Chef der Bischofshof-Brauerei über neue Produkte und den Trend zu bayerischem Hellen

Von Christian Eckl · 1. Mai 2024 um 11:00

Mit der MZ spricht Till Hedrich, Geschäftsführer der Brauerei Bischofshof in Regensburg, über den aktuellen Biermarkt und mit welchen neuen Produkten die Brauerei Bischofshof auf neue Trends reagiert.

Das Trinkverhalten gerade junger Menschen hat sich verändert. Ist Bier eigentlich noch cool?

Till Hedrich: Es gibt einige Trends, die den Bierabsatz in den vergangenen Jahren gedrückt haben. Doch die bayerischen Brauereien haben das Glück, Biere zu brauen, die einem wachsenden Trend entsprechen: Weg vom Pils und den bitteren Bieren und hin zu eher milden Hellen. Die, Herkunft und Glaubwürdigkeit des Bieres spielen ebenfalls eine gewichtige Rolle. Und da haben wir mit Bischofshof, gegründet 1649, und mit der ältesten Klosterbrauerei, Weltenburger mit Gründungsdatum im Jahr 1050, eine gute Voraussetzung.

Trinken Sie?

Hedrich: Ich trinke unregelmäßig und ich trinke gerne Bier (lacht). Auch mal ein Wettbewerber-Bier übrigens. Mich hat die Entwicklung der Craftbiere interessiert und ich bin sehr neugierig, was Bier betrifft.

Der Trend weißt eher in die Richtung eines sinkenden Bierkonsums. Wieso?

Hedrich: Die Bevölkerung lebt gesundheitsbewusster. Ich sehe das auch bei meinem Sohn und seinem Freundeskreis, der weniger Bier trinkt als ich in seinem Alter. Aber dafür wird mehr alkoholfreies Bier konsumiert. Das ist einer der Wachstumsbereiche, auf den wir auch zielen.

Sie selbst kommen ja ursprünglich von einer der ganz großen Brauereien. Wo ist der Unterschied zu einer Brauerei wie Bischofshof mit knapp 70 Mitarbeitern?

Hedrich: Ich glaube, der ganz große Unterschied ist die Identifikation mit der regionalen Verwurzelung. Anheuser-Busch InBev beispielsweise sieht nicht die Bedeutung der regionalen/lokalen Verwurzelung und nutzt diesen Wert nicht in der Vermarktung seiner Marken Das ist bei uns mit Bischofshof und Weltenburger ganz anders. Übrigens auch bei den vielen anderen regionalen Brauereien in Ostbayern.

Sie haben ein paar neue Getränke eingeführt. Welche?

Hedrich: Mit Weltenburger Hell hatten wir immer schon eine starke Marke, die aber noch nicht so relevant war am Markt. Gerade junge Konsument greifen zur sogenannten Euroflasche. Wir füllen das Weltenburger Helle nun in Euro- statt in den NRW-Flaschen ab. Seit wir das tun, haben wir damit eine Wachstumsrate im zweistelligen Bereich. Das neue Etikett und die deutschlandweite Distribution gehören zu dieser Strategie. Die zweite Innovation bei Weltenburger war die Reaktion auf den Alkoholfrei-Trend mit der Einführung von Weltenburger Hell Alkoholfrei. Damit haben wir eine Lücke im Portfolio geschlossen. Nach dem Weltenburger-Jahr 2023 in der Brauerei folgt für uns nun das Bischofshof-Jahr. Zum einen habe ich mich gefragt, wieso die jungen Menschen, die im Sommer an der Donau sitzen, so oft Tegernseer oder Chiemseer trinken, nicht aber Bischofshof oder Weltenburger. Wir müssen in die Imbisse und Kioske dort. Mir wäre es am liebsten, wenn die jungen Menschen dort ein Regensburger Bier in den Händen haben. Und dann verbinden wir unser regionales Engagement auch mit Sport-Sponsoring, Jahn, Eisbären und Legionäre bringen unsere Konsumenten mit den Emotionen des Sports zusammen.

Gibt es eigentlich die Jahn-Halbe noch?

Hedrich: Ja, und die gibt es nun in Dosen. Sie ist schnell gekühlt, nicht so schwer wie eine Flasche und gut zu tragen. Dem Umweltaspekt wird zudem durch das Dosenpfand Rechnung getragen.

Sie haben ein Mischgetränk mitgebracht, dass wir an dieser Stelle nicht Spezi nennen dürfen. Was ist es dann?

Hedrich: Wir hatten schon immer ein Perlkrone-Cola-Mixgetränk im Angebot, das war bisher mit einem Schraubverschluss. Aufgrund technischer Änderungen können wir es so nicht mehr abfüllen. Wir haben uns aber gesagt: Wieso machen wir nicht ein Regensburger Cola-Mix-Getränk mit einer coolen Gestaltung?

Corona war eine schwierige Zeit, für die Brauerei, aber ebenso für die Gastronomie. Hat sich das langsam wieder erholt?

Hedrich: Die Gastronomie hat sich langsam erholt und wir sind jetzt etwa bei 85 Prozent der Absätze der Zeit vor Corona. Leider gibt es auch einige Gastronomie-Objekte, die die Pandemie nicht überlebt haben.

Woran liegt das?

Hedrich: Nach Corona kam der Ukraine-Krieg und die Inflation, verbunden mit steigenden Kosten und einer Zurückhaltung der Konsumenten. Man kann das ja an sich selbst beobachten: Das dritte Bier spart man sich vielleicht und nimmt das günstigere Schweine- statt das Kalbsschnitzel. Aber wir haben auch sehr gute Gastronomen, die das durch ein gutes Konzept überstehen.

Wer ist denn ein solcher guter Gastronom?

Hedrich: Mit Eric Hagelstein haben wir einen Gastronomen im Bischofshof am Dom, der es sicher nach der damaligen Übernahme zu Beginn der Corona Krise nicht einfach hatte, aber er hat es mit seinem Konzept geschafft, den Bischofshof so zu führen, dass er unsere Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Auch das Heuport entwickelt sich sehr gut, wo jetzt eine Systemgastronomie betrieben wird, die auch auf eine sehr moderne Innengestaltung des Raums setzt. Das spaltet auch, das ist klar, aber wir sehen, dass gerade unter den jungen Konsumenten eine unheimliche Frequenz da ist.

Der Gesetzgeber hat Cannabis freigegeben. Sehen Sie eine Gefahr für den Bierkonsum durch diese Freigabe?

Hedrich: Um eine Parallele zu ziehen: Das Rauchverbot war verbunden mit den Aussagen vieler, die Umsätze würden einbrechen, selbst am Oktoberfest. Es gab tatsächlich einen kleinen Einbruch, aber das hat sich wieder normalisiert. Man muss erst einmal sehen, wie das Gesetz in Deutschland überhaupt umgesetzt wird und wie die Gastronomien damit umgehen. Ich sehe das entspannt.

Auf der Regensburger Dult ist der Cannabis-Konsum jedenfalls verboten. Wie wichtig sind diese Feste für Brauereien noch?

Hedrich: Extrem wichtig. Volksfeste wie die Dult und andere reflektieren die Regionalität oder sogar Lokalität, aber auch die Tradition, die gerade wir Regensburger Brauereien nach außen tragen. Sie symbolisieren die Verbundenheit mit den Menschen und ihrer Region. Wir sagen ja, Bischofshof ist das Bier, das uns zu Freunden macht.

Regensburg hat ja drei Brauereien, neben Bischofshof auch Spital und Kneitinger. Gibt es da harte Konkurrenz?

Hedrich: Wir haben einen fast freundschaftlichen Wettbewerb. Unsere Devise ist, eher soll eine der Regensburger Brauereien beispielsweise den Zuschlag für ein Gastronomie-Objekt bekommt, bevor einer von außen dort aktiv wird. Natürlich versuchen die großen Brauereien von außerhalb, sich hier breit zu machen (lacht).

Sie leiten die einzige kirchliche Brauerei in Regensburg, denn das Spital, wenn auch mit kirchlichen Räten, ist eine Stiftung ebenso wie Kneitinger. Wie wichtig ist das für Sie?

Hedrich: Der Regensburger Bischof, ich nenne ihn jetzt mal unseren Gesellschafter, steht voll und ganz hinter der Brauerei. Ähnlich ist dies bei vergleichbaren familiengeführten Unternehmen. Das hat natürlich viele Vorteile auch für die Mitarbeiter in einer solchen Struktur, verglichen etwa mit einem riesigen Konzern. Ein anderer Gesellschafter hätte die Brauerei nach der Corona Krise vielleicht nicht so unterstützt. Aber unser Bischof steht hinter der Brauerei und den Mitarbeitern. Dafür sind wir sehr dankbar.