Paukenschlag am Theater Regensburg: Matthias Schloderer verlässt das Haus

Von Marianne Sperb · 2. Dezember 2025 um 14:38

Karrieresprung: Der Finanzchef wechselt an die Hamburgische Staatsoper, eines der führenden Häuser Europas, und wird Kaufmännischer Direktor.

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Paukenschlag am Theater Regensburg: Finanzchef Matthias Schloderer verlässt das Haus. Der 42-Jährige wechselt an die Hamburgische Staatsoper und wird dort Kaufmännischer Direktor. Ein Karrieresprung. „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen“, sagt Schloderer der Mediengruppe Bayern am Dienstag. Aber die neue Aufgabe zieht natürlich.

Das Hamburger Haus gilt nicht nur als eines der größten, sondern auch als eines der führenden Opernhäuser Europas, hat mit Intendant Tobias Kratzer und Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber zwei der interessantesten Namen im Musikbetrieb an seiner Spitze und außerdem eine aufregende Zukunft vor sich, mit dem neuen Opernhaus, das für schätzungsweise 500 Millionen Euro nach den Plänen des dänischen Weltklasse-Büros Bjarke Ingels gebaut werden soll. Schloderer spricht von großer Vorfreude und auch von der enormen Aufbruchsstimmung, die von Hamburg ausgeht.

Der Verwaltungsrat des Theaters entlässt den Vorstand früher als vertraglich vereinbart aus seinen Verpflichtungen. Er folgte Schloderers Wunsch, das Haus zu verlassen. „Über den Austrittszeitpunkt wird noch entschieden werden“, heißt es in der Mitteilung, die gestern um 13.35 Uhr im Mailordner aufploppte. Nach Auskunft aus Hamburg findet der Wechsel zum Ende dieser Spielzeit statt.

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Schloderer kam 2021 in der Coronazeit – noch in der Intendanz von Jens Neundorff von Enzberg – als Kaufmännischer Vorstand ans Theater Regensburg. Nach der Spielzeit von Klaus Kusenberg bildete er seit Herbst 2022 mit Intendant Sebastian Ritschel den Vorstand des Theaters. Das Haus macht gerade ebenfalls Karriere, sahnt Preise in Serie ab und wurde zuletzt von der Jury der Oper!Awards zum besten Opernhaus 2025 gekürt. 2026 wird das größte kommunale Mehrspartenhaus Bayerns in den erlauchten Kreis der Staatstheater aufgenommen. Der Titel dürfte zum Auftakt der Bayerischen Theatertage kommen; Regensburg ist im Mai Gastgeber des Festivals.

Die Positon wird demnächst ausgeschrieben

„Der Verwaltungsrat hat vergangenen Freitag mit großem Bedauern die Entscheidung von Herrn Dr. Schloderer zur Kenntnis nehmen müssen, unser Haus zu verlassen“, heißt es in der Meldung von Dienstag. „Er hat in Regensburg sehr viel für das Theater geleistet, hierfür sind wir ihm außerordentlich dankbar. Er wird dem Haus sehr fehlen.“ Eine Findungskommission ist gebildet; die Position „wird noch in diesem Jahr ausgeschrieben“, so Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die Vorsitzende des Verwaltungsrats ist.

Schloderer selbst betont im Pressepapier: „Es ist noch zu früh für Abschiedsworte. Wir haben das Theater Regensburg in den letzten Jahren gemeinsam sehr weit vorangebracht, das Theater ist für die Zukunft gewappnet und steht sehr gut da. Mein Dank gilt allen, die das Haus auf diesem Weg unterstützt und weiterentwickelt haben!“

Sebastian Ritschel gratulierte: „Ich freue mich sehr für Matthias Schloderer, der mit dem Sprung an die Hamburgische Staatsoper einen großartigen Karriereschritt vor sich hat. Dafür wünsche ich viel Glück und vor allen Dingen weiterhin viel Erfolg!“, schrieb er der Mediengruppe Bayern. „In den vergangenen Jahren haben wir gemeinsam am Theater Regensburg viel erreicht und bis zum Wechsel freue ich mich auf gemeinsame Highlights“, so der Intendant.

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Schloderer, promovierter Betriebswirt, der aus München stammt, wo er früher Leiter Strategisches Management der Bayerischen Staatsoper war, wird in Hamburg warm begrüßt, mit Verweis auf seine langjährigen Erfahrungen im Management von Kulturinstitutionen und auf seine Arbeit in Regensburg, „das unter seiner Ägide zum Staatstheater gereift ist“, so ein Statement der Hamburger Behörde für Kultur und Medien.

Eine Findungskommission hatte in den vergangenen sechs Monaten eine langfristige Lösung für die frei werdende Position des Finanzchefs für die Hamburgische Staatsoper gesucht; der Empfehlung für Schloderer folgte der Aufsichtsrat einstimmig. Mit Schloderer„konnten wir einen versierten und dynamischen Theatermanager“ gewinnen, sagt Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien. „Mit seiner guten betriebswirtschaftlichen Perspektive und Erfahrung und seiner Leidenschaft für die Bühne erfüllt er alle Voraussetzungen, um das Haus für die Zukunft gut aufzustellen.“

Die Hamburger Staatsoper: ein Riesen-Tanker

Der Regensburger Verwaltungsrat hatte erst Ende September 2025 die Verträge von Schloderer und Ritschel um fünf Jahre verlängert, die Entscheidung zuvor auf die lange Bank geschoben. Hintergrund war das Gerangel um die Geschäftsordnung, die den Einflussbereich der Theaterchefs regelt. Die extrem späte Vertragsverlängerung sorgte für viel Frickeln, die Atmosphäre kühlte merklich ab, von freundschaftlich-kollegialer Eintracht zwischen den Theaterchefs war zuletzt nichts mehr zu spüren.

In Hamburg warten auf Schloderer herausfordernde Aufgaben. Das Haus in der Hansestadt mit 1690 Plätzen ist einige Nummern größer als das Regensburger. Der Beteiligungsbericht der Hamburgischen Staatsoper GmbH weist für 2024 gut 700 Beschäftigte aus, nennt rund 70 Millionen Euro Bilanzsumme und listet steigende Gästezahlen auf: allein auf der Hauptbühne knapp 310 000 Besuche. Dazu kommen die spektakulären Pläne für die neue Oper an der Elbe, mit begehbaren Dächern und einer Kaskade an grünen Terrassen. 2034 könnte sie fertig sein.

Das sagt Intendant Tobias Kratzer

Hamburgs Intendant Tobias Kratzer, ebenfalls Bayer, saß zwar nicht in der Findungsgruppe, lernte den neuen Kollegen aber schon kennen. „Ein sehr fähiger, kompetenter, dynamischer Mann, der unserer Oper sehr gut tun wird“, sagt er dieser Zeitung. Schloderer stehe für ein modernes Führungskonzept, für gegenwärtige Themen, Nachhaltigkeit und großen Besuchererfolg, sowohl in Regensburg als auch zuvor in München. „Und die größte Nachhaltigkeit ist ja anhaltender Publikumszuspruch.“ Kratzer verfolgt, wie Ritschel in Regensburg, das Konzept, Musiktheater in aller Breite zu zeigen, „alles, was Oper kann“, auch mit überraschenden Projekten, die das Publikum umarmen. Zu Regensburg hat er gute Kontakte, sagt er, und: „Der Ruf Ihres Hauses ist auch nach Hamburg gedrungen.“