Nach verpasstem Wiedereinzug: Diese sechs Neunburger Stadträte haben bald mehr Freizeit

Im April stehen für die alten Stadträte noch zwei Sitzungen an. Nach den Haushaltsbeschluss am 16. April, soll eine Woche danach die offizielle Verabschiedung der ausscheidenden Mitglieder erfolgen. Sechs der 20 Neunburger Räte waren zwar zur Wahl angetreten, hatten aber den Wiedereinzug verpasst – darunter auch einer der dienstältesten Stadträte.
Walter Drexler (FW) war unermüdlich für den Eixendorfer See im Einsatz
Im ersten Augenblick sei er etwas enttäuscht gewesen, dass es nicht mehr für den Einzug in den Stadtrat gereicht habe, sagt Walter Drexler. Mit 24 Jahren war er schließlich einer der dienstältesten Stadträte. Aber wenig später habe sich ein Gefühl von Befreiung eingestellt: 50 Abendtermine im Jahr, das sei nicht gerade wenig, stellt er fest. In vier Ausschüssen war er tätig und zudem städtischer Beauftragter für Tourismus.
Als Tourismus-Beauftragter und selbst Anwohner setzte sich Walter Drexler unermüdlich für den Eixendorfer See ein. Die unschönen Algen im Sommer konnte er nie akzeptieren. Jahrelang kämpfte er deshalb für die Errichtung eines Entnahmeturms, der im März endlich in Betrieb gegangen ist. Dreimal reiste er bis nach Bautzen zum Stausee, wo es ebenfalls einen Entnahmeturm gibt. „Ich kann nicht zählen, wie viele Stunden ich in diesen See investiert habe“, sagt der gebürtige Eixendorfer, dessen Heimatdorf einst unter dem Wasser begraben wurde und der seitdem jeden Tag von seinem Wohnzimmer aus direkt auf den Stausee blickt. Fast schon berüchtigt seien seine Wortmeldungen im Stadtrat gewesen, wenn er immer wieder das Thema aufbrachte, schmunzelt er.
Dabei hat der Landwirt auch privat eine Menge an Aufgaben, die auf ihn warten: Die Ackerflächen mit Raps, Weizen und Mais sowie ein Waldgebiet müssen bewirtschaftet werden. Zudem hat der „Robin Hood der Eixendorfer Sees“ Enkel im Alter von zwei und vier Jahren. Die „Enkelbespaßung“ sei ein großer Punkt auf seiner künftigen Agenda, freut sich der stolze Großvater. Seine Ehrenämter möchte er insgesamt zurückfahren, erst kürzlich schied er aus der Vorstandschaft des Tourismusvereins aus. Auch für den 7. Mai, dem Zusammentreffen des neuen Stadtrats, hat Walter Drexler schon Pläne: Mit der Angel will er an seinem See sitzen und den Ausblick genießen.
Herbert Wartha (SPD) rückte 13 Plätze in der Liste nach vorn – und kam trotzdem nicht rein
Herberth Wartha war seit 2008 als Stadtrat tätig, zuletzt im Bau- und Werkausschuss sowie als Aufsichtsrat in der Nord-Ost-Gruppe. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schaue er auf sein Ausscheiden, erklärt der ehemalige Kraftfahrer. Mit 777 Stimmen erhielt er das sechshöchste Ergebnis aller SPD-Kandidaten – obwohl er auf Platz 19 der Liste stand. 2020 war er sogar Stimmenkönig seiner Partei gewesen.
Diese guten Wahlergebnisse kann sich der 69-Jährige nicht erklären. Vielleicht liege es daran, dass er in den 1970er und 1980er Jahren als Kaminkehrer in den Häusern der Stadt ein- und ausging, spekuliert er. Vielleicht auch daran, dass er Jahrzehnte lang im Judo, im Turnverein und bei der Feuerwehr aktiv war. Oder daran, dass er als Stadtrat immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger hatte.
Langweilig wird dem Rentner künftig nicht. Um seine Tochter im Beruf zu unterstützen, holen er und seine Frau mittags die Enkelsöhne (drei und fünf Jahre) aus dem Kindergarten ab. Zudem ist er gerne draußen unterwegs, ob beim Motorradfahren oder Schweißen und Gartenbauen mit dem Schwager.




Alexander Trinkmann (CSU) kommt beim Thema Biodiversität ins Schwärmen
Seit 2014 war Alexander Trinkmann Stadtratsmitglied, gut sechs Jahre davon Fraktionsvorsitzender der CSU. Sein Ausscheiden sei für ihn absolut in Ordnung, sagt der 43-Jährige. Die Zusammenarbeit im Stadtrat schätzte er sehr. „Ehrlich, offen und respektvoll“ sei es da zugegangen, so der frühere JU-Ortsvorsitzende. Zuletzt war der Fachoberschullehrer in drei Ausschüssen aktiv und zudem Beauftragter der Stadt Neunburg für Umweltschutz.
Wenn er über den Arbeitskreis für Biodiversität spricht, den er auch leitete, gerät der gebürtige Rodinger ins Schwärmen. Alle Mitglieder hätten viel vorangetrieben und hervorragend mitgearbeitet, erzählt er. Für eine weitere Mitarbeit im Arbeitskreis zeigt er sich offen. Als aktiver Festspieler setzte er sich darüber hinaus dafür ein, dass das Festspiel keine Zwangspause einlegen muss.
In seiner neu gewonnenen Freizeit möchte sich Trinkmann weiter mit seinem Hobby Pilzkunde befassen und vielleicht sogar ein Zertifikat der Mykologie erwerben, damit auch andere Pilzsucher bei ihm Rat einholen könnten. Außerdem warten viele ungelesene Bücher im Regal auf ihn.
Christoph von Wenz zu Niederlahnstein (CSU) hat für das GZO gekämpft
Christoph von Wenz zu Niederlahnstein ist vor allem als Zahnarzt und Fachzahnarzt für Oralchirurgie bekannt. In den zwölf Jahren als Stadtrat habe er sich die Entscheidungen nie leicht gemacht und immer nach bestem Gewissen gehandelt, erklärt er. Nicht schwer gefallen sei ihm hingegen die Entscheidung für das neue Gesundheitszentrum Ostoberpfalz, an dessen Aufbau er als städtischer Gesundheitsbeauftragter maßgeblich mitwirkte.
Anna Roßkopf (SPD) hatte sich gerade erst richtig eingearbeitet
Anna Roßkopf kam im September 2024 als Nachrückerin für Tanja Kraus in den Stadtrat. Eineinhalb Jahre seien in der Politik eine kurze Zeit, findet die 66-Jährige. Die Rentnerin, die seit 1992 in Neunburg lebt, ist durch ihr soziales Engagement bekannt, etwa im Gesangverein, im Frauenbund, im Turnverein oder als Sprachpatin für Asylbewerber. Vor dem Ruhestand war sie als Verwaltungsangestellte im Jugendamt für die Kindergärten im Landkreis Schwandorf tätig. Auch im Stadtrat lag ihr Fokus immer auf sozialen Anliegen, sagt Roßkopf. Nachdem sie sich eingearbeitet hatte, hätte sie sich gerne weiter im Stadtrat engagiert. Doch die Stimmen reichten nicht für den Wiedereinzug. Die Verjüngung der SPD-Fraktion begrüßt sie jedoch.
Helga Mehltretter (Freie Wähler) hat wieder mehr Zeit für ihre Familie
Am kürzesten im Stadtrat war Helga Mehltretter (Freie Wähler): Die Krankenschwester aus Seebarn rückte erst im Mai 2025 für Johann Eckl nach. Seitdem habe sie vor allem viel zugehört. Die Arbeit habe ihr wahnsinnig Spaß gemacht, erklärt die 56-Jährige. Dennoch seien viele Termine mit ihrem Schichtplan im Krankenhaus leider fast unmöglich zu vereinbaren. Mehr Zeit bleibt ihr nun wieder für ihre Familie sowie ihre Ehrenämter als Mesnerin und als Rettungsdienstassistentin.