Das Theater macht uns reich: Jeder Euro bringt 1,60 Euro zurück

Das Datenwerk der LMU unterfüttert weiche Faktoren mit harter Währung: Das Regensburger Publikum gibt pro Kopf und pro Vorstellung im Schnitt 45 Euro aus. Jeder Gast, der von auswärts extra nach Regensburg kommt, um ins Theater zu gehen, lässt im Schnitt sogar 177 Euro in der Stadt.
Theater ist kostbar. Es füllt das Herz, inspiriert den Kopf, wirkt als Kitt in die Gesellschaft und ermöglicht uns den Austausch, der in einem gespaltenen Land zunehmend unmöglich scheint. Und mehr noch: Eine Studie der LMU München belegt jetzt, was die weichen Faktoren in harter Währung wert sind. Das Ergebnis: Jeder Euro, der ins Theater Regensburg investiert wird, bringt 1,60 Euro zurück.
Die Anfahrt, der kleine Einkauf vorab, das Glas Sekt in der Pause, der Lokalbesuch im Anschluss, vielleicht auch die Nacht im Hotel: Das Regensburger Publikum gibt pro Kopf und pro Vorstellung im Schnitt 45 Euro aus. Und jeder Besucher, der von auswärts extra nach Regensburg kommt, um ins Theater zu gehen, lässt im Schnitt 177 Euro in der Stadt – und das jeweils zusätzlich zum Ticketpreis.
Im Rahmen einer Masterarbeit wurden 6500 Menschen befragt, die zwischen 1. März und 31. Juli 2024 eine Vorstellung am Bismarckplatz, am Haidplatz, im Neuhaussaal oder im Antoniushaus besucht hatten. 1790 Gäste – 27,5 Prozent – antworteten. Die Studie rechnete die Resultate hoch auf die 170 434 Besucher in der Saison 2023/2024. Und: Es wurde eine Gewichtung vorgenommen, die eine mögliche Überschätzung wirtschaftlicher Effekte abfedert.
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Klar: Theater kostet erst mal. In Regensburg brachte ein Ticket 2022/2023 im Schnitt – also inklusive etwa von Schülerkarten – 20 Euro Umsatzerlös, dabei wurde jede Karte mit gut 150 Euro subventioniert. Aber: Theater rentiert sich auch, das ist in Regensburg nicht anders als in anderen Städten.
Der Mehrwert ist hier höher
Professor Manfred Schwaiger, der das Institut für Marktorientierte Unternehmensführung an der LMU leitet und die Studie geleitet hat, nennt im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern etwa das Gewandhaus Leipzig, wo der Re-invest bei 1,16 Euro liegt, das Theater Augsburg mit 1,34 Euro oder das funkelnde Dresden mit seiner Semperoper, wo pro investiertem Euro traumhafte 3,86 Euro Dresden zurück fließen.
Die Zahlen sind nicht eins zu eins vergleichbar, schon weil zum Beispiel die Nacht im Hotel hier und dort unterschiedlich teuer ist. Die Daten stammen außerdem aus unterschiedlichen Jahren und wurden teils vor längerer Zeit erhoben. Um einen Eindruck zu geben, taugen sie aber durchaus, sagt Schwaiger. Und im Vergleich kann sich Regensburg absolut sehen lassen.
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Die Kleinbeträge läppern sich. Mindestens 25 Millionen Euro an ökonomischen Effekten bringt der Theaterbesuch in Regensburg laut Studie pro Jahr – zusätzlich zum Kartenkauf. Schwaiger legt noch eins drauf: „Die Umwegrentabilität wird in der Realität sogar noch höher ausfallen, weil die qualitativen Faktoren noch gar nicht berücksichtigt sind“, sprich: der Imagegewinn für Regensburg.
Tatsächlich unterstrichen die Befragten die Strahlkraft des Theaters. Gut 90 Prozent sagten, es trage maßgeblich zum positiven Bild des Regensburger Kulturangebots bei. Bei 78 Prozent beeinflusste der Theaterbesuch die Meinung zu Regensburg positiv. 77 Prozent wollten den Besuch von Regensburg weiter empfehlen.
Matthias Schloderer, Kaufmännischer Vorstand des Theater, ist glücklich über die Zahlen: „Die Förderung des großen Schatzes unserer kulturellen Infrastruktur lohnt sich also auch wirtschaftlich und macht Regensburg noch attraktiver“, sagt er. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Oberpfalz/Kelheim, sieht das ähnlich: „Die Studie zeigt: das Theater ist ein Wirtschaftsfaktor für die Region.“ Das Image-Plus stärke Regensburg außerdem im Wettbewerb um die besten Köpfe.
Der Stadt entgeht viel Geld
Regensburg lässt sich also viel Geld entgehen, weil es die Velodrom-Sanierung zwei Mal verschoben hat. Erst 2029 soll die größte Spielstätte wieder öffnen. Das heißt: 20 000 Besucher pro Jahr fehlen so lange in der Theater-Bilanz – und damit auch das Geld, das sie rund um die Vorstellung ausgeben. Für die Beratungen über die Sanierung, die gerade in die Zielgerade einbiegen, dürfte die Studie schönes Argumentationsfutter hergeben. Aber auch im Kampf gegen Budget-Kürzungen, die in Berlin gerade einen kulturellen Kahlschlag anrichten, bekommt die Studie Gewicht. Sie legitimiert das Theater mit harten Fakten und zeigt: Es ist mehr als Ornament. Jeder Euro Zuschuss ist indirekt eine Finanzspritze für die Stadt.

