Hubert Wartner hat Kumpfmühl in ganz Regensburg Gewicht verliehen

Beim Geschichts-und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl (GKVR) endet eine Ära: Der Gründungsvorsitzende tritt ab.
„Das Foto machen wir natürlich vorm Salettl.“ Hubert Wartner hat seit jeher klare Vorstellungen davon, wie er Themen platziert und in Szene setzt. Da ist es nur logisch, dass er sich auch die Bebilderung der bevorstehenden „Wachablösung“ im Geschichts- und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl (GKVR) schon vorab ganz genau überlegt hat.
An diesem Donnerstag legt der Gründungsvorsitzende nach fast 16 Jahren sein Amt nieder – und nichts illustriert das erfolgreiche Wirken des Vereins plakativer als das liebevoll sanierte Gartenhaus im Karl-Bauer-Park.
Als der GKVR im September 2007 von Wartner und sieben weiteren Mitgliedern aus der Taufe wurde, war das denkmalgeschützte Salettl eine vergammelte, dem endgültigen Verfall preisgegebene Ruine. Heute dient das für 1,2 Millionen Euro restaurierte und um ein Nebengebäude ergänzte barocke Schmuckstück dem städtischen Gartenamt als Domizil und kann für kulturelle Veranstaltungen gemietet werden.
Ein entscheidender Faktor für die Einleitung dieser wundersamen Wende war das hartnäckige Engagement des damals noch sehr jungen Vereins. „Salettl ist seither mein zweiter Vorname“, sagt Wartner in der für ihn typischen selbstbewussten Art.
„Sein“ GKVR hat sich in den 16 Jahren seit der Gründung ähnlich prächtig entwickelt. Wenn sich Wartner bei der Hauptversammlung am Donnerstag im Hotel Wiendl als Vorsitzender verabschiedet, wird er dies für über 100 Mitglieder tun.
„Es ist Wehmut dabei, aber wirklich nur ein bisschen“, meint er vor dieser Zäsur, die dem 77-Jährigen in erster Linie das gute Gefühl verschafft, beim Abtritt aus der vordersten Reihe ein geordnetes Feld zu hinterlassen.
Ein Verein mit Gewicht
Denn nicht nur mit dem Salettl hat sich der Verein sichtbar gemacht. Die Rettung des historischen „Baumgartner-Hauses“ in der Kumpfmühler Straße, der Gedenkstein für die Opfer der verheerenden Bombardierung Kumpfmühls im Dezember 1944 oder auch die Restaurierung der Statue des Heiligen Wolfgang vor der Pfarrkirche sind weitere steinerne Belege für eine außergewöhnliche Tatkraft.
Nicht minder wichtig sind die vielfältigen kulturellen Akzente sowie die Publikationen. So gilt die seit 2011 vom GKVR herausgegebene Schriftenreihe „Vitusbach“ als exzellente Sammlung von Texten zu Geschichte und Denkmalpflege. Damit haben Wartner und seine Mitstreiter quasi eine eigene Marke geschaffen.
Seine eigenen Ambitionen als Autor lebte und lebt der Gründungsvorsitzende in zahlreichen Beiträgen im Regensburg-Almanach und in Fachzeitschriften aus, beim 2009 erschienen Mammutwerk „Ein Stadtteil schreibt Geschichte“ zur 1000-Jahr-Feier-Kumpfmühls mischte er natürlich auch maßgeblich mit. „Das war eine wichtige Triebfeder zur Weiterentwicklung des Vereins, denn damals waren wir ja noch niemand“, blickt Wartner zurück.
Dieser Status ist längst überwunden. Kraft seiner Mitgliederzahl und seiner vielfältigen Aktivitäten besitzt der GKVR über Kumpfmühl hinaus Gewicht. Das war von Beginn an auch Wartners Anspruch und Ziel. In seiner Schaffensbilanz stellt er daher zwei gesamtstädtische Themen in den Vordergrund:
Dass der „Große Bauer“, das Standardwerk zur Geschichte Regensburgs, 2014 nach 17 Jahren Pause in fünfter Auflage erscheinen konnte, ging wesentlich auf seine Initiative zurück. Gleiches gilt für die vielbeachtete Ausstellung über den Bildhauer Rudolph Maison 2016 im Historischen Museum: Ohne Wartner, einen Nachfahren Maisons, hätte es die Schau nicht gegeben.
Zuständig fürs Welterbe
Diese Beispiele belegen, dass die Unterscheidung zwischen Wartner als Person und dem GKVR als Verein nicht leicht ist. „Der ganze Verein war mein persönliches Anliegen“, sieht er folglich keinen Grund für falsche Bescheidenheit.
Eine Ein-Mann-Show war der GKVR in der Vergangenheit dennoch nicht. Um Wartners designierten Nachfolger Rainer Girg hat sich ein Team herausgebildet, das den Verein kollegial weiterentwickeln will. Eine große Verantwortung hat beispielsweise die städtische Welterbekoordination delegiert: Die Kumpfmühler sollen sich um die bessere Sichtbarmachung „ihres“ Welterbes kümmern. „Die Aufgaben des GKVR werden nicht weniger“, sagt Girg daher.
Wartner freut sich derweil auf eine Zeit mit mehr Freiraum und weniger Organisationsstress. Nutzen will er sie unter anderem für eine Festschrift über Rudolph Maison. Und ganz bestimmt kommen ihm auch weitere Ideen für Kumpfmühl.