Paukenschlag: Schneider Weisse kauft Markenrechte an Bischofshof und Weltenburger

Von Mittelbayerische Zeitung · 16. Januar 2026 um 10:35

Wegen der anhaltenden Schwäche des deutschen Biermarktes planen die Traditionsbrauerei Schneider Weisse aus Kelheim und die Brauerei Bischofshof aus Regensburg zum 1. Januar 2027 ihre Geschäftsaktivitäten neu zu ordnen. Die Familienbrauerei Schneider Weisse erwirbt die Markenrechte an Bischofshof und Weltenburger. Das Unternehmen Bischofshof mit Brauereistandort Regensburg soll Ende 2026 geschlossen werden.

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Beide Brauereien kooperieren bereits seit langem im Rahmen einer Lohnbrauvereinbarung miteinander, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Mit der Neuordnung sollen drei Hauptziele erreicht werden: Die Nutzung von Synergien und eine deutliche Effizienzsteigerung bei Produktion, Vertrieb sowie Organisation sollen den bekannten Biermarken eine langfristig starke Position in ihren Absatzmärkten garantieren.

Außerdem wird trotz des fortschreitenden Brauereisterbens in Deutschland ein Komplettverlust von Arbeitsplätzen verhindert. Drittens basiere die Herstellung der bekannten Biermarken auf jahrhundertealter Brauerfahrung und regionalen Traditionen. Sie sollen auch künftig vollständig in bayerischer Hand und unter bayerischem Management bleiben, heißt es in der Mitteilung weiter.

Stillschweigen über Kaufpreis

Um diese Ziele zu erreichen, soll Schneider Weisse ab 1. Januar 2027 von der Brauerei Bischofshof die Rechte an den Marken „Bischofshof“ und „Weltenburger“ erwerben. Über den Kaufpreis haben die Vertragspartner Stillschweigen vereinbart.

Schneider Weisse wird mit der Übernahme der beiden Biermarken nach derzeitigem Stand auch die älteste Klosterbrauerei der Welt, die 1050 gegründete und seit 1973 zu Bischofshof gehörende Klosterbrauerei Weltenburg, sowie das für die Logistik zuständige Unternehmen von Bischofshof mit insgesamt 21 Mitarbeitern fortführen.

Die Produktion aller Marken soll mittelfristig komplett am Stammsitz von Schneider Weisse in Kelheim und in der Klosterbrauerei Weltenburg stattfinden, wofür die Voraussetzungen in Kelheim in den nächsten Jahren entsprechend geschaffen werden. Die von einer Stiftung des Bistums Regensburg getragene Brauerei Bischofshof mit ihrem Standort in Regensburg, an dem derzeit 56 Mitarbeiter beschäftigt sind, soll nach aktuellen Planungen zum 31. Dezember 2026 geschlossen werden. Zur gemeinsamen Findung sozialverträglicher Lösungen für die dortigen Mitarbeiter werden umgehend Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen.

Ein Portfolio absoluter TraditionsmarkenGeorg VII. Schneider

„Mit Schneider Weisse, Bischofshof und Weltenburger wollen wir ein Portfolio absoluter Traditionsmarken schaffen“, wird der Geschäftsführer von Schneider Weisse, Georg VII. Schneider, in der Mitteilung zitiert.

Till Hedrich, Geschäftsführer von Bischofshof und Weltenburger sagt: „Mit Schneider Weisse sind wir seit vielen Jahren durch verschiedene Kooperationen und auch über die Freien Brauer eng verbunden. Wir kennen und schätzen einander sowie die Besonderheiten der jeweiligen Marken und sind außerdem in derselben Region zuhause. Deshalb war für uns rasch klar, dass Schneider Weisse unser bevorzugter Gesprächspartner ist, als es darum ging, unsere Marken trotz der angespannten Lage auf dem deutschen Biermarkt gut in die Zukunft zu führen.“

Auf uns alleine gestellt, war ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb der Marken nicht mehr möglich.Till Hedrich, Brauerei Bischofshof

Hintergrund des Zusammenschlusses sind laut Pressemitteilung die seit Jahren drastisch zurückgehenden Absätze deutscher Brauereien im In- und Ausland. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat die Branche knapp 14 Millionen Hektoliter und damit knapp 14 Prozent ihres Absatzes verloren, heißt es. „Fakt ist: Auf uns alleine gestellt, war ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb der Marken trotz aller Anstrengungen und guten Weichenstellungen der letzten Monate nicht mehr möglich. Dafür hat die Marktentwicklung auch bei uns zu deutliche Spuren hinterlassen. Die drohende komplette Geschäftsaufgabe oder die Zerschlagung durch einen Investor ganz ohne Bezug zur Region und ihrer Geschichte können wir durch die jetzt gemeinsam mit Schneider Weisse zu verwirklichende ‚bayerische Lösung‘ aber abwenden und damit auch ein wichtiges Stück bayerischer Brautradition dauerhaft bewahren. Die Mitarbeiter am Standort Regensburg werden wir wo möglich an passende Unternehmen aus dem Netzwerk in der Getränkebranche und dem weiteren Umfeld der Brauerei vermitteln. Wir möchten alle unsere Mitarbeiter so gut es geht unterstützen“, so Hedrich weiter.