Regensburg schiebt Entscheidung über Theater-Chefs auf die lange Bank

Von Marianne Sperb · 11. Juli 2025 um 11:21

Intendant Sebastian Ritschel und Finanzchef Matthias Schloderer steuern das Theater Regensburg auf Erfolgskurs. Dennoch fiel am Freitag kein Beschluss über ihre Vertragsverlängerungen. Nach MZ-Informationen soll eine Mediation das Knäuel entwirren.

Regensburg blickte am Freitag mit Spannung auf die Sitzung des Theater-Verwaltungsrats. Das Gremium sprach am Nachmittag über die Verträge für die Theater-Chefs. Einige Signale deuteten bereits vorab auf das Ergebnis hin: Die Sache bleibt offen, so viel stand nach den gut dreistündigen Beratungen fest. Dem Vernehmen nach war die Atmosphäre konkstruktiv, aber: Für Intendant Sebastian Ritschel und den Kaufmännischen Direktor Matthias Schloderer wurden keine Verlängerungen bzw. Nicht-Verlängerungen ausgesprochen.

Das Theater Regensburg steht glänzend da: beim Publikum beliebt, auch im überregionalen Feuilleton gefeiert, die Zahlen exzellent. Lange galt es als gesetzt, dass das Dreamteam an der Spitze des Hauses seinen Erfolgskurs am künftigen Staatstheater weiter verfolgen darf. Bereits 2024 bat der Verwaltungsrat seine Vorsitzende, Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die Verträge auszuhandeln. Aber die Stadt zögerte auffallend lang mit der Entscheidung. Nun wurde der Freitag der Tag der Nicht-Entscheidung.

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Die Personalie wird noch eine Weile auf die lange Bank geschoben. Nach Informationen dieser Zeitung zog der Verwaltungsrat die Option, zu warten, bis die interne Geschäftsordnung „ausgehakelt“ ist. Über die Sommerpause soll eine externe Mediation helfen, strittige Fragen zu klären, die Fäden zu entwirren und einen tragfähigen Kompromiss zu entwickeln. Bei einem Termin im September könnten dann Veträge gezeichnet werden.

Ringen um Zuständigkeiten

Offizielle Statements zu der Causa waren am Freitag bis Redaktionsschluss nicht zu haben. In Hintergrundgesprächen kristallisierte sich heraus, dass das Ringen um die Geschäftsordnung, also das Organigramm, das Zuständigkeiten der Theaterchefs regelt, ein Knackpunkt ist. Ob es, wie Beobachter sagen, um den Zuschnitt für Personalverantwortung geht, um Budgets für Inszenierungen und Rechte oder schlicht mehr Einfluss: Das bleibt Spekulation.

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Auch wenn die Stimmung etwa am Donnerstagabend, bei der Premiere im Deutschen Theater München, das den Regensburger Musical-Hit „Come from Away“ importiert hat, blendend war: Zuletzt drangen auch Knirschgeräusche aus dem Haus. Mitarbeiter folgten bundesweiten Aufrufen von Gewerkschaften, legten die Arbeit nieder und drängten etwa auf bessere Planbarkeit der Arbeitszeiten. Der Druck ist hoch, hieß es auch am Regensburger Haus. „Viele unserer Abteilungen arbeiten am Anschlag“, sagte im Januar Schauspielerin Katharina Solzbacher, die den Lokalverband der Bühnengewerkschaft GDBA leitet. Sie betonte aber auch konstruktive Gespräche.

Inzwischen soll eine Reihe Beschäftigter verwaltungsintern zu hohe Belastung und schwierige Arbeitsbedingungen thematisiert haben, so Informationen dieser Zeitung. Auch die Rolle des Schauspiels werde hinterfragt: Die Sparte wird, wie an vielen Häusern, überstrahlt von aufwendigen, Aufsehen erregenden Musiktheater-Inszenierungen.

Möglicherweise gibt es da auch einen Link zum Weggang von Antje Thoms: Die Leiterin der Sparte Schauspiel bleibt noch in der Saison 2025/2026, hat aber ihren Vertrag darüber hinaus nicht verlängert, wie sie am Rand der Premiere von „Das Schiff der Träume“ bestätigte. Wohin sie wechselt oder was die Gründe für ihre Entscheidung sind, darauf will sie aktuell nicht eingehen.

Klar ist: Die Theater-Chefs möchten bleiben – und Regensburg möchte sie halten. Die Verwaltungsräte sind schwer angetan von beiden Herrn und dem Erfolg des Hauses und Vorsitzende Maltz-Schwarzfischer gilt als enthusiastische Theaterfreundin.

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Die Zeit drängt, das Zeitfenster schließt sich. Intendanten werden, wegen des extrem langen Vorlaufs von Neuproduktionen, auf viele Jahre im Voraus an ein Haus gebunden, allerspätestens zwei Jahre vor Auslaufen des Vertrags, normalerweise aber weit vorher. Ansonsten wird es für Intendanten schwierige, ihre Vorstellungen umzusetzen, anspruchsvolle Produktionen umzusetzen, ihre Handschrift zu entfalten.

Regensburg ist spät dran. Der Vertrag von Sebastian Ritschel läuft am 31. August 2027 aus. Für den Intendanten, der bundesweit Beachtung findet, dürften sich auch andere Häuser interessieren. Im Exklusiv-Interview der Mediengruppe Bayern Mitte Juni hatte Ritschel noch gesagt: „Natürlich lagen Angebote auf dem Tisch – die ich bisher freundlich abgelehnt habe.“ Und: „Ich gehe davon aus, dass nicht nur Lippenbekenntnisse fallen, sondern bald auch Tatsachen geschaffen werden.“ Damals verwies er noch auf den Sitzungstermin am 11. Juli.

Kommentar: Entscheidung verschlafen

Der Vorhang für die Saison fällt – und drängende Fragen sind offen. Ein unguter Zustand. Im luftdichten Entscheidungsvakuum gären Spekulationen. Schaden ist bereits entstanden: Frust bei Beteiligten, Gerüchte bei Außenstehenden. Nicht nur die Chefs, auch Publikum, Steuerzahler und Hunderte Beschäftigte am Haus sehen nicht klar, wie’s am künftigen Staatstheater weiter geht.

Natürlich braucht es eine gute Geschäftsordnung. Natürlich sind Mitarbeiter-Belange zu berücksichtigen. Aber dass Theater-Chefs miteinander ringen, ist nicht ungewöhnlich – zumal wenn sie ambitioniert sind, was ja kein Fehler ist, sondern eher die Bedingung für einen Spitzenplatz. Und dass Arbeit am Theater herausfordert und Teams auf Entlastung drängen, ist bundesweite Normalität.

Der Verwaltungsrat hätte entscheiden können, entscheiden müssen, wie so viele andere Theater in Deutschland auch. Seit 2024 war viel Zeit, all die Fragen zu lösen, die jetzt, in den langen Ferien, bearbeitet werden.

Den Sack über den Sommer offen zu lassen, ist riskant. Wer weiß, was da im Herbst blüht.