Nach dem Bischofshof-Beben: So steht es um die verbliebenen Regensburger Brauereien

Das Bischofshof-Beben hallt nach. Regensburgs größte Brauerei verschwindet aus der Stadt. Ist damit erst der erste Dominostein gefallen? „Nein, aus unserer Sicht nicht“, widerspricht Leonhard Resch. „Wir wollen sauber und vernünftig weitermachen“, sagt der Geschäftsführer der Kneitinger-Brauerei. Wenngleich er einräumt, dass der Biermarkt seit Jahren angespannt und rückläufig sei, „das spüren alle“. Nichtsdestotrotz geben sich die Brauereien in Stadt und Umland kämpferisch.
Auf dreieinhalb bis vier Prozent beziffert Spitalmeister Wolfgang Lindner den jährlichen Absatzrückgang bei der Brauerei, die zur Katharinenspitalstiftung gehört. „Ich bin froh, dass wir nicht bloß eine Brauerei sind“, sagt Lindner entsprechend. Etwa ein Zehntel des gesamten Geschäftsfeldes mache die Spital-Brauerei aus.
Zweck der öffentlich-rechtlichen Sozialstiftung ist die Altenpflege, Forstbetrieb, Immobilien oder eben die Brauerei seien nur Beiwerk. Dadurch gehe es der Brauerei gut, weil sie sich recht flexibel an die Nachfrage anpassen könne. Erster Braumeister Wolfgang Gabler übernimmt etwa auch als technischer Leiter bei der Stiftung Aufgaben, entsprechend werden die Personalkosten zwischen den Bereichen aufgeteilt.
Investitieren oder gesund schrumpfen?
Bei einem schrumpfenden Bier-Markt gebe es nur zwei Möglichkeiten gegen die Geschäftsaufgabe, sagt Lindner: „Entweder ich stemme mich mit allen Mitteln dagegen oder ich versuche meine Kapazitäten anzupassen.“ Zweiteres habe das Katharinenspital in seiner 800-jährigen Geschichte gelernt, deshalb gebe es den Betrieb nach wie vor. Wenn Spital – als kleinste der drei Stadtbrauereien sei sie weniger als ein Zehntel so groß wie Bischofshof und etwa halb so groß wie Kneitinger – die Kapazität von 15 000 Hektolitern Bier im Jahr nicht halten kann, müsse man die Menge eben anpassen, anstatt das Bier im Getränkemarkt zu verramschen, sagt Lindner. „Man muss es schaffen, sich gesund zu schrumpfen.“ Gegen die gesellschaftliche Entwicklung komme man nicht an.
Jede Brauerei, die es nicht schafft, tut uns persönlich weh. Das ist ein Kulturverlust.Michel Schönharting, Eichhofener-Inhaber zum Bischofshof-Aus
Der Entwicklung weg von Alkoholkonsum trägt auch Prösslbräu am Adlersberg Rechnung. Dort wird ab Dienstag der „Freie Adler“ verkauft, das erste Alkoholfreie der Familienbrauerei. Freilich sei höherer Bierkonsum besser für Brauereien, sagt Geschäftsleiterin Dagmar Prößl. Aber solle sie über junge Menschen schimpfen, die gesünder leben wollen und weniger Alkohol trinken? Die Ausnahme ist für sie der Palmator, da gehöre „ein bisserl ein Rausch“ schon dazu.
Prössl reagiert mit Alkoholfreiem
Prösslbräu sacke nicht so stark ab wie andere – deutschlandweit geht der Bierabsatz mehr als sechs Prozent zurück – doch auch von ihrem Bier werde weniger getrunken, sagt Prößl. „Wenn wir dabei bleiben wollen – und das wollen wir –, müssen wir die Investition machen.“ Und die sei beträchtlich, da auch das Alkoholfreie komplett am Adlersberg gebraut wird.
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Dramatisch werde es für Prössl aber nur, wenn den „Freien Adler“ keiner kauft. „Wir hoffen aber, dass wir den Geschmack getroffen haben“, sagt Prößl. „Und wir können uns auch noch ein bisschen spielen damit.“
Bischofshof-Aus: „Eine Bombe, die geplatzt ist“
Schon vergangenes Jahr hat Eichhofener ein alkoholfreies Bier auf den Markt gebracht. „Das wird auch sehr gut angenommen“, sagt Michel Schönharting, Inhaber der Schlossbrauerei Eichhofen. Ein deutschlandweiter Trend ist das Plus bei Alkoholfreiem. Das Minus bei Hellem und Pils macht es aber nicht wett. „Die Lage ist schon insgesamt nicht so einfach“, sagt Schönharting. Um das Eichhofener brauche man sich aber nicht sorgen. Mit Brauerei und Schlossgasthof sei man gut aufgestellt. Für Schönharting war das Bischofshof-Aus „wirklich eine Bombe, die geplatzt ist“. Auch die anderen Brauerei-Chefs wurden vom Verkauf der Markenrechte an Schneider Weisse völlig überrascht.
Kneitinger und Spital suchen neue Abfüllung
„Jede Brauerei, die es nicht schafft, tut uns persönlich weh. Das ist ein Kulturverlust“, sagt Schönharting. Die Bier-Vielfalt der Region leide, Personal verliere die Anstellung. Die lokalen Brauereien sind partnerschaftlich miteinander verbandelt. Vom gemeinsam organisierten Tag des Bieres bis hin zur Abfüllung. Kneitinger ließ sein Bier von Bischofshof in Flaschen bringen, Spital die Hälfte des Biers. Kneitinger-Chef Resch bereitet das recht wenig Kopfzerbrechen: „Wir werden einen anderen Partner suchen müssen, aber ich bin guter Dinge, dass wir da eine Lösung finden.“
Wir werden in 800 Jahren auch noch Bier brauen.Wolfgang Lindner, Spitalmeister
Kapazitäten seien schließlich bei den Brauereien vorhanden, stimmt Lindner ein. Für die Spital-Brauerei blickt er optimistisch in die Zukunft. „Wir werden in 800 Jahren auch noch Bier brauen.“ Wenn dann überhaupt noch Bier getrunken wird.