Ex-Ministerpräsident äußert sich zum Ex-Kaufhof – und kritisiert die Stadt Regensburg für Ideenlosigkeit

Von Christian Eckl · 13. Januar 2026 um 18:30

Derzeit läuft der Kommunalwahlkampf in Regensburg. Sowohl die CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein, als auch ihr SPD-Kontrahent Thomas Burger haben angekündigt, das leer stehende frühere Kaufhof-Warenhaus am Neupfarrplatz bei einem Wahlsieg erstehen zu wollen – denn Leerstand an dieser Stelle und in dieser Dimension sei Gift für die Welterbestadt. Im August machte die Mittelbayerische exklusiv öffentlich, dass der frühere hessische Ministerpräsident Dr. Roland Koch nun Verhandlungsführer ist. Jetzt hat er uns ein Interview gegeben.

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Welche Rolle spielen Sie derzeit bei den Verhandlungen über die Zukunft des früheren Kaufhof-Gebäudes?

Dr. Roland Koch: Ich bin im April 2025 mit der Wahrnehmung der Interessen der Kaufhof Regensburg GmbH beauftragt worden.

Im derzeitigen Kommunalwahlkampf haben sich mehrere Kandidaten dafür ausgesprochen, dass die Stadt das Gebäude kaufen soll. Auch die Stadt bestätigt Gespräche. Welche Hürden sehen Sie?

Koch: Selbstverständlich sind wir mit der Stadt Regensburg im Gespräch. Die Stadt hat mit ihren bauplanungsrechtlichen Instrumenten ja jede Weiterentwicklung ohne ihr aktives Mitwirken unmöglich gemacht, aber leider bis heute keine eigenen Ideen für die Weiterentwicklung vorgelegt. In einer solchen Situation wäre die Stadt selbst auch ein möglicher Käufer.

Alle Artikelm, die bisher zum Ex-Kaufhof erschienen sind, finden Sie hier: Dossier Kaufhof.

Gibt es noch weitere Interessenten? Und wenn ja, welche Nutzungen kämen denn aus deren und aus Ihrer Sicht für das Gebäude in Frage?

Koch: Unabhängig davon, ob letztlich die Stadt oder ein privater Dritter die Immobilie erwirbt, es liegt sehr viel an der Stadt. Die derzeitige planungsrechtliche Totalblockade ist ein Mittel, sich Zeit zum Nachdenken zu verschaffen. Das muss dann auch passieren. Planungsrecht ist ein Gestaltungsinstrument – kein Ersatz für politische Entscheidungen.

Gibt es Beispiele von Städten, wo es anders lief?

Koch: Nach meiner Beobachtung gibt es ja in Deutschland genug Beispiele, wie Kommunen dieses wirklich schwierige Problem der Innenstadtgestaltung angehen können. In meiner hessischen Heimat sind die Städte Offenbach und Hanau durchaus Beispiele. Auch diese Städte sind nicht auf Rosen gebettet, aber sie haben sich wirtschaftlich überlegt engagiert und offenbar tragfähige Konzepte mit gemischten Nutzungen gefunden. Auch Nürnberg ist seit Herbst 2024 Eigentümerin der ehemaligen Galeria-Immobilie. Seit September 2025 gibt es dort diverse Nutzungen, darunter ein Ikea-Pop-up-Store, ein Bekleidungsgeschäft etc. Da Regensburg keine eigene städtische Entwicklungsgesellschaft hat, macht sicher auch die Suche nach privaten Kooperationspartnern Sinn. Die scheint es ja auch in Regensburg zu geben.

Das Gebäude hat mehrere Altlasten, beispielsweise den Zustand, aber auch eine Erbpacht auf Teile des Grundes. Wie geht der derzeitige Eigentümer damit um?

Koch: Die Liegenschaft kann rechtlich sicher langfristig genutzt werden und ist in einem weit besseren baulichen Zustand, als es gelegentlich kolportiert wird. Sämtliche laufenden Instandhaltungen werden weiterhin durchgeführt. Alles andere muss ein potenzieller Erwerber nach seinen Interessen klären.

Wir haben in der Vergangenheit recherchiert, dass das Gebäude aus dem Eigentum der Signa von René Benko in eine der Privatstiftungen überging. Dann wurde es wohl verkauft, bis heute ist unbekannt, an wen. Wieso wollten die bisherigen Eigentümer das nicht öffentlich machen?

Koch: Es gibt keinerlei Verbindungen der jetzigen Eigentümer zu den Voreigentümern. Aber es ist das gute Recht der Gesellschafter, sich gemeinsam durch Geschäftsführung und Anwälte vertreten zu lassen.

Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch vertritt die Interessen der Eigentümer des früheren Warenhauses am Neupfarrplatz. - Foto: Sebastian Gollnow, dpa

Vor einem Jahr sollte das Gebäude verkauft werden. Neue angebliche Investoren sprachen von einem islamischen Kulturzentrum. Der Kauf ist nie zustande gekommen. Können Sie unseren Lesern erklären, was damals eigentlich passiert ist?

Koch: Das war vor meiner Zeit.

Kolportiert wurde, dass das Gebäude den Eigentümer für 33 Millionen Euro wechseln sollte, dann kam der Rückzug vom Kaufvertrag. Ein internes Gutachten für die Stadt bezifferte den Wert auf unter fünf Millionen Euro. Wie bewerten Sie den Wert des Gebäudes?

Koch: Die Stadt hat sich zu einer internen Grundstücksbewertung entschlossen, die einer Enteignung gleichkäme. Die Eigentümer sind aber keine Projektentwickler mit kurzfristigen Finanzierungszwängen. Insofern bleibt die Immobilie so lange unverändert, bis mit der Stadt oder einem privaten Dritten ein wirtschaftlich fairer Preis erzielt wird. Eine detaillierte Diskussion über Zahlen macht hier keinen Sinn. Aber man kann sicher sagen, dass auch unter den schwierigen Umständen der faire Preis näher an dieser alten Zahl liegt, die auch von einem öffentlich bestellten Sachverständigen bestätigt wurde, als an den derzeitigen Kaufpreisideen der Stadt.

In Regensburg geht die Angst um, dass das Gebäude jahrelang leer stehen und weiter verfallen könnte. Sehen Sie das auch so und was würde das aus Ihrer Sicht für die Altstadt bedeuten?

Koch: Die Eigentümer suchen eine Lösung, aber sie haben Zeit. Wir sehen private Nachfragen. Wir gehen auf die Bitten der Stadt zu Überlegungen von Zwischennutzungen konstruktiv ein und wollen nicht, dass das Gebäude verfällt. Im Übrigen unterstelle ich, dass die neue Stadtregierung überprüfen muss, ob sie bei der bisher gescheiterten Verhandlungsstrategie bleibt oder einen für alle Beteiligten gangbaren Weg sucht. Das entscheidet den Zeitplan.

Waren Sie bereits in Regensburg und haben Sie sich das Gebäude angesehen?

Koch: Selbstverständlich. Und nicht nur einmal.

Das Interview führte Christian Eckl