Ehemaliges Kaufhof-Gebäude soll vom Problemfall zur „Jahrtausend-Chance“ für Regensburg werden

Lange war die Diskussion um das ehemalige Kaufhof-Gebäude am Neupfarrplatz in Regensburg von negativen Tönen geprägt. Eine Initiative wirbt für einen Stimmungsumschwung – und den unbedingten Erhalt der Immobilie.
„Der ehemalige Kaufhof am Neupfarrplatz ist kein Problem für Regensburg. Er ist ein Geschenk an die Stadtgesellschaft“ – so lautet einer der Kernsätze in einem zweiseitigen Positionspapier zur Zukunft der Warenhaus-Brache im Herzen der Altstadt. Formuliert hat es die vom Architekten Johannes Zettel ins Leben gerufene Initiative „Unser Stadtraum – Zukunft Neupfarrplatz“. Deren Ziel ist der Erhalt und die möglichst vielfältige Umnutzung des riesigen Gebäudekomplexes, der erste Schritt wäre die Herbeiführung eines nachhaltigen Stimmungsumschwungs.
Denn momentan hat nicht nur Zettel das Gefühl, dass es rund um den früheren Einkaufstempel „todelt“. An den Eingängen nächtigende Obdachlose, sich von der Fassade lösende Betonbröckchen und nicht zuletzt der Bluff mit dem „Islamischen Kulturzentrum“ haben ein Übriges getan, um das Gebäude in ein schlechtes Licht zu rücken.
Erhalt als oberste Prämisse
Das reflexhafte Liebäugeln mit einem Abriss ist eine Konsequenz daraus, die bisweilen sogar bei Vertretern der Stadtpolitik Anklang findet. Zettel und seine Mitstreiter haben dazu allerdings eine eindeutige Haltung: „Abriss ist die schlechteste Option von allen.“ Und zudem eine, die nur mit ein bisschen Nachdenken offenbar schnell ihre vermeintliche Attraktivität verliert. „Nach zwei Sätzen haben alle ihre Meinung gedreht“, berichtete Architekt Ulrich Dotter bei einem Treffen der BI am Dienstagabend von Gesprächen mit Bürgern, die sich schnell von der Erhaltenswürdigkeit des Gebäudes überzeugen lassen hätten.
Besagtes Treffen war das dritte seiner Art, die Teilnehmerzahl ist nach der laut Zettel „kuscheligen“ Premiere mit vier Personen auf 16 angewachsen. Neben berufsbedingt von dem Thema elektrisierten Architekten waren weitere an der Entwicklung ihrer Stadt interessierte Bürger und mit Florian Rottke – als Betreiber des Kiosks am Neupfarrplatz als Nachbar eingeladen – erstmals auch ein Stadtrat mit dabei.
Das Haus kann viel. Wir wollen, dass es stehen bleibt und nachgenutzt wird.Bernd Rohloff, Architekturkreis-Vorsitzender
Der Erhalt des Gebäudes war bei der Versammlung unumstrittener Konsens, zum Teil wurde es sogar ästhetisch rehabilitiert. Während „der Horten“ in den 50 Jahren seit seiner Fertigstellung zumeist als Fremdkörper oder gar Schandfleck gebrandmarkt worden war, sagte eine Teilnehmerin am Dienstag voller Überzeugung: „Das ist eines der gelungensten Warenhäuser in ganz Deutschland.“ Es handle sich nicht um einen Monolithen, sondern um einen Baukörper, der sich zumindest ansatzweise an der umgebenden Struktur der Altstadt orientiere.
Gleichwohl ist das äußere Erscheinungsbild aktuell nicht das dringlichste Thema der Initiative. Bei der künftigen Gestaltung gelte laut Dotter die Devise „zeitgemäß adaptieren, nicht in situ lassen“. Doch viel wichtiger sind eh die inneren Werte. So bezeichnet Zettel das Gebäude selbst nur als „Hülle“, die es mit neuem Leben zu füllen gelte. In seinem Positionspapier nennt er kulturelle, soziale und gastronomische Nutzungen sowie kleinteiligen Einzelhandel als Möglichkeiten. Mit den Worten „Das Haus kann viel. Wir wollen, dass es stehen bleibt und nachgenutzt wird“ machte Architekturkreis-Vorsitzender Bernd Rohloff jedoch deutlich, dass es in der jetzigen Phase nicht um Details, sondern um das grundsätzliche Bekenntnis zum Erhalt geht.
Kauf durch Stadt bleibt möglich
Doch zu welchem Preis? Als glühender Stadtbahn-Befürworter hat Rohloff im Vorjahr die bittere Erfahrung machen müssen, dass die Furcht vor hohen Ausgaben im Zweifelsfall jede große Vision stoppen kann. Günstig werden auch die Ideen für den Ex-Kaufhof nicht umzusetzen sein, ein Teilnehmer des Treffens am Dienstag erachtete den Einsatz von mehreren hundert Millionen Euro als notwendig. Dabei machte er aber auch deutlich: „Das ist eine Jahrtausend-Chance!“
Initiator Zettel will derweil (noch) nicht über Geld sprechen, weil damit immer die Gefahr des vorzeitigen Zerredens verbunden sei. So blieb es am Dienstag bei einer kurzen Kontroverse darüber, ob die Stadt durch die Nichtwahrnehmung ihres Vorkaufsrechts einen Fehler gemacht habe. Florian Rottke verneinte dies: „Das wäre zu 90 Prozent eine Geldvernichtung für die Stadt gewesen.“
Vom Tisch ist das Thema Kauf indes nicht, wie der Brücke-Stadtrat betonte: „Es gibt den Beschluss, dass man in Verhandlungen eintritt.“ Nicht nur deshalb bleibt es spannend rund um die Kaufhaus-Brache
Überzeugungsarbeit auf allen Ebenen
• Netz: Unter www.stadtraum-neupfarrplatz.de informiert die Initiative über ihre Ideen. Hier sind auch das Positionspapier und eine Online-Petition zum Erhalt des Gebäudes zu finden. Am Mittwoch zählte sie 1186 Unterstützer.
• Gesellschaft: Die Initiative will möglichst viele Aktivposten der Bürgerschaft einbinden, exemplarisch genannt wurden die Bereiche Kultur und Sport. Auch die Jüdische Gemeinde und die Altstadtfreunde sollen mit ins Boot.
• Treffen: Bei weiteren Zusammenkünften wollen die Mitglieder neue Ideen entwickeln und bestehende vertiefen. Die nächsten Termine sind 13. und 27. Januar. Zumindest vorerst sollen es interne Veranstaltungen bleiben.
• Politik: Der Architekturkreis plant Ende Februar eine Podiumsdiskussion mit den OB-Kandidaten. Das Thema werde aber über die Wahl hinaus aktuell bleiben, ist der Vorsitzende Bernd Rohloff überzeugt.