„Gschaftiger Schullehrer“ und Regensburger Original: Hubert Wartner wird 80

Von Rainer Wendl · 16. August 2025 um 19:00

Kumpfmühl ist sein Lebensthema, doch auch für Gesamt-Regensburg hat der passionierte Heimatgeschichtler Hubert H. Wartner viel geleistet. Am Montag feiert er seinen 80. Geburtstag.

Wenn er anruft, liegt oft eine Spur Gehetztheit und Dringlichkeit in der Stimme. Das ist natürlich Masche, ganz nach dem Motto: „Du musst jetzt sofort genau zuhören, das ist wichtig!“ Unkundige Gesprächspartner könnte das verstören. Aber wer Hubert H. Wartner kennt, der weiß: Der kann gar nicht anders. Weil er immer so viele Ideen und Projekte gleichzeitig im Kopf hat, muss alles auf einmal raus. Und weil das „Gesicht Kumpfmühls“, so hat ihn die Oberbürgermeisterin mal genannt, am Montag 80 Jahre alt wird, ist dieses hohe Maß an Geistesfrische und Elan einfach nur bewundernswert.

Wie er sich die körperliche Fitness erhält, demonstriert der Gründungs- und Ehrenvorsitzende des Geschichts- und Kulturvereins Regensburg-Kumpfmühl (GKVR) gleich am Beginn des Pressetermins zu seinem Ehrentag: „Im Winter Skifahren auf der Seiser Alm, im Sommer täglich Schwimmen im Garten, ganzjährig drei Stockwerke im Wartner-Haus“, erzählt er und springt dann unvermittelt auf. Von seiner Veranda hastet er runter zum Pool – über eine enge Wendeltreppe, auf der so mancher 40-Jährige ins Schleudern käme. Er muss kurz die Enten-Attrappe wieder in Position bringen, damit ihm die „richtigen“ Enten nicht das schöne Wasser versauen.

Karl Bauer als Mentor

Das besagte Wartner-Haus samt weitläufigem Umgriff ist der Identifikationsort des Jubilars. In vierter Generation lebt er in dem Gebäude, einem der wenigen im Herzen Kumpfmühls, das nach dem verheerenden Luftangriff vom 28. Dezember 1944 übrig geblieben ist. Dieses Datum erwähnt er oft, ein anderes verwendet er gerne als Preisfrage: „Wann wurde Kumpfmühl nach Regensburg eingemeindet? Am 18. August!“ Das geschah zwar schon 1818 und damit 127 Jahre vor Wartners Geburt, aber die Gleichheit von Tag und Monat sieht er als weiteres Puzzlestück seiner Verbindung zum Stadtteil. Mit dem GKVR hat er diese sozusagen institutionalisiert.

„In der Zeit davor haben mich immer wieder Leute darauf angesprochen, dass man doch was für Kumpfmühl tun müsse. Der Verein war die Antwort darauf, denn alleine schafft keiner was“, sagt Wartner. Im Gründungsjahr 2007 wusste zum Beispiel niemand, wie die Sanierung des Gartenhauses im Park des Bürgerheims Kumpfmühl zu schaffen sein soll. Heute ist das Salettl ein Schmuckstück, die Grünanlage heißt inzwischen Karl-Bauer-Park – das sind nur zwei von vielen Aspekten seines Wirkens, auf die Wartner vor seinem Achtzigsten dankbar zurückblickt.

Für manche bin ich nur der gschaftige Schullehrer, der glaubt, dass er alles kann. Aber diese Dinge sind mir tatsächlich wichtig.

Hubert Wartner, GKVR-Ehrenvorsitzender

Was ihm dabei selber auffällt: Erst seit seiner Pensionierung und der ungefähr zeitgleich erfolgten Vereinsgründung hat er so richtig aufs Tempo gedrückt. Als eine der größten Leistungen hebt er seine Rolle als Mitinitiator der Ausstellung „Rudolf Maison – Bildhauer für König, Kaiser und andere kunstliebenden Laien“ hervor, die ab September 2016 ein halbes Jahr lang im Historischen Museum zu sehen war. Info am Rande: Der 1845 in Regensburg-Steinweg geborene Künstlerfürst war mütterlicherseits ein Vorfahr Wartners.

Einen noch engeren Bezug aber hat er zu Karl Bauer. Der Verfasser des Standardwerks zur Regensburger Kunst-, Kultur und Alltagsgeschichte war wie Wartner Lehrer und nahm diesen früh unter seine Fittiche. Dass er 2014 die sechste Auflage des Wälzers aktiv mitgestalten konnte, macht ihn stolz: „Für manche bin ich nur der gschaftige Schullehrer, der glaubt, dass er alles kann. Aber diese Dinge sind mir tatsächlich wichtig.“

Ein bisschen, das räumt er ein, ist er mit diesen Aktivitäten auch aus dem Schatten seines 2005 verstorbenen Vaters herausgetreten. Der hieß ebenfalls Hubert und war als Allgemeinarzt lange vor dem Junior eine Kumpfmühler Institution. Auch der Sohn hat ein paar Semester Medizin studiert. „Aber das war nicht mein Ding.“ Statt dessen hat er den Weg als Pädagoge eingeschlagen und letztlich seine Berufung darin gefunden, Heimatgeschichte lebendig zu halten. Wer sich heute für dieses Thema interessiert, kommt an Wartner nicht vorbei.

Ein Projekt in Berlin

Nur einmal in der Hochphase der letzten beiden Jahrzehnte bekam sein endlos scheinender Schwung einen schweren Dämpfer ab. Im Mai 2018 verlor er seine Gattin Gitta Elfriede nach 46 Jahren Ehe. „,Du brauchst wieder eine Frau', hat sie noch auf dem Sterbebett zu mir gesagt“, erinnert er sich an diese schwere Zeit. Er befolgte diesen Auftrag, fand schnell wieder zu seinem ausgeprägten Selbstbewusstsein und letztlich auch eine neue Lebenspartnerin.

Mit dieser hat er zugleich seinen geografischen Einflussbereich ausgeweitet. Weil Dorothea aus Franken kommt, mischt Wartner jetzt auch bei dortigen Themen mit. Prompt ruft während des Geburtstags-Interviews der Bamberger Statthalter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz an und teilt mit, dass Wartners Einsatz für die Sanierung von Schloss Ebelsbach erste Früchte trägt.

Doch Franken ist nicht genug, im 81. Lebensjahr wird der Jubilar ein Projekt in Berlin forcieren. Er setzt sich dafür ein, dass beim Bode-Museum eine Gedenktafel an ein Ritterstandbild von Kaiser Friedrich III., geschaffen 1904 von Rudolf Maison, errichtet wird. Hubert H. Wartner aus Kumpfmühl wird deshalb gelegentlich auf der Museumsinsel anrufen. Mit einer Spur Gehetztheit und Dringlichkeit in der Stimme.

Stichpunkte zur Person

• Beruf: Hubert Wartner unterrichtete lange Jahre an der Pestalozzi-Schule in Regensburg, zuletzt war er als Konrektor in Niederbayern tätig.

• Auszeichnungen: Die Stadt Regensburg ehrte den Jubilar mit dem Stadtschlüssel und der Albertus-Magnus-Medaille, vom GKVR erhielt er kürzlich den Brunnenpreis.

• Publikationen: Neben regelmäßigen Beiträgen in Fachzeitschriften wie „Die Oberpfalz“,„Aviso“ oder „Schönere Heimat“ ist Wartner Stamm-Autor im „Regensburger Almanach“. Zudem hat er die jährlich erscheinende Schriftenreihe „Der Vitusbach“ des GKVR sowie die Festschrift „Ein Stadtteil schreibt Geschichte“ anlässlich des Jubiläums 1000 Jahre Kumpfmühl initiiert und mitgestaltet.

• Privates: Wartner ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei Söhne – „beide Diplom-Ingenieur Universität“, wie er stolz betont – sowie drei Enkelkinder.