Regensburg ist mehr als nur die Welterbezone: Kumpfmühl kann Stadtteilkultur

Von Rainer Wendl · 25. Februar 2026 um 15:00

Dass sich hochkarätiges kulturelles Leben in Regensburg nicht immer nur im historischen Zentrum abspielen muss, beweist der Blick nach Kumpfmühl. Kein Wunder, denn hier gibt es zwei besondere Kulturorte.

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Weg vom ewig starren Blick auf die Altstadt, hin zu mehr Stadtteilkultur: Diese altbekannte Forderung wird im aktuellen Wahlkampf auch von etlichen OB-Kandidaten gerne bemüht. Dabei gibt es bereits Viertel außerhalb der Welterbe-Zone, wo die Kultur bestens gedeiht. Kumpfmühl ist ein Musterbeispiel dafür, denn hier treffen identitätsstiftende Orte und eine aktive Bürgerschaft aufeinander.

So kommt es, dass zwischen dem Start der Jubiläumssaison im Salettl und einer großen Ausstellungseröffnung in der Theresienkirche nur wenige Tage liegen.

Die 30 Plätze im Saal sind meistens schnell weg

Zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass die Generalsanierung des im Karl-Bauer-Park gelegenen barocken Gartenhauses der Stiftsdamen von Obermünster, besser bekannt als Salettl, abgeschlossen wurde. Für Rainer Girg war diese runde Zahl der Anlass, für heuer ein besonders breites Veranstaltungsprogramm auf die Beine zu stellen. „Ich sehe es als eine meiner vorrangigen Aufgaben, das Obergeschoss mit geschichtlichen und kulturellen Themen zu bereichern und mit Leben zu erfüllen“, sagt der Vorsitzende des Geschichts- und Kulturvereins Regensburg-Kumpfmühl (GKVR).

Die Profanierung war und ist ein schmerzlicher Eingriff für viele Menschen in Kumpfmühl. Doch das ist eine angemessene und würdige Nachnutzung im früheren Gotteshaus.Hubert Wartner, GKVR-Ehrenvorsitzender

Mindestens einmal im Monat öffnet er daher die Tore zu der breiten hölzernen Freitreppe, die zum kleinen, aber feinen Saal hinaufführt. Da hier nur 30 Plätze zur Verfügung stehen, ist eine rechtzeitige Anmeldung immer nötig – Werbung hingegen fast nie. So war auch der Saisonauftakt am gestrigen Mittwochabend – Bernhard Lübbers stellte seine viel gelobte Regensburg-Biografie vor – ganz selbstverständlich „ausverkauft“.

Die nächsten Termine sind ein Vortrag von Peter Küspert, dem ehemaligen Präsidenten des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, über die 120-jährige Geschichte des Regensburger Justizpalasts (11. März), eine Bilddokumentation über die „Kleine Ukraine“ in der Ganghofersiedlung (25. März), ein literarischer Salettl-Salon zum 100. Geburtstag von Ernst Jandl (29. April) sowie ein Vortrag über den Vitusbach (6. Mai).

Freuen sich auf die Ausstellung in Theresia: Werner Chrobak, Hubert Wartner und Rainer Girg (v. re.) - Foto: Wendl

Die treibende Kraft für die Sanierung des vom Verfall bedrohten Salettls war einst der GKVR-Ehrenvorsitzende Hubert Wartner. Dessen Fokus liegt aktuell auf einem zweiten Kulturort des Stadtteils, der Theresienkirche. „Die Profanierung war und ist ein schmerzlicher Eingriff für viele Menschen in Kumpfmühl“, sagt er. „Doch das ist eine angemessene und würdige Nachnutzung im früheren Gotteshaus.“ Er meint damit die große Werkschau des Wahl-Regensburgers Oleg Kuzenko, die unter dem Titel „Hier wird die Erde rund“ von 1. bis 15. März in Theresia zu sehen sein wird.

Der gebürtige Ukrainer Kuzenko lebt in Kumpfmühl, ist GKVR-Mitglied und hat seit Kurzem sein Atelier in dem einstigen Kirchengebäude.

Bezüge zum Stadtteil, Spuren in der Gesamtstadt

Neben diesem dreifachen Bezug zum Stadtteil hat der Künstler im Lauf seiner Regensburger Jahrzehnte auch das Bild der Gesamtstadt mitgeprägt, man denke nur an die Porträtwand im Jesuitengässchen. Kuzenkos Mentor bei diesem Großprojekt war der frühere Stadtheimatpfleger Werner Chrobak, der neben Initiator Wartner der Kurator der Ausstellung in Theresia ist.

Die Vernissage findet am Sonntag um 11 Uhr statt, mit Musik von Heinz Grobmeier und einem Grußwort der Oberbürgermeisterin. Danach können die Werke täglich von 10 bis 13 und 16 bis 19 Uhr besichtigt werden, der Eintritt ist durch das Engagement der Sponsoren Stadtwerk und Autogruppe Jepsen frei. Am 5. März um 19 Uhr wird zudem Kuzenkos und Chrobaks Buch zur Porträtwand vorgestellt.