Irgendwas mit Zukunft: Für früheren Regensburger Kaufhof ist vieles möglich, aber noch lange nichts fix

Von Rainer Wendl · 14. Februar 2026 um 05:00

Massig Möglichkeiten in der Theorie, keine absehbare Entwicklung in der Praxis: Eine bestens besuchte Podiumsdiskussion zum Thema „Zukunft des früheren Kaufhofs“ in Regensburg zeigte einen optimistischeren Grundton, aber eine nach wie vor unklare Situation.

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Wandelt sich die große Depression ganz allmählich in Aufbruchstimmung? Johannes Zettel von der Initiative „Unser Stadtraum – Zukunft Neupfarrplatz“ würde diese Frage eindeutig mit „Ja“ beantworten. „Genau so haben wir es uns gewünscht“, strahlte er am Donnerstagabend mit Blick auf den brechend vollen Leeren Beutel, wo Vertreter von sechs Stadtratsfraktionen über die Zukunft des Kaufhofs diskutierten. Den hohen Besucherandrang wertete Zettel als Indiz dafür, dass die Initiative mit ihrem grundsätzlichen Ansatz „Erhalten und beleben“ den Nerv der Mehrheit trifft.

„Vor einem Jahr hatte ich große Sorgen, jetzt sehe ich die Chancen“, pflichtete ihm Benedikt Suttner, der OB-Kandidat der ÖDP, im Lauf der Diskussion bei.

Vorschlag mit Kunstpause: „Ein Parkhaus – für Radl“

Diesen positiven Grundton hatte Moderator Günter Murr gleich zu Beginn eingefangen, indem er nach schönen Erinnerungen an das Ex-Kaufhaus fragte. Bei Suttner war das die große Süßwaren-Abteilung, bei Michael Schien von den Freien Wählern sein erster „Tango“-Fußball. Thomas Thurow (Brücke) schwärmte, dass er das riesige Angebot als Jugendlicher „fantastisch“ gefunden habe, Thomas Burger (SPD) verortete im „Horten“ sogar ein „gehöriges Stück Regensburger Seele“. CSU-Stadträtin Kathrin Fuchshuber, laut eigener Beschreibung ein „Neupfarrplatz-Kind“, nannte die Rolltreppen als besonderen Eindruck ihrer frühen Tage. Der in München aufgewachsene Grünen-Fraktionschef Daniel Gaittet griff dies keck auf und spöttelte, dass ihm erst diese Rolltreppen das Gefühl gegeben hätten, „echt in einer Stadt“ zu sein.

Ein nettes Geplänkel, doch wie soll’s weitergehen? Hier waren sich alle Diskutanten einig, dass eine komplette Wiederbefüllung mit Einzelhandel wohl nicht mehr möglich sein wird. „Mischnutzung“ lautete daher das Zauberwort, das von Geschäften über Gastronomie, Büros und Wohnungen bis hin zu Kultur-, Tagungs-, Lern- und nicht-kommerziellen Begegnungsräumen nichts ausschließt, sofern es sich finanziell einigermaßen trägt. „Ich fände einen Handwerkerhof cool“, lautete einer der wenigen konkreten Vorschläge, geäußert von Fuchshuber. „Ich könnte mir auch ein Parkhaus vorstellen“, meinte Thurow und fügte nach einer kurzen Kunstpause hinzu: „Also eins für Radl.“

Städte bleiben lebendig, wenn sie Veränderung zulassen. Mit Geduld, Offenheit und Vertrauen.Siegfried Dengler, Leiter Stadtplanungsamt Nürnberg

Insgesamt klangen die Vorstellungen aber nach „Irgendwas mit Zukunft“, analog zum berühmten „Irgendwas mit Medien“, mit dem früher die Orientierungslosigkeit junger Menschen auf dem Jobmarkt umschrieben wurde. Das muss nicht schlimm sein, wie der Nürnberger Stadtplaner Siegfried Dengler in seinem Impulsvortrag betonte: Das Kaufhof-Aus sei zwar ein „sichtbarer Bruch im städtischen Gefüge“, doch es biete zugleich die Chance, „etwas entstehen zu lassen, was zur Stadt von heute passt“. Eine perfekte Planung könne es dafür nicht geben, vielmehr müsse man Neues ausprobieren. „Städte bleiben lebendig, wenn sie Veränderung zulassen“, so Denglers Überzeugung. Nötig seien dazu „Geduld, Offenheit und Vertrauen“, keineswegs aber „schnelle Antworten“.

Nicht-Kauf war richtig, doch haben wollen es alle

In diesem Sinne fühlten sich die Lokalpolitiker auf dem Podium in ihrer im Vorjahr getroffenen Entscheidung bestätigt, die auf einen einstelligen Millionenbetrag geschätzte Großimmobilie nicht zu dem aufgerufenen Mondpreis von über 30 Millionen Euro gekauft zu haben.

„Abwarten und nicht unter Druck setzen lassen“ sollte auch künftig die Devise sein, meinte Thurow. Auf Sicht würden einen Erwerb aber alle begrüßen. „Ich glaube, wir müssen es haben“, sagte Suttner. „Wir müssen die Hand drauf bekommen“, drückte es Burger aus. Für das Vorgehen nach einem Kauf ist ein Projektentwickler gewünscht, der „100 Millionen investiert“ (Fuchshuber), „mit Herzblut für Regensburg handelt“ (Schien) und den „die Stadt wohlwollend begleiten soll“ (Gaittet).

Explizit für einen Abriss sprach sich niemand (mehr) aus. Eine solche Verschwendung von Grauer Energie sei nicht zu vertreten, mahnte Suttner. Außerdem sei der Kaufhof sicher nicht das letzte Gebäude, bei dem man sich Gedanken um eine Umnutzung machen müsse. Gaittet pflichtete ihm bei: „Wir müssen lernen, mit dem zu arbeiten, was da ist.“ Fuchshuber sprach zwar von einem „Monolith“, demgegenüber sie eine kleinteiligere Struktur bevorzugen würde, vermied aber eine eindeutige Kritik am Gebäude.

Eine solche kam einzig von Schien, für den der Kaufhof ein kompletter Fremdkörper in der Altstadt ist. Dafür gab’s Widerspruch, unter anderem vom Altstadtfreunde-Vorsitzenden Achim Hubel. Dieser betonte die speziell auf Regensburg bezogene Gestaltung mit unterschiedlichen Fassaden, Dachformen und Türmchen, die einst deutschlandweit Schule für weitere Horten-Neubauten gemacht habe. Daher sei das Ex-Kaufhaus unter Denkmalschutz zu stellen. „So sinkt vielleicht auch der Verkaufswert.“

Es war eines von vielen „Vielleichts“, unter denen der Abend ein wenig litt. Bei Fuchshuber sorgte dies für folgenden Stoßseufzer: „Wir wissen so wenig, das macht mich nervös!“

So läuft es in anderen Städten

• Nürnberg: Hier hat die Stadt den Kaufhof im Zentrum gekauft. Nach einer gemischten Zwischennutzung – unter anderem mit Einzelhandel und einer Anmietung von Räumen durch Hochschulen – wird jetzt ein Investor gesucht, „der umsetzt, was wir uns wünschen“, wie es Stadtplanungsamtschef Siegfried Dengler formulierte. Ironisch fügte er hinzu: „Viel Glück!“

• Hanau: Auch hier hat die Stadt den Kaufhof erworben, wie der aus Frankfurt angereiste Diskussionsleiter Günter Murr informierte. 25 Millionen habe sie dafür bezahlt, weitere 40 Millionen wolle sie in die Sanierung stecken. Eine hohe Investition, die laut Murr aber im Hinblick auf künftige Einnahmen und Gestaltungsmöglichkeiten als vertretbar erachtet wird.

• Wiesbaden: Hier scheiterte der von der Stadt angepeilte Kauf, weil mit der Kaufhof Wiesbaden GmbH als Eigentümer keine Einigung über den Preis erzielt werden konnte, führte Murr aus. Die Geschäftsführung dieser Gesellschaft ist identisch mit der in Regensburg.