Bei Schneider Weisse in Kelheim übernimmt der Sohn – mit 29 Jahren

Bei Kelheims Familienbrauerei Schneider Weisse übergibt der Vater (59) an den Sohn (29). Im Interview sprechen Georg VI. und Georg VII. über Strategien für Brauerei und Bräuhäuser, Trump, Brau-Pannen und KI.
Herr Schneider, mit 29 Jahren Schneider Weisse zu übernehmen, wie fühlt sich das an?
Georg Schneider jun.: Aufregend und anstrengend (lacht). Aber ich kenne den Betrieb seit 29 Jahren. Die letzten zweieinhalb Jahre habe ich mich tief eingearbeitet. Ich kenne alle Themen und Hintergründe. Zudem drehten sich unsere Familien-Gespräche beim Abendessen fast immer um die Brauerei. So gesehen hatte ich eine sehr lange Einarbeitungszeit.
Und der Vater zieht sich mit 59 Jahren zurück aufs „Altenteil“?
Georg Schneider sen.: Nein, das wäre mit knapp 60 etwas vermessen. Und dazu habe ich auch keine Lust. Ich habe noch einiges vor. Aber meine Rolle verändert sich. Ich werde meinen Sohn unterstützen, wo er mich braucht. Aber als Geschäftsführer muss er jetzt eigene Wege gehen.
Im Mai wird beim Bayerischen Brauerbund neu gewählt. Stellen Sie sich wieder zur Wahl?
Georg Schneider sen.: Ich hatte bereits einen designierten Nachfolger. Leider Gottes ist er Anfang des Jahres verstorben. Ich werde mich noch einmal zur Wahl stellen, um Kontinuität zu gewährleisten.

Zurück zum Sohn: Sie haben BWL und Finanzwesen studiert, sind aber auch Braumeister. Ist beim Brauen schon mal etwas schiefgelaufen?
Georg Schneider jun.: Ja, mein erster Sud war super eklig. In der Brauerschule haben wir uns ein Ale überlegt, aber nicht mit Weizen sondern mit Haferflakes und das ist gründlich schief gegangen. Man konnte es trinken, aber es war ein sehr wildes Bier.
Was kann der junge Georg besser als der Vater?
Georg Schneider jun.: Natürlich alles (lacht). Sicher nicht besser öffentlich reden oder Bier brauen, aber ich komme mit den aktuellen technologischen Gegebenheiten besser klar. Ich denke nicht, dass etwas besser zu können der Maßstab ist. Für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Verantwortung zu übernehmen.
Georg Schneider sen.: Jede Zeit hat ihre Herausforderungen. Wir hatten in den vergangenen 25 Jahren einen gewaltigen Technologie-Transfer. Energie-Management und Nachhaltigkeit zählten in unserer energieintensiven Branche zu meinen großen Themen. Zudem war es die große Aufgabe, den kleiner werdenden Binnenmarkt zu kompensieren. Das habe ich mit Export im Spezialitäten-Segment ganz gut hingebracht, denke ich.

Welche Themen muss der neue Bräu angehen?
Georg Schneider jun.: Bier braucht Heimat und es ist heimatstiftend, deshalb müssen wir den Leuten Veranstaltungen und bald auch wieder Brauereiführungen bieten, wo sie das Bier und die Menschen dahinter erleben und sich damit identifizieren können. Des Weiteren müssen wir uns in einem in schwierigem Markt behaupten und eine junge Generation gewinnen und fürs Weißbier begeistern. Mit und ohne Alkohol. In den nächsten Jahren steht auch der Brauerei-Ausbau an. Energie-Management sowie Kosten und Umsatz in der Balance zu halten, werden mich beschäftigen. Und ich will fest daran arbeiten, dass es vom Hype auf Helles wieder zum Weißbier-Hype geht.
Die neue Flasche soll auch helfen, das Leergut-Problem zu beheben.
Georg Schneider junior
Apropos Weißbier. Warum gibt es zum Generationswechsel ein Weißbier in der Euro-Flasche?
Georg Schneider jun.: Unsere Helle Weiße war immer sehr erklärbedürftig. Ab Mai heißt sie Hefeweißbier naturtrüb und kommt in der bauchigeren Euro-Flasche in den Handel. So wie unser Helles. Die Flasche ist retro-modern. Zugleich steckt eine strategische Überlegung dahinter. Die Flasche soll helfen, das Leergut-Problem zu beheben.
Inwiefern?
Georg Schneider jun.: Die Eurokiste ist etwas niedriger. Da lassen sich weniger Fremdflaschen einstellen. Aktuell kommen bis zu 50 Prozent fremde Flaschen zurück, die wir nicht verwenden können. Das ist ein riesen Kostenfaktor. Die Euroflaschen müssen wir zwar neu kaufen. Aber wir hoffen, dass wir sie zu 98 Prozent zurückbekommen und neu befüllen können. Am liebsten wäre uns eine Flasche für den ganzen Biermarkt. Das wäre nachhaltiger und günstiger, aber die größeren Pilsbrauer gehen da völlig andere Wege.
Veränderung steht auch nebenan im Weissen Bräuhaus an. Welches neue Konzept erwartet demnächst die Gäste?
Georg Schneider jun.: Es werden sich nach der Sanierung nicht so sehr die Gasträume unterscheiden. Die Küche wird digitaler. Wir wollen Köchen einen attraktiven Arbeitsplatz mit normalen Arbeitszeiten bieten. Wie bei Mama zuhause wird morgens gekocht, mittags heruntergedreht. Das Finishing, wenn der Gast da ist, können angelernte Hilfskräfte übernehmen. So entzerren wir die Arbeit des Kochs, aber ohne Convenience. Es wird regional und frisch vor Ort gekocht. Wir wollen keine L‘Osteria auf bayerisch sein.
Wer reist, kann sich in vielen Ländern eines Ihrer Biere bestellen. Wie setzen Kriege und Zölle diesem Geschäft zu?
Georg Schneider sen.: Das Exportgeschäft hat uns, wie viele andere, in der Vergangenheit gut getragen. Unser Anteil liegt bei 25 bis 30 Prozent. Das Geschäft mit den USA ist durch Trump unberechenbar geworden. Auch wenn es noch nie leicht war, weil sich dort Trends sehr schnell ändern. Die Lieferketten nach Russland sind seit dem Krieg abgeschnitten. Den einen Exportmarkt hat es aber nie gegeben. Es sind viele. Und jeder hat eigene Spielregeln. Mein Rat ist: Nicht auf einen setzen, sondern auf viele.
Den kleinsten gemeinsamen Nenner für eine Rezeptur kann die KI schon finden, aber da kommt kein spannendes Bier heraus.
Georg Schneider junior über seinen Versuch Chat GPT ein Bierrezept schreiben zu lassen
Wie steht es mit einem anderen Thema, das in aller Munde ist. Digitalisierung und KI?
Georg Schneider jun.: Die Brauwirtschaft ist in der Produktion bereits stark digitalisiert. Von unseren 100 Mitarbeitern beschäftigt nur sechs das Brauen. KI setzen wir etwa im Marketing ein. Wir haben auch mal überlegt, uns ein Bierrezept von der KI schreiben zu lassen. Privat habe ich Chat GPT gefragt.
Und wie war das Ergebnis?
Georg Schneider jun.: Den kleinsten gemeinsamen Nenner für eine Rezeptur kann die KI schon finden, aber da kommt kein spannendes Bier heraus.