Bier verkauft sich immer schlechter: So reagieren die regionalen Brauereien

Von Benedikt Baumgartner · 8. August 2023 um 05:00

Brauereien verkaufen immer weniger Bier im Handel, vermeldet das Statistische Bundesamt. Auch die Brauer in und um Regensburg spüren diese Entwicklung. Beliebter wird nur Alkoholfreies. Die Brauereien setzen auf die Gastronomie und den Geschmackstrend milde, leichte Helle.

Es gibt kein Bier auf Hawaii. Das hat Schlagersänger Paul Kuhn 1963 schon Abstand von dem Flitterwochendomizil nehmen lassen. Gibt es aber bald auch kein Bier mehr in Deutschland? Oder nur noch alkoholfreies? Ganz so weit ist es nicht, doch seit Jahren gehen die Absatzzahlen der deutschen Bierbrauer nach unten. Für das erste Halbjahr 2023 vermeldet das Statistische Bundesamt einen weiteren Rückgang des Inlandsverkaufs von Bier um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Diese Entwicklung spüren auch die Brauereien in der Region.

Braumeister Wolfgang Gabler von der Spitalbrauerei bestätigt auf Nachfrage der Mittelbayerischen Zeitung: „Ja, diese Trends sind leider auch bei uns bemerkbar.“ Er spricht von einem jährlichen Absatzrückgang im Einzelhandel von zwei bis drei Prozent. Der Absatz von alkoholfreiem Bier steigt bei der Brauerei in Stadtamhof stetig.

Alkoholfreies immer beliebter

Auch diese Entwicklung entspricht den bundesweiten Zahlen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Absatz von Bieren ohne Alkohol deutschlandweit verdoppelt. „Der Absatz alkoholfreier Biere steigt seit Jahren, kann aber den generellen Rückgang im Bierkonsum nicht ausgleichen“, sagt Till Hedrich, Geschäftsführer der Brauerei Bischofshof und der Klosterbrauerei Weltenburg. Von einem „stetigen Zuwachs, aber noch auf einem geringen Niveau“ spricht auch Martin Sperger, Geschäftsführer der Brauerei Kneitinger.

Die regionalen Erfahrungen unterstreichen Zahlen des statistischen Bundesamts. Die 474 Millionen Liter Alkoholfreies sind trotz Aufwärtstrend noch weit entfernt von den 7,6 Milliarden Litern, die 2022 von deutschen Brauern an alkoholhaltigem Bier verkauft wurden.

Große Brauereien „verschleudern ihre Biere“

Das Absatzminus im Handel liegt laut Michel-Andreas Schönharting, Inhaber der Schlossbrauerei Eichhofen, an einer „gewissen Kaufzurückhaltung und Verunsicherung bezüglich der finanziellen Möglichkeiten bei den Verbrauchern“. Kurz: Es wird beim Einkauf mehr aufs Geld geschaut in Zeiten hoher Inflation. „Der Biermarkt ist ein Verdrängungsmarkt und oft hatten die kleinen Brauereien das Nachsehen gegenüber den ,Fernsehbrauereien‘“, sagt Sperger und meint damit die überregional agierenden Bier-Brauer. Schönharting stimmt mit ein, dass die über große Produktionsmengen ihre Biere „mit riesigen Preisnachlässen verschleudern“.

Allein an der allgemeinen Kaufkraftentwicklung der vergangenen eineinhalb Jahre liegt der sinkende Bierabsatz, der sich seit vielen Jahren vollzieht, nicht. „Der zweite Punkt ist eine Veränderung der Gesellschaft. Viele Menschen leben einen sportlichen, aktiven Lifestyle, hier passt Alkohol oftmals nicht ins Bild“, mutmaßt Sperger.

Überrascht zeigt sich Spital-Braumeister Gabler davon, dass der Absatz in der Gastronomie langfristig konstant mit leichtem Aufwärtstrend ist. Schließlich seien auch hier die Preise gestiegen und gesünder ist alkoholhaltiges Bier in der Wirtschaft auch nicht als zu Hause.

Der Trend: Mildes Helles

Die Brauerei Kneitinger wirkt den sinkenden Absatzzahlen im Handel durch Investitionen und Innovationen entgegen. Als Beispiel für erstere nennt Sperger die Kneitinger-Wirtshäuser „Altes Schloss“ in Niedertraubling und „Unter den Linden“ im Stadtpark, für zweitere die Einführung des „Hellen Hans“. Seit drei Jahren braut Kneitinger nun dieses Helle, das sich großer Beliebtheit erfreue. „Dadurch schaffen wir zwar keine großen Zuwächse, können aber auf jeden Fall unseren Absatz aufrechterhalten“, erläutert Sperger.

Geschmacklich geht der Trend generell zu leichteren, untergärigen Bieren. Seit zwei Jahren hat Spital das „Urhell“ im Sortiment. Dieses Bier ist milder als das herkömmliche Helle und „kommt nicht nur bei eingefleischten Spital-Trinkern gut an, sondern auch bei jüngeren Generationen“, sagt Gabler.

Vielfalt im alkoholfreien Bereich bietet große Chancen

Den Trend der alkoholfreien oder alkoholarmen Biere haben die Brauer in Eichhofen schon seit 30 Jahren erkannt, sagt Schönharting. „Seitdem brauen wir unser Eichhofener Leichtes Helles ein, was nun sehr erfolgreich auf dem Markt ist.“ Mittlerweile ist es die drittstärkste der insgesamt elf Biersorten der Schlossbrauerei Eichhofen. „Ein komplett alkoholfreies Bier bieten wir derzeit nicht an“, informiert der Eichhofener-Inhaber. Anders die Brauerei Bischofshof. Hier berichtet Geschäftsführer Hedrich vom alkoholfreien Zwickl, bei dem die Brauerei eine besonders positive Entwicklung erlebe. Insgesamt bietet die Vielfalt im alkoholfreien Bereich auch in Zukunft große Chancen, zeigt sich Hedrich überzeugt und kündigt an: „Dem werden wir uns auch mit Weltenburger in Zukunft widmen und sehr bald mit neuen alkoholfreien Bieren aufwarten.“