Ein Traum erfüllt sich: Das neue Staatstheater hebt Regensburg in den bayerischen Theater-Olymp

Von Marianne Sperb · 8. Mai 2026 um 19:15

Gemeinsam stark für das neue Staatstheater Regensburg: Intendant Sebastian Ritschel, Kunstminister Markus Blume, Kaufmännischer Vorstand Matthias Schloderer und der neue Oberbürgermeister Thomas Burger (von links) - Foto: altrofoto.de

Der stärkste Akt des Ritterschlags für Regensburgs Theater vollzog sich am Freitag in nicht einmal einer Minute: Ministerpräsident Markus Söder und Kunstminister Markus Blume (beide CSU) sowie Intendant Sebastian Ritschel und Kaufmännischer Vorstand Matthias Schloderer enthüllten über dem Portal den Schriftzug „Staatstheater“.

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Ein ikonischer Moment für das Haus, das von nun an – und nach allem, was man wissen kann, für immer – zum erlauchten Kreis von Bayerns Staatstheatern zählt. Das Mainfranken Theater Würzburg, das wegen seiner Sanierung noch auf das Prädikat wartet, wird als siebtes in den bayerischen Theater-Olymp aufgenommen – dann ist Schluss, wie Blume vorab im Exklusiv-Interview erklärt hatte.

Ab der Enthüllung um 13.25 Uhr, die buchstäblich wie am Schnürchen klappte, bis 14.30 Uhr, als der neue Oberbürgermeister Thomas Burger den Vertrag mit dem Freistaat unterschrieb, erlebten die Gäste im Rokoko-Saal eine Sternstunde voller intensiver Momente. Störgeräusche drangen zu Anfang von draußen bei der Live-Einspielung nach drinnen; was die Proteststimmen forderten, war aber nicht zu verstehen.

Künftig geben Freistaat und Stadt je 16 Millionen Euro

Regensburg und sein Haus wurden überschüttet mit schönen Worten. „Sie dürfen stolz sein“, sagte Söder, und: „Ihr habt es mehr als verdient!“ Das Label bedeute eine Anerkennung allerhöchster Qualität. „Es gibt mehr Geld, ganz andere Möglichkeiten des Auftretens und Stabilität.“ Der Freistaat teilt sich künftig das Theater-Budget fifty-fifty mit der Stadt. Er trug zuletzt gut 42 Prozent und gab 12 Millionen Euro. Bald werden beide Partner jeweils rund 16 Millionen Euro in die Kasse legen. Wann Gleichstand erreicht ist, blieb am Freitag offen; als Zielmarke gilt 2027. Bemerkenswert: „Der Finanzminister ist sonst der natürliche Feind des Kunstministers. Bei Haushaltsverhandlungen sind sie sonst wie Hund und Katz“, so Söder. Im Fall Regensburg aber waren sich Albert Füracker und Markus Blume immer einig.

„Regensburg erobert die Königsklasse der bayerischen Theaterwelt und schreibt Theatergeschichte“, sagte Blume. Er betonte das Profil des Theaters im Vergleich zur höfischen Tradition der Münchner Häuser: „Es verbindet als Bürgerschaftstheater über 200 Jahre Tradition mit beeindruckender künstlerischer Energie, höchster Qualität und einer spürbaren Leidenschaft für sein Publikum.“ Bayern halte die Fahne der Kunstfreiheit hoch: „Sie darf nie Verhandlungsmasse werden.“ Auch Söder unterstrich das Bekenntnis zu Kunst und Kultur. „Sie öffnen Horizonte. Deshalb schaffen Diktaturen sie auch als erste ab. Wer an Kunst und Kultur spart, spart am Ende an der Demokratie. Das wollen wir in Bayern nicht.“ Intendant Ritschel sagte zu Beginn: „Der Titel ist auch Auftrag.“ Er versprach: Das Haus, das sich in der neuen Spielzeit das Motto „Freiheiten“ gibt, „wird weiterhin Haltung zeigen und für eine offene und demokratische Gesellschaft eintreten“.

Am Freitag starten außerdem die 40. Bayerischen Theatertage. Alle Infos dazu finden Sie hier.

„Dieser Tag geht in die Geschichte ein“, sagte Schloderer, und ans Team: „Das ist euer Tag.“ Ein kühner Spielplan, der trotz des geballten künstlerischen Mutes mehr als 90 Prozent Auslastung findet, das sind tatsächlich herausragende Eckpunkte, die dem Haus im Februar sogar den Titel als international bestes Opernhaus eintrugen; bei der Gala waren Weltstars wie Cecilia Bartoli zu Gast. „Eine klasse Leistung!“, rief Söder. Rund 180.000 Gäste, 6000 Abos und 700 Vorstellungen pro Saison sind starke Zahlen. Während das Landestheater Niederbayern seit zwölf Jahren im Exil ausharrt, während unklar ist, ob im Theater Ingolstadt, das Ende Mai schließt und ein Provisorium aus Holz bezieht, je wieder gespielt wird, hat Regensburg sogar ein Luxusproblem, das sonst so berühmte Adressen wie den Wiener Musikverein plagt: Das gerade aufgelegte neue Musiktheater-Abo dürfte bald ausverkauft sein. Wer dann ein Abo will, muss warten.

Markus Söder schwärmt vom Niveau des Theaters. - Foto: altrofoto.de
Kabarettist Christian Springer und Blaskapellen-Chef Josef Menzl (v. l.) gratulierten. - Foto: altrofoto.de
„Das ist zu fantastisch!“: Karen Stone von Opera Europa und Sebastian Ritschel - Foto: altrofoto.de
Anrührend: Domspätzin Marlene Mathy und Mezzosopranistin Rahel Brede - Foto: altrofoto.de
Jetzt ist der Vertrag perfekt: Die Vertreter Bayerns und Regensburgs bei der Unterzeichnung auf der Bühne - Foto: altrofoto.de
Von der Prominenz in der ersten Reihe bis hoch in den letzten Rang: Regensburg feiert den Ritterschlag. - Foto: altrofoto.de

Im Foyer, beim Empfang nach dem Festakt, war das Glücksgefühl der Gäste direkt zu greifen. „Theater war mir immer ein Herzensanliegen“, sagte Gertrud Maltz-Schwarzfischer, bis vor einigen Tagen Regensburger Rathauschefin und eine treibende Kraft für den Titel. Sie freut sich, im Ruhestand, noch mehr ins Theater gehen zu können. Für Uschi Michalke, Vorsitzende der Theaterfreunde, erfüllte sich gestern „ein Traum“, genau wie für Hans Schaidinger, OB bis 2014. Der aktuelle Rathauschef Thomas Burger sagte, der Titel „erfüllt mich mit städtischem Bürgerstolz, mit Demut und mit einem freudigen Blick in die Zukunft.“ Karen Stone, Direktorin von Opera Europa, rief: „Ich musste einfach hier sein! Es ist zu fantastisch!“

Sogar Papst Benedikt gratuliert von einer Wolke

Domspätzin Marlene Mathy und Mezzosopranistin Rahel Brede berührten mit ihrem Lied „Take Care of This House“. Ein Höhepunkt war ein witzig gemachtes Video mit Glückwünschen. Neben vielen erwartbaren Gratulanten wie Regierungspräsident Walter Jonas, Domkapellmeister Christian Heiß und Kulturreferent Wolfgang Dersch kamen viele Überraschungsgäste zu Wort, etwa Blaskapellen-Chef Josef Menzl, Liedsänger Christian Gerhaher und Kabarettistin Eva Karl Faltermeier. Autor Axel Hacke bekannte im Clip, er liebe dieses Theater jetzt noch mehr. Schauspielerin Adele Neuhauser, früher ein Regensburger Publikumsliebling, meinte: „Staatstheater, das klingt jetzt auch besser in meiner Biografie.“

KI-generiert gratulierten sogar Astronom Johannes Kepler, Fürstbischof Carl Theodor von Dalberg und – von einer Wolke herab – Papst Benedikt XVI. Die künstlich erzeugte Reinkarnation von Simon Oberdorfer – der jüdische Kaufmann, 1943 in Sobibor ermordet, hatte das Velodrom einst gegründet – tippte im Clip mit einem leichthin gesprochenen Satz eine Wunde an: „Ihr spielts schon noch im Velodrom?“

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Das Velodrom, mit 600 Plätzen größte Spielstätte des Theaters, ist immer noch geschlossen und fehlt schmerzlich. Die Sanierung, die der Regensburger Stadtrat zwei Mal verschoben hatte, soll das „Velo“ bis 2030 als leistungsfähige, moderne Bühne zukunftsfest machen; zuletzt wurden 50 Millionen Euro Kosten genannt. Das Projekt hat starken Rückhalt in der Politik und bei Behörden – aber auch profilierte Gegner, die sich um die Denkmalsubstanz sorgen.

Regensburg, Fünf-Sparten-Haus mit 400 Mitarbeitern, zeigt sich, von der Opern-Uraufführung bis Jungen Theater, fast wie der Wolpertinger unter Bayerns Theatern – nicht so scheu, aber so vielfältig und voller Zauber, meinte Schloderer. Er versicherte: „Wir werden nun kein anderes Haus“, die Profilierung und Transformation haben ja längst begonnen. „Wir werden uns weiter jeden Tag hinterfragen“ und jeden Tag neues Publikum gewinnen.