Promi ist neuer Verhandler für Kaufhof-Immobilie in Regensburg

Überraschende Wende im Krimi um die Kaufhof-Immobilie auf dem Regensburger Neupfarrplatz: Exklusiven Informationen der Mediengruppe Bayern zufolge ist ein früherer Ministerpräsident neuer Verhandler des Eigentümers mit der Stadt. Es ist nicht das erste Mal, dass in Regensburg im Zusammenhang mit Filet-Immobilien aktuelle oder ehemalige Politiker verhandeln.
Der Name ist nicht ohne: Dr. Roland Koch tritt derzeit gegenüber der Stadt Regensburg als Vertreter der Kaufhof Regensburg GmbH auf. Nicht vom Tisch ist damit die Variante, dass die Stadt die Immobilie doch noch kauft. Doch aus internen Quellen aus dem Rathaus ist zu erfahren, dass man in Sachen Preisvorstellung noch meilenweit voneinander entfernt liegt.
Bis dahin gibt man sich auch zugeknöpft. Der frühere CDU-Spitzenpolitiker Koch indes bestätigt lediglich, dass er über das Gebäude verhandelt: „Ich bestätige, dass ich die Kaufhof Regensburg GmbH gegenüber der Stadt Regensburg anwaltlich vertrete“, teilt er mit. Weiter schreibt er: „Mit der Stadt Regenburg, mit der Gespräche stattfinden, ist vereinbart, dass ich keine weiteren Erklärungen abgeben werde, solange wir in diesen Gesprächen sind.“ Das sei „für einen Journalisten nicht einfach zu akzeptieren“, so der frühere Ministerpräsident von Hessen, „dennoch bitte ich um Ihr Verständnis“.
Ich bestätige, dass ich die Kaufhof Regensburg GmbH gegenüber der Stadt Regensburg anwaltlich vertrete
Roland Koch, Manager, Rechtsanwalt und ehemaliger Politiker
Koch war von 1999 bis 2010 hessischer Ministerpräsident. Seither arbeitet er als Rechtsanwalt. Einst galt der CDU-Politiker als möglicher Nachfolger des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl, doch den Machtkampf entschied Angela Merkel für sich. Immer wieder äußert sich Koch auch politisch, zum Beispiel jüngst, als Merkel sich in die Flüchtlingsfrage einschaltete und gegen Friedrich Merz wetterte – Koch verteidigte Merz.
CSU-Politiker Alfred Sauter verhandelte bei Dörnberg mit
Koch ist nicht der erste Politiker, der bei einem wichtigen Immobilien-Projekt mit am Tisch sitzt. Einst überraschte ein Projektentwickler, der die Bebauung des Regensburger Dörnbergs vorbereitete, Regensburger Politiker mit einer ähnlichen, wenn auch nicht ganz so hochkarätigen Personalie: Der frühere CSU-Politiker Alfred Sauter saß dabei mit am Tisch.
Auch die Stadt gibt sich rund um das ehemalige Warenhaus gewohnt zugeknöpft und teilt mit: „Die Stadt steht mit der Kaufhof Regensburg GmbH im Austausch.“ Personen, die von Seiten der Kaufhof Regensburg GmbH an den Gesprächen teilnehmen, „werden von der Stadt nicht öffentlich genannt. Dazu kann nur die Kaufhof Regensburg GmbH Stellung nehmen“, heißt es weiter.
Alle Artikel zur Debatte um die Kaufhof-Immobilie im Herzen von Regensburg finden Sie hier.
Die Stadt hält sich ähnlich zurück mit Informationen, was die neue Situation mit dem Eigentümer anbelangt. Erst kürzlich hatte Stadtoberhaupt Gertrud Maltz-Schwarzfischer erstmals bestätigt, dass ein noch im Dezember bei der Stadt angezeigter Verkauf nicht zustande gekommen ist. Es hatte sich herausgestellt, dass der Käufer ein Taxifahrer aus Tel Aviv in Israel war. In Regensburg war eine Debatte darüber entbrannt, da der Stadt im Falle des Verkaufs ein Vorkaufsrecht zufällt. Dabei hatte die Stadt – alles in nichtöffentlicher Sitzung trotz der Bedeutung des Gebäudes für das Welterbe – einen Verkehrswert ermitteln lassen. Exklusiven Informationen der Mediengruppe Bayern zufolge wollte der Verkäufer damals 33 Millionen Euro für das Gebäude. Die Stadt hatte allerdings einen Verkehrswert von weit unter zehn Millionen Euro ermittelt. Angeblich sei die Immobilie so marode, dass sie nicht mehr wert sei – trotz des Grundes, auf dem sie steht, mitten im Welterbe. Er ist allerdings mit einer nicht unerheblichen Erbpacht in Höhe einer Jahreszahlung eines mittleren sechsstelligen Betrags an eine Erbengemeinschaft belastet.

Möglich wäre aber auch gewesen, dass die Stadt einfach einen Verkehrswert aufgerufen und bezahlt hätte. Der bisherige Eigentümer hätte dann dagegen klagen müssen – das Risiko wäre auch auf seiner Seite gewesen. Denn immer noch ist völlig unklar, wem das Gebäude letztlich gehört.
Noch bis 2020 war im sogenannten Transparenzregister der Bundesregierung zur Bekämpfung von Geldwäsche mit Ingeborg Benko und weiteren Vertretern der Laura Privatstiftung das dubiose Geflecht hinter dem zwischenzeitlich inhaftierten ehemaligen Signa-Unternehmer René Benko gestanden. Wie es von der einstigen Horten-Immobilie über das Eigentum der Kaufhof-Warenhausimmobilien in dem Stiftungsgeflecht landete, ist sogar den derzeitigen Insolvenzverwaltern in Österreich, die Benkos Gläubiger befriedigen sollen, schleierhaft. Im April 2020 wechselte die Immobilie jedenfalls den Besitzer. Ob es ein Fond aus Übersee gekauft hat? Völlig unklar. Im Transparenzregister ist derzeit ein Martin S. aus Leverkusen als wirtschaftlich Berechtigter eingetragen, der aber auch wieder Geschäftsführer der Kaufhof Regensburg GmbH ist.
Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra bestätigte am Montag auf MZ-Anfrage, dass das Gebäude nicht verkauft wurde. Den Artikel dazu lesen Sie hier.
Die Karten liegen also nur zum Teil auf dem Tisch. Fakt ist: Der bisherige Eigentümer würde den Beton-Klotz gerne veräußern. Immerhin hat die Stadt nun ihre Hausaufgaben gemacht. Sie antwortet konkret, was an der Stelle denkbar wäre. Sie zitiert auch aus dem Stadtratsbeschluss zum Kaufhof.
Demnach will die Stadt die „soziale Mischung“ fördern und bei der Planung „alle Bevölkerungsgruppen gleich welchen Alters, Geschlechts, sozialen Hintergrunds oder welcher Herkunft und Religion“ berücksichtigen. Ziel sei außerdem, die Attraktivität der Altstadt als Ort der Begegnung und Versorgung zu steigern.
Stadt Regensburg nennt Nutzungsideen für Kaufhof-Immobilie
Weiter heißt es, die Stadt wolle das Prinzip der „Stadt der kurzen Wege“ stärken, um Einkaufs-, Versorgungs- und Erledigungsfahrten zu reduzieren. Auch die öffentlichen, nicht kommerziellen Angebote in der Altstadt sollen gestärkt werden.
Die Stadt betont zudem, dass die Altstadt nicht nur als Einkaufs- und Konsumort gesehen werde. Vielmehr solle sie als „sozialer Treffpunkt für die Stadtgesellschaft, regionale Bewohner sowie Touristen und Gäste“ erhalten und ausgebaut werden – durch eine „gelungene Verbindung aus sozialen Treffpunkten, kulturellen Angeboten, Events und gemischter Nutzungsstruktur“.
Für die perspektivische Nutzung des Standortes ergibt sich daraus nach Angaben der Stadt ein multifunktionales Konzept aus verschiedenen „Nutzungsbausteinen“. Unter anderem nennt die Verwaltung Büros, Bildungseinrichtungen, Freizeit- und Sportflächen, besondere Wohnformen – etwa für Studierende oder Senioren –, großflächigen Einzelhandel, Nahversorger, Dienstleistungsanbieter, Gastronomie sowie Flächen für Mobilitätsangebote.