Noch immer keine Entscheidung: Verlängert Regensburg den Vertrag des Erfolgsintendanten?

Von Marianne Sperb · 7. Juli 2025 um 16:28

Publikum und Feuilletons jubeln und die Bilanz ist hervorragend: Das Theater Regensburg steht glänzend da. Warum also wurde der Vertrag des Intendant Sebastian Ritschel noch immer nicht verlängert? Wo bleibt die Entscheidung? - Ein Hintergrund

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Das Theater leuchtet. Andere Städte beneiden Regensburg um dieses Haus, das mit außergewöhnlichen Produktionen so viele Menschen begeistert. Anspruch und Zuspruch sind hier kein Widerspruch. Regensburg besitzt damit einen Solitär, der in der bundesweiten Theaterwelt funkelt. Das Haus holt Preise, wird vom Publikum und auch im überregionalen Feuilleton bejubelt, meldet exzellente Auslastung und herausragende Bilanzen, nach denen sich andere Kulturhäuser die Finger schlecken würden. Alles palletti also? Keineswegs.

Man müsste denken, die Vertragsverlängerung für Intendant Sebastian Ritschel und den Kaufmännischen Direktor Matthias Schloderer sei eine „gmahde Wiesn“. Aber der Verwaltungsrat des Theaters zögert bereits auffallend lang mit der Unterschrift. Und wenn das Gremium nun am 11. Juli, beim letzten Termin vor der Sommerpause, die Angelegenheit bespricht, ist ganz und gar nicht ausgemacht, dass der Daumen hoch geht. Nach Informationen dieser Zeitung steht es sogar Spitz auf Knopf.

Viel Lob für das Dreamteam

Was ist da los? Offizielle Auskunft ist nicht zu erhalten und selbstverständlich hält sich die Stadt bedeckt bei Anfragen, die Personalrechtliches berühren. Man muss also Hintergrundgespräche suchen. Die Mediengruppe Bayern hat mit Verwaltungsräten unterschiedlicher Parteien gesprochen, mit bundesweiten Experten der Branche sowie mit Kennern des Hauses in Regensburg. Das Bild, das sich ergibt: Alle sind schwer angetan von der Arbeit des Hauses, alle würden unterschreiben, dass man die Theaterchefs in Regensburg halten muss – nur: keiner tut es.

Welcher Stein auf dem Weg ist also nicht wegzuwälzen? Im Kern geht es um die Verteilung von Einfluss zwischen Finanzchef Matthias Schloderer und Intendant Sebastian Ritschel. Der Kaufmännische Direktor strebt, wie mehrere Seiten bestätigen, mehr Zuständigkeiten an. Ob es um Mitsprache beim Kauf von Rechten, bei der Auswahl von Produktionen und Engagements oder um den Zuschnitt von Personalverantwortung geht: Die Details bleiben Spekulation, Belastbares ist dazu nicht zu erfahren.

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Was aber in all den Gesprächen glasklar wird: Der Verwaltungsrat ist mit dem Dreamteam durch die Bank hochzufrieden. Er hat deshalb auch schon 2024 Vorsitzende Maltz-Schwarzfischer gebeten, die Verlängerungen zu verhandeln. Trotzdem ist bis heute kein Vertrag unterschrieben. Theater-Kollegen reihum sehen für ihre Zukunft längst klar, von Nürnberg und München bis Berlin, nur Regensburg lässt sich Zeit. Offenbar will das Gremium abwarten, bis sich die Theaterchefs auf eine Verwaltungsordnung, ein Organigramm, das die Zuschnitte regelt, einigen – und erst dann verlängern. Eine riskante Operation.

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Das Bewusstsein für die Brisanz der Sache hat sich, so der Eindruck der Gespräche, im Verwaltungsrat nicht vollständig ausgebildet. Denn Theater ist ein langfristiges Geschäft. Rechte und Künstler werden Jahre im Voraus gebucht, wenn man mehr bieten will als abgenudelten Kanon. Nur dann gelingen Produktionen wie die Oper „Valuska“ von Peter Eötvös, das Musical „Come from Away“ (gerade nach München exportiert), die Operettensensation „Der Prinz von Schiras“ oder, im September 2025, das Knüller-Auftragsstück „Lob der Gerechten“. Ein Intendant, der nicht ausschließen kann, nach 2027 noch im Amt zu sein, kann auch keine Langfrist-Planung treffen. Die ungelöste Vertragsfrage bedeutet: Er muss boxen in Handschellen. Und vielleicht wirft er den Handschuh.

Natürlich ist es fein, wenn Zuständigkeiten zwischen den Chef fürs Kaufmännische und für Kunst klar sind, bevor man Verträge verlängert. Ein Muss ist es aber nicht. Das eine ist nicht Bestandteil des anderen. Und letztlich weiß auch der Verwaltungsrat: Das Publikum giert nicht nach Theater, weil der Kaufmann so ausgezeichnet rechnet, sondern weil der Intendant so tolle Spielpläne macht. In der Spieletheorie heißt es Deadlock, Toter Punkt, wenn sich Optionen gegenseitig blockieren. In der Philosophie gibt es das Modell von Buridans Esel, der zwischen zwei gleich schönen Heuhaufen verhungert, weil er unentschlossen bleibt. Konstruktiv ist beides nicht.

Ein riskantes Kalkül

An Bayerns Staatstheatern hat der Intendant das letzte Wort, das sagt die Grundordnung von 2018. Ihr entspricht auch eine Aufteilung der Zuschnitte fifty-fifty nicht. In Regensburg, das künftig zum erlauchten Kreis gehört, liegt der Fall aber etwas anders als etwa am Gärtnerplatz in München: Das Haus bleibt auch nach der Ernennung eine Anstalt des öffentlichen Rechts, ein Kommunalunternehmen der Stadt.

Dr. Matthias Schloderer, Kaufmännischer Direktor am Theater Regensburg - Foto: Jochen Quast

Die Verwaltungsordnung in Regensburg ist alt, gilt als wenig ausgegoren. Eine Anpassung gilt bei Kennern als sinnvoll. Und, auch da sind Brancheninsider einig: Das Ringen zwischen Kaufmann und Intendant ist nichts Ungewöhnliches und sogar, aus Gründen der Kontrolle, bis zu einem gewissen Grad beabsichtigt.

In Regensburg aber führt das Ringen um Tadellosigkeit, also um makellose Rahmenbedingungen für die Verträge, gerade zu Tatenlosigkeit. Falls das Kalkül des Verwaltungsrats aufgeht: wunderbar.

Aber was, wenn nicht?

Der Verwaltungsrat, der Vertrag, die Bilanz

Vorsitzende des Theater-Verwaltungsrats ist Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), Mitglieder sind Erich Tahedl und Bernadette Dechant (CSU), Yasmin Hopp und Wiebke Richter (Grüne), Thomas Mayr (Brücke), Elisabeth Christoph (SPD), Astrid Lamby (ÖDP) und Kerstin Radler (FW). Sebastian Ritschel ist seit 2022 Intendant in Regensburg. Sein Vertrag läuft am 31. August 2027 aus. Als Standard gesetzt ist, dass spätestens zwei Jahre vor Ablauf die Entscheidung steht, ob ein Theaterchef bleiben darf – oder gehen muss. Das Haus steht glänzend da. Laut der aktuellsten Bilanz vom Februar 2025 kamen in der Saison 2023/2024 170.000 Besucher – fast so viel wie vor Corona und das trotz der Schließung des großen Velodroms. Und: Die Erträge übertrafen die Erwartungen deutlich.