Erlösende Entscheidung: Verträge der Regensburger Theater-Chefs verlängert

Von Marianne Sperb · 30. September 2025 um 19:39

Intendant Sebastian Ritschel und Kaufmännischer Direktor Matthias Schloderer bleiben für weitere fünf Jahre am Theater Regensburg. Der Beschluss des Verwaltungsrats wurde am Dienstagabend bekannt. Das sagt das Erfolgsduo des designierten Staatstheaters:

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Die E-Mail aus dem Rathaus kam am Dienstag um 18.12 Uhr, zu ungewohnt später Zeit. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) war es offenbar wichtig, umgehend Klarheit zu schaffen, nachdem der von ihr geleitete Theater-Verwaltungsrat sich lange, außergewöhnlich lange Zeit gelassen hatte mit einer Entscheidung, die die Zukunft des Hauses auf Jahre hinaus bestimmt: In seiner Sitzung am Dienstag hat das Gremium die Verträge von Sebastian Ritschel als Intendant und Matthias Schloderer als Kaufmännischem Vorstand um jeweils fünf Jahre beschlossen. Die beiden Chefs unterzeichneten die Verträge mit der OB direkt im Anschluss, hieß es.

Damit haben die Regensburger Bürger jetzt schriftlich, was sie lange Zeit eh für ausgemacht gehalten hatten. Denn das Regensburger Haus steht „so erfolgreich da wie noch nie“, wie auch Maltz-Schwarzfischer betonte. Es hatte 2024/2025 über 90 Prozent Auslastung, hat exzellente Bilanzzahlen, sehr gute überregionale Kritiken und schrieb mit rund 180 000 Besuchern das zweithöchste Ergebnis in seiner Geschichte – obwohl mit dem Velodrom die größte Spielstätte brach liegt. Sie soll, nachdem der Stadtrat die Sanierung mehrfach verschoben hatte, 2029 öffnen.

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„Wir sind sehr glücklich, dass wir mit beiden Vorständen in die Zukunft gehen werden“, so die OB in ihrem Statement. Sie dankte Ritschel und Schloderer für ihre „herausragende Arbeit“. Das Theater Regensburg dürfte bundesweit das einzige Haus sein, das bereits 2027 auslaufende Chef-Verträge noch nicht verlängert hatte.

Das Führungsduo war am Dienstagabend unterwegs zum Tarifausschuss des Deutschen Bühnenvereins in Bielefeld und reagierte auf Anfrage kurz auf die erlösende Entscheidung: „Ich habe mich beim Verwaltungsrat sehr gut aufgehoben gefühlt“, betonte Schloderer, der der OB ausdrücklich dankte. „Das war ein Prozess. Früher geht immer, später nicht“, sagte Ritschel. „Jetzt haben wir Planungssicherheit und können gestalten und Rechtsverbindlichkeit herstellen.“ Wie hier berichtet, sind inzwischen Fristen für neue Produktionen, die ja einen jahrelangen Vorlauf erfordern, verstrichen. Auf die Frage: „Ist dem Regensburger Publikum also etwas entgangen?“ sagte der Intendant knapp: Ja. „Dann wird es eben andere Produktionen geben“, setzte er hinzu.

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Über die Punkte, um die so lang gerungen wurde, herrscht offiziell Stillschweigen. Im Entscheidungsvakuum blühten Spekulationen. Nach Informationen dieser Zeitung sollte ein Mediator vermitteln, damit das Führungsduo sich auf eine reformierte Geschäftsordnung einigt, in der die Einflussbereiche der Chefs geregelt sind. „Mediator würde ich das nicht nennen“, sagte Schloderer gestern. Die Transformation in eine neue Organisationsstruktur sei bisher in dem Regelwerk eben nicht abgebildet gewesen.

Schloderer und Ritschel sind beide Vorstände, beide alleinvertretungsberechtigt. Hat die späte Entscheidung die Atmosphäre beeinträchtigt? Schloderer sagte kurz: „Uns geht’s gut.“ Und Ritschel: „Hier geht’s auch nicht um die beiden Vorstände, sondern die Arbeit im Team. Wir langweilen uns nicht.“ Erst am Wochenende hatte „The Ghosts of Versailles“ von Oscar-Preisträger John Corigliano Premiere, ein extrem aufwendiges Opernspektakel, das das ganze Haus forderte, und mit „Lob der Gerechten“ war die Uraufführung eines Auftragswerks zu erleben.

„Die richtigen Weichen gestellt“

Im Statement im Pressepapier dankte Ritschel für die Wertschätzung: „Es ist ein starkes Zeichen für die Fortsetzung unseres gemeinsamen Weges und gleichzeitig Ansporn zur kontinuierlichen Weiterentwicklung.“ Und Schloderer: „Wir haben nun die richtigen Weichen für die Zukunft als Staatstheater gestellt und ich freue mich sehr auf die anstehende weitere Transformation dieses wunderbaren Hauses zum kleinsten Bayerischen Staatstheater.“

Das Theater Regensburg hat sich einen starken Namen als Adresse für kühne Spielpläne mit bestens besuchten Vorstellungen erworben. Im Lauf des Jahres 2026 will der Freistaat das Haus in den erlauchten Kreis der bayerischen Staatstheater aufnehmen.