbrauerei der Welt.“ Wenig wird sich demnach beim Kloster Weltenburg ändern. Dort ist ein Braumeister vor Ort, der im Kessel den Gerstensaft braut, das als ältestes Klosterbier der Welt gilt. Doch was mit der Gründerzeit-Brauerei im Regensburger Stadtwesten passiert, ist noch völlig offen. Sicher ist, dass ab 2027 dort kein Bier mehr gebraut wird.

Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer (l.) mit Generalvikar Roland Batz: Die Finanzlage des Bistums hat sich verschlechtert. - Foto: Eckl

Der Regensburger Bischof äußerte sich am Freitag so: „Neben dem Traditionsaspekt ist für uns ganz zentral, dass wir durch den Erhalt der Braustätte im Kloster Weltenburg sowie der Logistikabteilung von Bischofshof zumindest einen Teil der Arbeitsplätze direkt in der Region halten können.“

Bischof will eine „sozialverträgliche Lösung“

Das sei aktuell leider keine Selbstverständlichkeit, „wenn man sich die Meldungen der letzten Wochen und Monate anschaut“, so der Bischof weiter. „Natürlich wäre es uns allen noch lieber, wenn wir auch den Standort Regensburg weiterführen könnten. Dafür fehlt jedoch jede wirtschaftliche Grundlage“, so der Bischof. Er habe aber „großes Vertrauen, dass wir für die dortigen Mitarbeiter gemeinsam mit dem Betriebsrat trotzdem gute sozialverträgliche Lösungen finden werden“. Zur Übernahme durch Schneider Weisse sagte Voderholzer, dass die „jetzt gefundene Lösung unserer Idealvorstellung am nächsten“ komme.

Das älteste Klosterbier der Welt wird beim Kloster Weltenburg gebraut. Die Klosterbrauerei, die seit 1973 Teil von Bischofshof ist, soll fortgeführt werden. - Foto: imago