Blume zu Regensburgs Erhebung zum Staatstheater: „Theater ist das Fitnessstudio der Demokratie“

Während andere Häuser darben – in Ingolstadt etwa schließt der Theaterbau gerade und niemand weiß, wann hier je wieder gespielt wird – kann sich Regensburg freuen: Ab 8. Mai gehört es zum erlauchten Kreis der Staatstheater. Vor dem Festakt sagt Minister Blume (CSU), warum wir auf Theater nicht verzichten können, wie er auf Kunstfreiheit schaut - und welche Vorstellung er in Regensburg sehen will.
Den Fußball-WM-Titel muss man immer wieder neu erkämpfen, Papst-Stadt ist man nur, bis ein Pontifex stirbt oder zurücktritt, das Prädikat Welterbe kann man verlieren. Aber Staatstheater ist man für immer, oder?
Markus Blume: Der Titel „Staatstheater“ ist kein Pokal, den man jedes Jahr neu verteidigen muss. Das ist ein Aufstieg in die höchste Liga der bayerischen Theaterlandschaft und gleichzeitig ein Bekenntnis zur Zukunft. Der Freistaat Bayern macht Regensburg zum Staatstheater – und zwar dauerhaft.
Für den Titel sprechen, finden zumindest die Regensburger, viele gute Gründe. Gibt es einen speziellen, der Sie persönlich besonders überzeugt hat?
Blume: Die künstlerische Erfolgsgeschichte, jetzt sogar ausgezeichnet als „Opernhaus des Jahres“! Ich kann mich noch gut erinnern, als ich 2022 meine Aufgabe als Kunstminister begonnen hatte. Da fand ich einen riesigen Stapel an Unterlagen vor, in denen Regensburg schon damals besonders gekennzeichnet war mit dem Hinweis: Wenn irgendwann in ferner Zukunft daran zu denken sei, ein weiteres Theater in Bayern zum Staatstheater zu erheben, dann könne das nur Regensburg sein – und zwar weil es sich als kommunales Theater so stark entwickelt hat. Diesen Aufstieg aus eigener Kraft zu schaffen, das ist etwas ganz Besonderes. Die Münchner Theater haben eine höfische Vergangenheit. Dass es Regensburg als bürgerliches, als Bürgerschaftstheater, geschafft hat, ist ein ganz besonderer Erfolg.
Das Mainfranken Theater Würzburg ist noch Aspirant auf den Titel – wird es das letzte auf der Liste der Staatstheater sein?

Blume: Tatsächlich hat Regensburg Würzburg überholt. Das ist dem Umstand geschuldet, dass Würzburg immer noch mit der Sanierung seines Theaters kämpft. Klar ist aber, dass es keine weiteren Staatstheater in Bayern geben wird. Einfach weil die kulturelle Substanz auf diesem Niveau sonst nicht gegeben ist. Mit Regensburg und Würzburg haben wir dann sieben Staatstheater in Bayern.
Mit dem Titel hat es ein bisschen gedauert, wegen der Haushaltssperre. Geld ist knapp. Mit wie viel Geld – in Euro – bezuschusst der Freistaat das Staatstheater Regensburg künftig?
Blume: Ich finde, dass es sogar sehr schnell ging. Im April 2023 durften Markus Söder, Albert Füracker und ich zu Fanfarenklängen im Theater Regensburg die Erhebung ankündigen. Dass es mit dem Titel jetzt schon, in der Spielzeit 2025/2026 klappt, ist Ergebnis einer gemeinsamen Kraftanstrengung. Fakt ist: Der Freistaat Bayern hat zugesagt, beim Staatstheater den Finanzierungsanteil in Stufen auf 50 Prozent zu erhöhen. Das heißt übrigens: Die Stadt Regensburg zieht sich nicht zurück, sondern wir schaffen gemeinsam ein echtes Plus. In den letzten fünf Jahren hat der Freistaat seine Zuschusssumme bereits mehr als verdoppelt. Mein Ziel ist, dass wir möglichst bald die Parität erreichen, also Stadt und Freistaat je 50 Prozent geben.
Nochmal: Mit wie viel Geld in Euro bezuschusst Bayern ab wann das Staatstheater?
Blume: Im Moment liegt unser Zuschuss bei mehr als 12 Millionen Euro pro Jahr. Wie viel das künftig im Endausbau sein wird, hängt von Tarifsteigerungen, dem Fehlbedarf des Hauses und natürlich auch der Haushaltslage des Freistaats ab. Deshalb lässt sich heute keine fixe Zahl nennen. Die Zusage jedenfalls steht: Der Freistaat Bayern beteiligt sich in Zukunft dauerhaft zu 50 Prozent an der Finanzierung.
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Staatsoper Nürnberg, Staatstheater Augsburg, Main-Franken Theater Würzburg und vor allem die Staatsoper München, wo der Sanierungsbedarf bei geschätzt einer Milliarde Euro liegt: Gewaltige Investitionen sind fällig. Macht Ihnen das Sorge, vielleicht sogar Angst?
Blume: Angst wäre ein schlechter Ratgeber. Dazu macht Kunst auch viel zu viel Freude. Tatsächlich ist mir das Wichtigste, dass wir unser Kulturversprechen im Freistaat halten: Bei der Kunst wird nicht gespart. Wir sind für unsere Theater ein verlässlicher Partner. Das heißt umgekehrt aber auch, dass wir bei Kulturbauten schauen müssen, dass jeder seinen Beitrag leistet. Die Sanierungen in Nürnberg, Augsburg und Würzburg führen die Kommunen in eigener Verantwortung durch – mit kräftiger finanzieller Unterstützung durch den Freistaat. Für die Sanierung der Münchner Staatsoper stehen wir als Freistaat selbst in der Verantwortung; hier haben wir im Rahmen unserer Kulturkaskade gerade eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Das wird aber erst in der kommenden Dekade eine Rolle spielen.
Bayern lässt sich seine Theater viel kosten. Auch wenn es teuer ist: Warum braucht es Theater aus Ihrer Sicht? Siehe Demokratiebildung.
Blume: Sie nennen da ein ganz wichtiges Stichwort. Für mich ist Theater so etwas wie das Fitnessstudio der Demokratie. Die Antike hat die reinigende Wirkung des Theaters beschworen. In der Klassik rückte die aufklärerische Funktion ins Zentrum. Immer wurde dem Theater eine bedeutende Rolle zugeschrieben. Genau so ist es heute. Theater ist kein Luxus, sondern Lebenselixier einer freiheitlichen Gesellschaft. Es ist Seismograph für den Zustand einer Gesellschaft. Ich würde fast sagen: Wenn es unseren Theatern gut geht, dann geht es uns auch insgesamt gut.
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Sie betonen auffallend häufig die Freiheit von Kunst und Wissenschaft als entscheidend für Demokratie. In der Schnittmenge von Kultur und Politik knirscht es manchmal aber heftig, siehe Deutscher Buchhandlungspreis. Wie frei muss Theater aus Ihrer Sicht als Politiker sein?
Blume: So frei, wie es unsere freiheitliche demokratische Grundordnung zulässt und gleichzeitig erfordert. Die Freiheit der Kunst ist weder ein Freifahrtschein noch etwas, um das man zu betteln hat. Wir leben in einer Zeit, in der weltweit versucht wird, Freiheit und Offenheit zurückzubauen. Umso wichtiger ist, die Fahne der Freiheit hochzuhalten. Wie passend ist da der aktuelle Regensburger Spielplan! „Freiheiten“ als Jahresthema, das ist ein wunderbares Signal an unsere Zeit.
Wann werden Sie sich selbst ein Bild vom Staatstheater Regensburg machen und ein Angebot aus dem Spielplan wahrnehmen?
Blume: Das Balkonsingen am Bismarckplatz unter freiem Himmel, wie auf einer italienischen Piazza, möchte ich gerne einmal erleben. Man sagt ja, München sei die nördlichste Stadt Italiens, vielleicht ist es sogar Regensburg (lacht).
Interview: Marianne Sperb
Info: Für das Staatstheater fließt mehr Geld
Der Festakt: Intendant Sebastian Ritschel und kaufmännischer Direktor Matthias Schloderer nehmen am 8. Mai den Titel Staatstheater für das Haus entgegen, beim Festakt mit Ministerpräsident Markus Söder, Kunstminister Markus Blume, Finanzminister Albert Füracker und dem neuen OB Thomas Burger.
Die Förderung: Freistaat und Stadt teilen sich künftig die Förderung. Im Haushaltsjahr 2025 trug Bayern mehr als 42 Prozent, rund 12,5 Millionen Euro bei. Bis zum Haushaltsjahr 2027, so war bisher geplant, soll die Quote 50 Prozent erreicht werden, das entspräche je 16 Millionen Euro von Stadt und Freistaat.
Die Struktur: Das Staatstheater Regensburg bleibt auch in Zukunft ein Kommunalunternehmen und somit in Trägerschaft der Stadt Regensburg. Das Theater hält fest am Profil als Vielspartenhaus, als zentraler kultureller Anlaufpunkt Ostbayerns mit dem Schwerpunkt auf Ur- und Erstaufführungen.