24 Premieren, sieben Uraufführungen: Der neue Regensburger Theater-Spielplan ist da

Von Marianne Sperb · 20. März 2026 um 16:17

Sie präsentierten am Freitag den neuen Spielplan des Theaters Regensburg: Generalmusikdirektor Stefan Veselka, Chef-Dramaturg Ronny Scholz. Chef-Choreograf Leander Veizi, Intendant Sebastian Ritschel, Schauspiel-Direktorin Barbara Bily, Oda Zuschneid, Leiterin des Jungen Theater und Finanzchef Matthias Schloderer, der zum Sommer das Haus verlässt (von rechts) - Foto: Sylvain Guillot

Eine sexhungrige Lady, ein weiser König, ein taffes Mädchen oder zwei Schüler, die aus der DDR fliehen: Die neue Saison im Regensburger Theaters erzählt von aufregende Geschichten von Menschen, die vielfältige Zwänge abschütteln wollen.

Video ansehen

Bei dieser Spielplan-Präsentation, der fünften unter Intendant Sebastian Ritschel, war vieles neu. Antje Thoms fehlte gestern im Foyer Neuhaussaal; die Leiterin der Sparte Schauspiel wechselt ans Staatstheater Braunschweig. Ihr Position übernimmt Barbara Bily vom Mainfrankentheater Würzburg. Wagner Moreira war nicht mehr an Bord; der Chef-Choreograf gab im Dezember den Abschied bekannt, er sucht neue Impulse in der freien Szene. Leander Veizi, der mit 34 seine Karriere als Tänzer eh aufgeben will, übernimmt nun kommissarisch als Leiter der Kompanie. Und Matthias Schloderer saß zum letzten Mal am Tisch, der Kaufmännische Direktor führt ab September die Geschäfte der Staatsoper Hamburg. Staffelübergabe an den neuen Finanzchef, Chefin soll noch im Sommer sein.

Auf dem druckfrischen dicken Spielzeit-Buch steht nun „Staatstheater Regensburg“: Am 8. Mai tritt das Haus dem erlauchten Kreis bei, ab 2027 machen Stadt und Freistaat halbe-halbe bei der Finanzierung, das spült etliche Millionen Euro in die Kasse.

Große Stoffe, starke Texte verspricht Barbara Bily

„Freiheiten“ steht als Motto über der Saison. 24 Premieren, darunter sieben Uraufführungen, verhandeln die vielen Facetten eines Begriffs, der für ein Urbedürfnis steht. Frei sein von Zwang, Not, Gewalt, frei sein, zu sagen, was man denkt, zu reisen, wohin man will, zu lieben, wen man will, zu sein, wer man ist: Menschen geben dafür Blut, Mühsal, Schweiß und Tränen, wie nicht zuletzt tägliche Kriegsnachrichten zeigen. „Freiheit verlangt Haltung“, betont Ritschel.

Sein Spielplan umarmt das Neue (eine Haltung, die dem Theater den Titel „Opernhaus des Jahres“ eintrug) und verzichtet weitgehend auf Garanten am Kartenschalter. Die hat Regensburg auch nicht nötig: Die Auslastung ist blendend, es g gibt sogar ein neues Musiktheater-Abo und an der kleinen Haidplatz-Bühne laufen weniger Premieren, schlicht weil die hohe Nachfrage verbietet, Stücke früh wieder abzusetzen.

Lesen Sie mehr: Eine Sternstunde für Regensburg: die Gala im „Opernhaus des Jahres“

Große Stoffe und starke Texte verspricht Barbara Bily, die deutsche Freiheitsgeschichte aus 100 Jahren einkreist, in lauter Regensburger Erstaufführungen. Die Ausnahme: „Kleiner Mann was nun?“ nach dem Roman von Hans Fallada, in dem ein junges Paar in der Weimarer Republik versucht, sich aus Armut und rechtsradikalen Repressalien frei zu strampeln.

Deutsch-deutsche Liebe kurz nach dem Mauerbau

Geld ist teuer, das Geschäft läuft schlecht: Da schlägt bei Bert Brecht die Stunde von Hitler, Gewalt und Mord. „Der aufhaltsame Aufstieg von Arturo Ui“ schrieb er 1941 in Helsinki, von Nazis ins Exil getrieben. Die bittere Parabel war noch nie am Theater hier zu sehen. „Die Ehe der Maria Braun“ nach Rainer Werner Fassbinder erzählt von Maria in der Zeit von 1943 und 1957, die für den Wohlstand im Wirtschaftswunderland ihre Gefühle wegsperrt.

„Der geteilte Himmel“ nach Christa Wolf (der Roman erschien kurz nach dem Mauerbau) zoomt auf eine deutsch-deutsche Liebe. Bily kooperiert mit der Bundesstiftung für Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Institut für Deutschland-Forschung; Zeitzeugen werden am Rand Leben und Verfolgung in der DDR schildern. „Ulrike Maria Stuart“, Königinnendrama von Elfriede Jelinek, spinnt den Faden fort und führt in den Deutschen Herbst und zur RAF.

Uraufführung der Horrorkomödie „Bad Women with Long Hair“

Das Private ist politisch, das Politische privat: Dafür stehen die Frauen der Horrorkomödie, die Svenja Viola Bundgarten für Regensburg schreibt und inszeniert, Arbeitstitel: „Bad Women with Long Hair“. Ebenfalls eine Uraufführung: Annika Henrich lässt in „Am Sonnenweg“ greise Liebende eine Intrige spinnen, um der Gerontopsychiatrie zu entkommen.

„Grenzen entstehen im Moment“, sagt Leander Veizi. Den Beweis führt seine Choreografie „Hier kommt keiner durch“ nach einem preisgekrönten Bilderbuch über Bewegungsfreiheit vor einem Grenzposten. Höhepunkte werden der Tanzabend „Dark“ von Brian Scalini, der Sinnesgrenzen verschiebt, und ein Tanzstück von Dan Pelleg und Marko E. Weigert, mit Orchester und Musik von Prokofjew: „Romeo, Julia &“ tanzen sich da frei aus dem Gefängnis der Normen.

Lesen Sie mehr: Jetzt ist's offiziell: Regensburg bekommt den Titel Staatstheater

„Kinder testen Grenzen aus und prägen, wie wir mit Freiheit umgehen“, sagt Oda Zuschneid, Leiterin des Jungen Theater. Anarchisch, witzig und auch tragisch geht’s in ihrer Sparte zu. Zwei Schüler fliehen über die Ostsee aus der DDR, ins Land „Jenseits der blauen Grenze“. Im Familienstück finden „Die Schöne und das Biest“ über alle Widrigkeiten hinweg zueinander. Und in „Bonni & Kleid“ tun es ein Kassenbon und ein Kleid Bonnie und Clyde nach – und türmen aus dem Kreislauf von Kaufen und Wegwerfen.

Aufregende Opern und ein Musical-Coup vom Broadway

Sebastian Ritschel und Chef-Dramaturg Ronny Scholz stellten sich gestern ganz hinten an mit dem Musiktheater, das aufregenden Stoff verspricht. Die Oper „Król Roger“ von Karol Szymanowski erzählt eine Story wie in Regensburg gemacht: Der König gibt – wie Kaiser Karl vor 500 Jahren – den Thron auf, wirft alle Zwänge ab. Die Musik klingt magisch, oft, als hätten die Domspatzen sie schon vor 1050 Jahren gesungen, sphärisch, mystisch, auch nach Wagner und Messiaen.

Jonathan Dove setzt für Regensburg „Der geheime Garten“ als Familienoper um; in farbenfroher Musik zeichnet er ein taffes Mädchen, das einen Garten von alten Schatten befreit. Im Musical „Next to Normal“ von Tom Kitt, mit dem Pulitzer-Preis gekrönt und mit Gänsehaut-Garantie versehen, muss sich die bipolare Diana aus dem Gefängnis der Erinnerungen kämpfen. Offenbachs Fantastische Oper „Les Contes d’Hoffmann“ ertastet die Grenzen von Fantasie und Realität.

Lesen Sie mehr: Das beste Opernhaus steht in Regensburg

Auf „Lempicka“ sind Ritschel und Scholz stolz: Das Musical von Matt Gould über die Art-Déco-Malerin zeigt eine Frau, die kühn ihr Leben lebt. Das Werk reist von New York direkt nach Regensburg; sonst gilt das Londoner West-End als Zweitstation nach dem Broadway als gottgegeben. In diesem Fall ging die Bitte, die europäische Erstaufführung zu übernehmen, direkt an die Musical-Cracks am Noch-Stadttheater.

Ungezügelt auch das Leben von Margaret Whigham, exzentrische, sexhungrige Society-Lady, die den Brit-Adel pikierte und die Yellow-Press reizte, bis sie Ruf, Geld und Leben verlor. „Powder Her Face“, der Titel der Oper von Thomas Adès , ist ein Euphemismus für Fellatio; mit dem Pudern der Nase hat er nichts zu tun.

Info: Das sind die Premieren der neuen Spielzeit

Musiktheater, alle Inszenierungen im Theater am Haidplatz: 26. September: „Król Roger“, polnische Oper von Karol Szymanowski; 5. Dezember: „Der geheime Garten“, Uraufführung, Familienoper von Jonathan Dove; 6. Februar: „Next to Normal“, Musical von Tom Kitt; 10. April: „Les Contes D’Hoffmann“, fantastische Oper von Jacques Offenbach; 29. Mai: „Lempicka“, Musical von Matt Gould; 26. Juni: „Powder her Face“, Oper von Thomas Adès; Alle Inszenierungen im Theater am Theater Bismarckplatz

Tanz: 27. September: „Hier kommt keiner durch!“, Tanzstück von Leander Veizi, Junges Theater; 13. November: „Romeo, Julia &“, Uraufführung, von Dan Pelleg und Marko E. Weigert, Bismarckplatz; 12. März: „Dark“, Tanzabend von Brian Scalini, Antoniushaus; 2. Mai: „Dance Lab 5.0“, Uraufführung, Junge Choreografien, Haidplatz

Schauspiel: 25. September: „Die Ehe der Maria Braun“, nach Rainer Werner Fassbinder, Antoniushaus; 9. Oktober: „Der geteilte Himmel“, nach der Erzählung von Christa Wolf, Haidplatz; 30. Oktober: „The Play that Goes Wrong“, Komödie von Henry Lewis, Jonathan Sayer und Henry Shields, Antoniushaus; 7. November: „Jenseits der blauen Grenze“, nach dem Roman von Dorit Linke, Junges Theater; 14. November: „Foxfinder“, Psychothriller von Dawn King, Haidplatz; 22. November: „Die Schöne und das Biest“, Familienstück von Lucy Kirkwood und Katie Mitchell, Antoniushaus; 18. Dezember: „Bad Women with Long Hair“, Uraufführung, Horror-Komödie von Svenja Viola Bungarten, Haidplatz; 12. Februar: „Ulrike Maria Stuart“, Königinnendrama von Elfriede Jelinek, Antoniushaus; 13. Februar: „Bonni & Kleid“, von Lorenz Nolting und Sofie Boiten, Junges Theater; 6. März: „Kleiner Mann – was nun?“, nach dem Roman von Hans Fallada, Bismarckplatz; 9. April: „Am Sonnenweg“, von Annika Henrich, Uraufführung, Haidplatz: 24. April: „Sachen kaputt machen“, Objekttheater nach Katharina Grossmann-Hensel, Junges Theater; 1. Mai: „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ von Bertolt Brecht, Antoniushaus; 29 Mai: „Doing Democracy“, Community-Theater, Uraufführung, Junges Theater