Ex-Kaufhof im Herzen Regensburg: Deutliche Zeichen für Erwerb der Brache

Gleich zwei Oberbürgermeisterkandidaten haben sich dieser Tage für den Erwerb der Kaufhaus-Brache am Regensburger Neupfarrplatz ausgesprochen. Aus einer Petition hat sich eine Bürgerinitiative entwickelt, die ebenfalls für den Kauf plädiert. Jetzt wird klar: Für den Erwerb der Immobilie im Herzen der Altstadt könnten sogar Millionen an Fördergeldern fließen.
Am Dienstag wird sich der Stadtrat mit dem Thema Städtebauförderung beschäftigen. Im Ausschuss für Stadtplanung werden wesentliche Maßnahmen zum Erhalt der Stadt thematisiert. Jetzt wurde bekannt: Nicht unerhebliche Mittel würden auch fließen, wenn die Stadt den ehemaligen Kaufhof am Neupfarrplatz erstehen würde. Förderfähig sei nach Angaben einer Stadtsprecherin „der Kauf einer Immobilie durch die Stadt Regensburg mit anschließender unrentierlicher, öffentlicher Nutzung“, heißt es. Dabei könnten sogar 60 Prozent des Kaufpreises, unter besonderen Umständen sogar bis zu 80 Prozent gefördert werden. Sogar „der Kauf einer Immobilie durch die Stadt Regensburg und Weiterverkauf an einen Investor“ sei demnach förderfähig, und zwar „60 Prozent der Zinskosten des Kaufpreises“.
Alle Berichte über das Gebäude am Neupfarrplatz finden Sie hier: Kaufhof Regensburg.
Das dürften auch die beiden Oberbürgermeister-Kandidaten wissen, die sich jetzt klar positioniert haben. Dr. Astrid Freudenstein, CSU, sagt in einem auf Social Media veröffentlichtem Video: „Seit 2024 steht das Gebäude jetzt leer und seitdem leidet diese Gegend.“ Hier müsse etwas unternommen werden. Was, das sagt Freudenstein klar: „Wir müssen das Gebäude kaufen. Wenn es nach mir geht, abreißen und etwas ganz neues, wirklich Gutes für unsere Stadtmitte entwickeln.“
„Das war mal mein Kaufhof und noch früher der Horten“
Auch der SPD-Kandidat Dr. Thomas Burger hat sich in einem Wahlkampf-Video klar für den Kauf ausgesprochen. „Ich bin da selber einkaufen gegangen, das war mein Kaufhof, früher der Horten“, sagte Burger. „Ich würde ihn gerne als Stadt Regensburg kaufen, bin auch schon mit vielen Leuten in Kontakt, die Ideen haben“, sagte Burger. Diese Ideengeber würden das ehemalige Kaufhaus mit einer gemischten Nutzung versehen mit Wohnen, Büros, aber auch Kunst- und Kulturnutzung, schilderte Burger. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte der SPD-Kandidat, die Signale aus der Verwaltung würde er auch in diese Richtung interpretieren, dass es „Sinn macht, wenn die Stadt als Zwischeninvestor auftritt“.
CSU-Kreischef Michael Lehner kontert: „Er hätte das Gebäude damals schon kaufen können, wenn er mit der CSU gestimmt hätte, ein limitiertes Vorkaufsrecht zu ziehen.“ Lehner sagt, er hätte den Verkehrswert von fünf Millionen bezahlt. „Das Risiko waren die Notarkosten“, so der CSU-Kreischef. „Aber das hätte unsere Verhandlungsposition gestärkt, wenn wir klar gemacht hätten, dass wir nicht mit uns spaßen lassen.“
Burger kontert, man habe damals nicht das ganze Gebäude kaufen könnten. Ein Teil davon, unter anderem die Alte Wache, steht unter Erbpacht und gehört den Nachkommen des früheren Modehauses Fischl. Zum Argument, die Stadt habe ohnehin schon so viel Leerstand wie etwa das marode alte Rewag-Gebäude, sagt Burger: „Das alte Rewag-Gebäude steht aber nicht so im Mittelpunkt wie der ehemalige Kaufhof“, so der SPD-Kandidat.

Offene Türen rennen beide Kandidaten mit der Forderung eines Kaufs bei einer Bürgerinitiative ein. Die hat Architekt Johannes Zettel gegründet, nachdem er mit einer Petition für den Erhalt und die Nutzung des Kaufhofs 1100 Stimmen eingesammelt hatte. „Zwischenzeitlich sind wir zwischen 15 und 20 Regensburger Bürger, darunter Architekten, Bauingenieure, aber auch Vertreter der Wirtschaft, die sagen: Hier muss etwas geschehen“, sagt Zettel. In einem Positionspapier, das sich an die Stadt richtet, heißt es wörtlich: „Der ehemalige Kaufhof am Neupfarrplatz ist kein Problem für Regensburg. Es ist ein Geschenk an die Stadtgesellschaft.“ Den Abriss-Plan Freudensteins lehnt die Initiative ab.
Der ehemalige Kaufhof am Neupfarrplatz ist kein Problem für Regensburg. Es ist ein Geschenk an die Stadtgesellschaft.Positionspapier der Initiative UNSER.STADT.RAUM | Zukunft Neupfarrplatz
Er verweist auch auf einen Leserbrief, der in der MZ erschienen war, bei dem ein am Bau beteiligter Leser schrieb: „Ein darunter vorgenommener Abbruch von Tragwerk, mit Auswirkungen auf außerhalb Liegendes, ist höchst problematisch und würde irrsinnig teuer werden.“ Zettel sagt: „Man hat eine Wanne gebaut, an die das Grundwasser drückt. Das muss man wissen, wenn man von Abbruch spricht – darunter könnten unangenehme Überraschungen warten.“
Der Architekt verweist aber auch darauf, dass derzeit in Regensburg etwa über eine Kita auf dem Dach eines Parkhauses debattiert wird. „Die würde doch ganz wunderbar in den Kaufhof passen.“ Und auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sagt, sie würde wollen: „Ein Kauf des ehemaligen Kaufhausgebäudes am Neupfarrplatz 8 durch die Stadt Regensburg kommt natürlich auch für mich in Betracht.“
„Kein blinder Aktionismus“
Einen entsprechenden Prüfauftrag habe der Stadtrat bereits im Februar 2025 beschlossen – „übrigens auf Vorschlag der Verwaltung“. Doch die SPD-Politikerin macht deutlich: „Klar ist für mich aber auch, dass die Stadt Regensburg ihrer Rolle und Verantwortung gerecht werden muss, das heißt dass sich die Stadt nicht durch Täuschung oder Emotionen zu unüberlegtem Aktionismus hinreißen lassen darf.“ Basis für einen städtischen Ankauf müsse ein gutes Gesamtangebot sein: „Nicht nur der Preis muss passen, auch die übrigen Konditionen“, schließt die OB.