Bedürftiger Regensburger Rentner beklagt Groteske um kaputten Aufzug

Der bedürftige Rentner Michael Weigel beklagt den baulichen Zustand der Staatlichen Bibliothek in Regensburg. Wochenlang ist der Aufzug ausgefallen. Das Gebäude ist in erbärmlichem Zustand. Das antworten die Verantwortlichen.
Er ist ein Mann, der nicht nur gerne Zeitungspapier rascheln hört. Michael Weigert hat eine direkte Verbindung zu einem legendären Regensburger MZ-Journalisten: Der Bruder von Karl–Heinz Weigel ist regelmäßiger Leser der Mittelbayerischen, aber auch anderer Blätter wie der SZ und der FAZ. Doch Weigel gehört nicht zu den Menschen, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen: Der studierte Erziehungswissenschaftler arbeitete lange Jahre freiberuflich als Fotograf. Auf das Angebot der Zeitungen in den Bibliotheken greift er gerne zurück.
Doch Weigel hat massive Probleme mit den Beinen. Schon die Treppe vor dem Gebäude der Staatlichen Bibliothek ist für ihn eine Hürde. „Wenn dann wochenlang der Aufzug ausfällt und ich die steile Treppe im Inneren des Gebäudes hochgehen muss, dann ist das eine Qual“, sagt Weigel im Gespräch mit der MZ. Denn der Aufzug fällt immer wieder aus – und wird wochenlang nicht repariert.
Wochenlanges Warten, bis endlich etwas ageschieht
Wie lange, das erfährt die MZ bei einer Anfrage an die Staatlichen Bibliotheken einerseits und an das Staatliche Bauamt andererseits. Letzteres ist für den Erhalt der Gebäude, die im Staatsbesitz sind, zuständig. Doch geantwortet hat nicht das Amt, sondern ein anderer. „Der Aufzug in der Staatlichen Bibliothek Regensburg ist seit mehreren Jahrzehnten im Betrieb und fällt in regelmäßigen Abständen aus“, erklärt Dr. Bernhard Lübbers, Leiter der Staatlichen Bibliothek Regensburg. Er berichtet, dass der Aufzug nach jedem Ausfall umgehend instandgesetzt wird und seit dem 31. Oktober wieder läuft, nachdem er seit dem 25. September außer Betrieb war.
Lübbers räumt ein, dass die Situation alles andere als optimal ist. „Die gegenwärtige Situation für gehbehinderte Menschen und die Mitarbeiter der Staatlichen Bibliothek Regensburg ist leider nicht als befriedigend zu bezeichnen.“ Der Bibliotheksleiter sieht durchaus die Notwendigkeit, dass bald etwas passiert. Immerhin soll auch in absehbarer Zeit etwas passieren, spätestens im Rahmen einer großen Sanierungsmaßnahme. Dann soll auch ein neuer Aufzug in das Gebäude eingebaut werden.
Doch hat der Staat das Geld, das historische Gebäude grundlegend zu sanieren? Aus der Antwort des Bibliotheksleiters könnte man das ablesen. Denn Lübbers teilt mit: „Aufgrund der Tatsache, dass die Störanfälligkeit und Ausfallzeiten des Aufzugs in letzter Zeit sich erheblich gehäuft haben, beabsichtigt das Staatliche Bauamt Regensburg im Rahmen einer separaten Baumaßnahme nach Bereitstellung erforderlicher Haushaltsmittel spätestens im Frühjahr 2026 einen neuen Aufzug einzubauen.“ Und weiter: „Diese Sofortmaßnahme würde die Situation für die Besucher und Mitarbeiter der Staatlichen Bibliothek Regensburg erheblich verbessern“, betont Lübbers.
Er fügt hinzu, dass nach der durchgeführten Sanierung des Gebäudes die Staatliche Bibliothek Regensburg alle Anforderungen an die Barrierefreiheit des öffentlich zugängigen Gebäudes erfüllen soll. Andere historische Gebäude wie etwa das Alte Rathaus haben längst Anbauten, die sich mit dem Denkmalschutz vereinbaren lassen, aber Menschen mit Behinderung einen freien Zugang ermöglichen. Der Anbau des Alten Rathauses befindet sich im sogenannten Fechthof.
„Habe ein kaputtes Knie“
Weigel sagt, dass er ein kaputtes Knie habe und immer wieder unter Schwindel leide. Für ihn sei die Bibliothek aber auch ein Ort, an dem er am sozialen und gesellschaftlichen Leben der Stadt und des Landes teilhaben kann. Dass Journalismus seine Leidenschaft ist, vor allem mit Blick auf das Lokale in Regensburg, hat nicht nur mit seinem Bruder zu tun. Der 74-Jährige hat nicht nur Erziehungswissenschaften studiert, sondern auch den Beruf des Fotografen gelernt. Um seinen Hals hängt eine Leica. Weigel erinnert an eine weitere Legende des journalistischen Regensburg: „Der Reporter Horst Hanske hatte immer eine Leica dabei.“ Doch nicht nur die Lokaljournalisten vergangener Tage zitiert Weigel. Für Menschen wie ihn, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, ist der Zugang zur Bibliothek auch der Zugang zur großen weiten Welt des Geistes.