TV-Satiriker Böhmermann greift Chefärztin von St. Hedwig an: Bistum Regensburg reagiert entsetzt

Von Christian Eckl · 1. Dezember 2025 um 02:00

Entsetzen in Regensburg über TV-Satiriker Jan Böhmermann: In seiner Show „ZDF Magazin Royal“ befasste er sich mit den sogenannten Lebensschützern. Darin stellte er auch eine Chefärztin der Klinik St. Hedwig an den Pranger. Weil die Leiterin der Geburtsklinik Prof. Dr. Angela Köninger bei einem sogenannten Lebensschützer-Kongress auftrat, nannte Böhmermann sie im ZDF eine „Fötenfanatikerin“:

Video ansehen

Das brachte das Fass wohl zum Überlaufen. Im Namen des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum nahm deren Vorsitzende Martha Bauer Ende vergangener Woche Stellung. Der Vorstand des Laiengremiums im Bistum sei nach der Ausstrahlung der Sendung mehrfach angesprochen worden. „Viele Gläubige haben uns ihre Betroffenheit und ihren Unmut über einzelne Aussagen der Sendung mitgeteilt“, heißt es in der Stellungnahme, die der Mediengruppe Bayern vorliegt.

In der Sendung wurden Menschen, die sich für den Lebensschutz einsetzen, unter anderem als „Gebärmutterstalker“, „Fötenfanatiker“ und „Schwangerenbelästigungsorganisationen“ bezeichnet, heißt es in der Stellungnahme. Besonders verletzend wirke die Aussage: „Wahre Lebensschützer rufen den Namen des Kindes schon beim Orgasmus – so laut, dass Gott schon einmal die Kommunion vorbereiten kann.“

Eine Chefärztin der Kinderklinik St. Hedwig trat bei einem „Lebensschützer“-Kongress auf. Jetzt wurde sie Opfer des TV-Satirikers. - Foto: Eckl (Archiv)

Bauer dazu: „Solche Formulierungen überschreiten für uns klar Grenzen der Achtung und des Respekts gegenüber religiösen Überzeugungen und Menschen, die sich aus ethischen Motiven für das ungeborene Leben einsetzen.“ Der Vorstand lehne diese Form pauschaler Herabsetzung ausdrücklich ab. „Satire hat ihren legitimen Platz in einer freien Gesellschaft; sie darf jedoch nicht in Verächtlichmachung und persönliche Diffamierung umschlagen“, heißt es weiter.

Solche Formulierungen überschreiten für uns klar Grenzen der Achtung und des Respekts gegenüber religiösen Überzeugungen und Menschen, die sich aus ethischen Motiven für das ungeborene Leben einsetzen.“Martha Bauer, Vorsitzende Diözesankomitee im Bistum Regensburg

„Sie trägt sonst nicht zu einer verantwortlichen Auseinandersetzung mit Fragen rund um Schwangerschaftskonflikte und den Schutz ungeborenen Lebens bei.“ Man wolle sich für einen gesellschaftlichen Dialog einsetzen, der„ die Würde aller Beteiligten achtet: der Frauen in schwierigen Situationen, der ungeborenen Kinder und derjenigen, die sich aus Überzeugung für den Lebensschutz einsetzen“, heißt es weiter.Das Klinikum St. Hedwig, das zu den Barmherzigen Brüdern gehört und in dem Köninger als Chefärztin der Geburtshilfe tätig ist, ist das zentrale Klinikum für die Versorgung schwangerer Frauen vor und nach der Geburt in Ostbayern.

Gleichzeitig kritisieren auch Politikerinnen wie die SPD-Bundestagsabgeordnete Carolin Wagner, dass Frauen teilweise weite Wege in Kauf nehmen müssen, um eine Abtreibung durchzuführen. Dabei nehmen sie auch die Struktur der Regensburger Häuser in den Blick.

Mehr dazu: Pro-Familia-Chefin über Abtreibungen in Regensburg: Versorgung hat sich stark verschlechtert

Durch die Übernahme des Evangelischen Krankenhauses durch die katholischen Barmherzigen ist die Versorgung von Frauen, die abtreiben wollen, schwieriger geworden. Regelmäßig finden vor einer Klinik, die in Regensburg noch Abtreibungen durchführt, Demonstrationen von Abtreibungsgegnern statt. Ein Gesetz, das solche Demonstrationen einschränken sollte, griff hier offenbar nicht. Gegen Auflagen der Stadt hatten die Veranstalter zuletzt erfolgreich vor dem Verwaltungsgerichtshof geklagt. Wagner nannte die Demonstrationen damals einen „Angriff auf die unbefangene Willensbildung der Schwangeren“.