Festakt voller Freude und mit dicken Fragezeichen: Regensburg feiert künftigen Titel

Von Marianne Sperb · 14. September 2025 um 14:58

Die Stadtgesellschaft Regensburg macht sich mit Beethovens Neunter warm für die ersehnte Erhebung in den erlauchten Kreis. Interessant ist, wie so oft, was in den Reden nicht gesagt wird.

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„Auf dem Weg zum Staatstheater“ war der Festakt am Samstag betitelt, ohne Fragezeichen – aber eben auch ohne den Titel, mit dem Regensburg zum Start der Saison zunächst halb und halb gerechnet hatte. Zwei Werke spiegelten den Anspruch des Hauses und den Anlass des Abends.

„Stomp“ von John Corigliano wurde serviert als Perle auf dem Silbertablett, in europäischer Erstaufführung. Der Siebenminüter – treibend, stampfend, ungeheuer farbig, mit Anleihen von Klezmer bis Thriller, Gershwin bis Copland – trug Aufbruchsstimmung in den Saal und war ein Appetizer zu „The Ghosts of Versailles“. Das Opernspektakel des Oscar-Preisträgers hat am 27. September in Regensburg Premiere, mit dem Meister aus New York höchstpersönlich im Saal.

Starkes Zeichen für die Kunst

Beethovens ergreifende „Ode an die Freude“ dann, fulminant dirigiert von Stefan Veselka, gab der Dankbarkeit und Vorfreude auf den Titel Ausdruck. Auf der Bühne blieb kein Quadratmeter frei, mit Opern- und Cantemuschor, Solisten und den Philharmonikern fuhr das Haus eine gewaltige Kulisse auf. Die Erhebung, das machte Intendant Sebastian Ritschel klar, ist ein Prozess, „kein singulärer Akt, kein nettes Händeschütteln“, sondern ein langer gemeinsamer Weg, der Herausforderungen bringt, aber auch Stabilität bringt und die Chance zu wachsen – während andere Häuser ihr Schrumpfen überlegen müssen.

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Was unabhängig vom neuen Namen bleiben wird: ein „starkes Haus für Ur- und Erstaufführungen“ und Formate, die auch Theaterferne anziehen, versicherte Ritschel. Man sei noch nicht am Ziel, aber die Transformation stärke das Haus. Der Intendant zeigte sich, wie die anderen Redner, dem Freistaat dankbar, der mit dem Titel und der neuen Förderstruktur ein starkes Zeichen für die Kunst setze.

Kaufmännischer Direktor Matthias Schloderer beschwor sozusagen als apotropäische, als Unheil abwehrende Geste Beethovens chronischen Geldmangel. Er zitierte aus einem Brief des Komponisten Geldgeber: Der Künstler solle nicht bloß notdürftig bezahlt, sondern in den Stand künstlerischer Freiheit gesetzt werden. Das beschreibe recht gut, was der Titel bedeute: das Privileg, sich entwickeln zu dürfen, und Absicherung für die Zukunft. „Es ist gar nicht so entscheidend, ob er am 1. Januar oder am 1. Juli kommt“, entscheidend sei der breite Rückhalt, den Zahlen wie Umfragen belegen. Wie in Beethovens Neunter seien die Phasen von Kampf und Sturm auf dem Weg zum Staatstheater bereits überwunden, nun folge die Freude.

Drei auf dem Weg zum Staatstheater: Intendant Sebastian Ritschel, OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Kaufmännischer Direktor Matthias Schloderer (von links) beim Festakt am Samstag im Theater am Bismarckplatz - Foto: Silvain Guillot

OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), Vorsitzende des Verwaltungsrats, erinnerte an den langen Weg zu Fünf-Spartenhaus, Kommunalunternehmen und Anstalt des öffentlichen Rechts. Diese Form wird das Theater behalten – ein Unikum im Kreis der Staatstheater und „ein Zeichen, dass der Freistaat uns vertraut“. Im November 2021 fuhr eine Regensburger Delegation nach München, um beim Freistaat zu werben, seine Förderung auf städtisches Level anzuheben. Im April 2023 verkündeten Ministerpräsident Markus Söder, Kunstminister Markus Blume und Finanzminister Albert Füracker (alle CSU) dann am Bismarckplatz, dass Regensburg Staatstheater wird, erinnerte die OB. Nun läute man den offiziellen Endspurt ein.

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„Dieses Haus will nicht nur mehr, es kann auch mehr als andere“, und „die künstlerische Qualität ist so hoch wie noch nie“, betonte die OB. Der implizierte Wunsch, das Team möge seine höchst erfolgreiche Arbeit fortsetzen, ist bislang aber Lippenbekenntnis, denn: schriftlich fixiert ist nichts. Der Verwaltungsrat schob im Juli ohne Not die Entscheidung über die Verträge von Schloderer und Ritschel auf die lange Bank. Der Hintergrund, den diese Zeitung öffentlich machte, ist ein Terz um die Geschäftsordnung, die auch Einflussbereiche der beiden Chefs festlegt, aber keine formale Bedingung für eine Verlängerung wäre. Im Vakuum blühen Spekulationen und es frickelt spürbar im Haus. Ob Ritschel und Schloderer bleiben, bleiben dürfen, ist also offen, könnte aber im Oktober feststehen.

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Ein Festakt ins Ungefähre: Auch wann konkret die Erhebung folgt, ist unklar. Vertreter des Freistaats aus München fehlten am Samstag. Kunstminister Blume bekräftigte im Vorfeld auf Anfrage aber: „Die Saison 2025/26 wird nicht nur künstlerisch, sondern auch kulturpolitisch zu einem großen Fest.“ Im Lauf dieser Spielzeit komme der Titel, ab 2027 bestreite Bayern dann die Hälfte der Förderung, gibt rund 16 Millionen Euro pro Saison. Beides ist tatsächlich Grund zu Freude und wurde nach dem Festakt ausgiebig begossen: Prösterchen, Staatstheater!