Über Regensburg, mit Liebe: Dieses dicke Werk würdigt die schönste Stadt der Welt

Großer Bahnhof der Regensburger Stadtgesellschaft – und das alles für ein Buch? Tatsächlich nicht für irgendein Buch, sondern für eine Biografie über die Stadt, wie es keine zweite gibt in Deutschland und in Europa: Der Direktor der Staatlichen Bibliothek – Historiker und, man muss es ganz deutlich machen, ein ausgesprochen exzellenter Autor – Bernhard Lübbers stellte seine Stadt-Biografie im Historischen Reichssaal vor.
Vom Schriftsteller Ludwig Börne stamme das Zitat, „dass Geschichte die Biografie der Menschheit ist“, sagte Lübbers in seinem Vortrag aus und über das Buch. „Städte lassen sich an ihrem Gang erkennen wie Menschen“, ergänzte der Autor noch ein Zitat von Robert Musil. Werk ist das nun erschienene Opus keineswegs das erste oder gar einzige seiner Art. Über 38 000 Publikationen über Regensburg will Lübbers bei seinen Recherchen ausgemacht haben, man glaubt es kaum. „Dabei kann ein Mensch in seinem Leben, je nach Schätzung, nur etwa 5000 Bücher lesen“, schmunzelte Lübbers.

Dann las der Historiker aus seinem Buch, erzählte vom alten Römerkastell, also dem dann schon dritten in dieser Gegend, denn das in Kumpfmühl und ein älteres am Arnulfsplatz hatten die Römer schon aufgegeben, als das Castra Regina errichtet wurde. Wie die Agilolfinger in den da schon jahrhundertealten Römermauern ihren Herzogssitz einrichteten, dabei eine Mauer errichteten, die vom Campanile der heutigen Alten Kapelle – „schauen Sie sich das an, am Fundament sieht man noch heute die dicken Legionslagerquader“ – quer durch die heutige Stadt reichte, all das ließ er kurzweilig vor den Gästen im Reichssaal aufscheinen.
Lesung für den guten Zweck
Dass Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer in den Reichssaal lud, sei keineswegs selbstverständlich, verriet sie im Gespräch mit dieser Zeitung. „Buchvorstellungen machen wir hier eigentlich nicht.“ Aber dieses Buch sei nicht nur etwas besonderes, sie wolle es auch lesen, sobald sie mehr Zeit habe und ihre Amtspflicht nicht mehr drückt. Die Lesung am Freitagabend war mit einem Spendenaufruf verbunden, der zu Gunsten der Deutschen Jugendbauhütten erging. Im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres in der Denkmalpflege lernen junge Menschen traditionelle Handwerkstechniken kennen, wenden sie am Originaldenkmal an und vertiefen ihr Wissen in Theorie und Praxis.

Zwei Jugendliche stellten ihre Arbeit für die Organisation vor. Vergangenes Jahr wurde eine historische Kapelle in Regenstauf saniert. Heuer ist es ein Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert. Ramona Riedl schilderte, wie sie im Historischen Museum der Stadt Freiwilligendienst leistet, während der Freiwilligendienstler Simon recht Gen-Z-mäßig vortrug, dass er früher recht gleichgültig durch Städte wie Regensburg gelaufen sei. „Jetzt weiß ich, dass da jeder Stein auch bewegt werden musste“, so der junge Mann.

Zurück zum Buch: Verleger Fritz Pustet schilderte, dass das letzte große historische Werk über Regensburg vom verstorbenen Peter Schmid im Jahr 2001 herausgekommen sei. Als Verleger werde man unruhig und bete jedes Jahr, dass nicht ein anderer Verlag in die Lücke stoße. Seit 2014 hatte er Lübbers wenn nicht bekniet, so dann doch sanft gedrängt, ein Werk vorzulegen. „Dass Lübbers als alleiniger Autor eines Werks mit über 600 Seiten fungiert und nicht, wie es heute üblich ist, auf mehrere Autoren zurückgreift, das ist schon bemerkenswert“, sagte Pustet. Dabei ist sein Verlag selbst ein Stück Stadtgeschichte, denn Friedrich Pustet I. siedelte 1826 von Passau nach Regensburg um.

Kommendes Jahr wird das 200 Jahre her gewesen sein. Dass es in heutigen Zeiten nicht mehr ganz so leicht ist, Bücher an den Mann zu bringen, mag wohl so sein – doch Qualität, Aufwand und Inhalt setzen sich durch. Zudem ist für den Buchhändler Pustet natürlich das Weihnachtsgeschäft immer ein guter Freund. Pustet bemerkte, wie gut sich das Buch unter dem Christbaum machen würde. Schon am Samstag lag es auch aus im Buchhandel in der Gesandtenstraße. Für 49 Euro hat es durchaus seinen Preis.
Geschichte passiert heute
Es ist nicht mit staubtrockener Professoren-Tinte geschrieben, sondern locker und leicht. Lübbers dokumentierte das am Freitag selbst, als er aus dem Kapitel über die Gegenwart las – da fielen Namen wie Zap, Palletti und Cafébar. Lübbers, das ist belegt, hat dafür akribische Eigenrecherchen geleistet.
