Regensburger Porträt-Galerie ist unterfinanziert: Wer will zahlen fürs Malen?

Von Rainer Wendl · 18. August 2024 um 10:00

Erst war er jahrzehntelang verschlossen, nach der Öffnung galt er als Schandfleck und jetzt ist er plötzlich eine Attraktion für Einheimische wie für Touristen.

Diese erstaunliche Wandlung hat der schmale Durchgang zwischen Petersweg und Obermünsterstraße, offiziell Jesuitengässel genannt, hinter sich. Verantwortlich dafür ist der seit 30 Jahren in Regensburg lebende Künstler Oleg Kuzenko.

2019 hat der gebürtige Ukrainer damit begonnen, die mausgraue Mauer zum Bischöflichen Archiv mit Porträts berühmter Regensburger zu bemalen. Er startete am südlichen Eingang der Gasse mit Stadtgründer Marc Aurel, fünf Jahre später und viele Meter nordwärts ist er bei mittlerweile 91 abgebildeten Persönlichkeiten angelangt.

Der frühere Stadtheimatpfleger Werner Chrobak hat das Projekt von Anfang an begleitet und kann sich jeden Tag noch mehr dafür begeistern: „Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal für Regensburg, das gibt es in keiner anderen deutschen Stadt.“

91 Porträts, nur 44 Sponsoren

Er kenne Gästeführer, die mit ihren Gruppen eigens an diesen noch unbekannten Ort gehen. „Das beweist, dass die Idee funktioniert. Die Porträt-Wand ist eine besondere Art, Geschichte lebendig werden zu lassen“, so Chrobak.

Doch seine Freude ist nicht ungetrübt. Bei der Finanzierung der 70 Meter langen Ahnengalerie schaut es nämlich nach wie vor mau aus, nur für 44 der 91 Porträts haben sich bislang Sponsoren gefunden.

Umso mehr freuten sich er und Kuzenko, als sie kürzlich direkt an der Porträtwand einen Scheck von Hubert Wartner entgegennehmen konnten. Der ist nicht nur Ehrenvorsitzender des Geschichts-und Kulturvereins Regensburg-Kumpfmühl (GKVR), sondern auch ein Verwandter des von Kuzenko an der Mauer verewigten Bildhauers Rudolf Maison (1854 bis 1904).

„Mein Urgroßvater war ein Bruder des Vaters von Maison, meine Mutter war eine geborene Maison“, erklärt er den familiären Bezug zu dem Künstler, der im Regensburger Stadtteil Steinweg zur Welt kam und unter anderem den Famabrunnen im Schlosspark Herrenchiemsee und das Kaiser-Friedrich-Denkmal in Berlin schuf.

Als 2016/17 eine große Maison-Ausstellung im Historischen Museum zu sehen war, war dies auch auf Wartners Initiative zurückzuführen – folglich empfand er es nun auch als Ehrensache, auf Chrobaks Anregung hin das Bildnis im Jesuitengässel zu unterstützen.

Er holte einen weiteren, in München lebenden Nachfahren Maisons sowie die Jepsen-Autogruppe als Sponsoren mit ins Boot und versicherte Kuzenko, dieses finanzielle Engagement aus voller Überzeugung eingangen zu sein:

„Du hast damit Regensburg und seinen Bürgern nicht nur ein großes Geschenk gemacht, sondern der an Kunstschätzen wirklich reichen Stadt einen weiteren Kunst-Schatz im Wortsinne hinzugefügt“, lobte er die Porträt-Wand, an der jetzt auch eine Texttafel mit Informationen zu Maison hängt.

110 Bildnisse sollen’s werden

Chrobak wiederum pries die Initiative von Wartner und der Autogruppe Jepsen als vorbildlich und äußerte den Wunsch, dass künftig mehr Gönner diesem Beispiel folgen. Vor allem für Kuzenko wäre diese Anerkennung ein mehr als verdienter Lohn, denn: „Er identifiziert sich als Zugezogener mehr mit der Regensburger Stadtgeschichte als die meisten anderen Künstler.“

Kuzenko selbst nahm diese ganzen Lobeshymnen ruhig und bescheiden zur Kenntnis. So sehr er sich über jedes zusätzliche Sponsoring freut, so sehr ist er auch entschlossen, sein Werk unabhängig vom Geldfluss fortzusetzen. Die Auswahl der Kandidaten für die Porträts von Nummer 92 bis 110 läuft bereits, mit der Umsetzung der ersten Porträts wird bald begonnen. „Die Mauer ist ja noch lang genug“, schmunzelte Kuzenko.