Aller Augen auf einem berühmten Po: Das „Ruhende Mädchen“ in München

Von Barbara Reitter-Welter · 12. März 2025 um 15:30

Die Reihe „All Eyes On“ rückt ein erotisches Kabinettstückchen des Rokoko in den Blick. Als Modell diente dem Maler 1752 eine 14-jährige Pariserin.

Es ist zweifellos der berühmteste Po der Kunstgeschichte: François Boucher malte in „Ruhendes Mädchen“ eine junge Frau, die lasziv auf einer samtenen Chaiselongue liegt, inmitten drapierter grünlicher Laken. Bäuchlings, die Beine gespreizt, die Arme aufgestützt, blickt sie in die Ferne. Auf dem Boden des Boudoirs liegt eine blassrote Rose, Symbol der Liebe, daneben steht ein exotisches Räuchergefäß.

Bis heute gilt das Gemälde als das erotische Kabinettstück des Rokoko schlechthin – wohl ein Auftragswerk für die adlige Kundschaft, bei der frivole Sujets dieser Art selbst im Zeitalter der Aufklärung hoch beliebt und heiß begehrt waren. Besonders, da Nacktheit damals meist in mythologische Themen versteckt beziehungsweise mit einem historischen Rahmen verbrämt wurde.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts befindet sich das Werk in der Alten Pinakothek, wo es nun nach längerer kunsttechnologischer Untersuchung, gefolgt von Konservierung und Restaurierung, wieder in Saal XII hängt. „All Eyes On“ heißt das Projekt, das seit einiger Zeit in halbjährlichem Abstand alle Augen auf ein Bild oder einen Künstler lenkt und die Besucher durch instruktives Info-Material mit allem Wissenswerten rund um Entstehung und Bedeutung vertraut macht. Vor dem Bildnis „Liegendes Mädchen“ stellen sich natürlich viele Fragen – besonders zur Identität von Bouchers jungem Modell.

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Pikanterweise soll Casanova die Details überliefert haben. Bei der Dargestellten handelte es sich um ein Mädchen aus dem Volk, die 14-jährige Tochter einer Pariser Altkleidersammlerin, die Boucher im Jahr 1751 entdeckte und 1752 auf dem berühmten Bild festhielt: Marie-Louise O’Murphy. Doch die Näherin stieg, nachdem der Bruder von Madame Pompadour das Gemälde erworben und dem König gezeigt hatte, bereits 1753 zur Mätresse von Ludwig XV. auf. Sie stand in Konkurrenz zur Lieblingskurtisane, Marquise de Pompadour. Die Kleine verlor den Machtkampf und wurde mit einem Adeligen verheiratet. Das delikate Gemälde jedoch blieb. Es ist durch das gewagt sinnliche Motiv noch immer außergewöhnlich. Dabei fertigte der Maler, Zeichner und Kupferstecher François Boucher (1703-1770) mit Mitarbeitern auch vom „Liegenden Mädchen“ eine oder mehrere Repliken (bekannt ist die Fassung im Kölner Wallraf-Richartz Museum), da sich anzügliche Werke in einer galanten Welt glänzend verkauften. Besonders in Adelskreisen galten sie als Glanzstücke für private Bilderkabinette.

In der Reihe „All Eyes On“ hängt das Bild bis 6. Juli in der Alten Pinakothek in Saal XII.