Dritte Toilette polarisiert weiter, während Regensburgs OB durch Frankreich reist

Von Christian Eckl · 1. November 2025 um 10:00

In Regensburg sorgt nicht nur der fehlende Haushalt für Gesprächsstoff – auch Toilettenfragen, blockierte Straßen und politische Befindlichkeiten erhitzen weiter die Gemüter. Zwischen Haushaltsdebatten, Dienstreisen der obersten Stadtspitze und Demo-Aufrufen fragt sich unser Kolumnist: Wer kümmert sich eigentlich noch ums Wesentliche?

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Erfahrungsgemäß ist das Interesse des Bürgers an Haushaltsaufstellungen relativ gering. Das ist eher ein Ding für die Politiker, die sich gegenseitig angebliche Versäumnisse um die Ohren hauen. Die Angestellten und Beamten in der Stadt schauen da schon genauer hin. Und auch Vereine und Initiativen, die häufig am Tropf der sogenannten Freiwilligen Leistungen hängen. Dass es in Regensburg keinen verabschiedeten Haushalt gibt, ist insofern eher eine Nebensächlichkeit für viele Bürger. Mei, die CSU gegen alle anderen – so stellt sich das ja schon seit einiger Zeit dar.

Bemerkenswert finde ich allerdings, dass sich die Oberbürgermeisterin diese Woche auf eine Dienstfahrt nach Frankreich begeben hatte. Es scheint, sie lässt es gemächlich ausklingen. Ihrem Parteifreund Thomas Burger würde es aber schon helfen, wenn die SPD – formal ist er ja der SPD-Kandidat, auch wenn ihn vielleicht mancher trotz und nicht wegen der Parteizugehörigkeit wählen dürfte – ein paar Stiche im Haushalt machen würde. Aber Solidarität in der SPD ist so eine Sache – Burger hätte es jedenfalls verdient, für sein Engagement auch mal ein wenig Unterstützung von der Amtsinhaberin zu bekommen. Wer weiß, vielleicht sie ja von Frankreich aus das Kaufhof-Gebäude gekauft. Dann wäre wenigstens diese Scharte aus ihrer Amtszeit ausgewetzt. Immerhin: Am Freitag war sie wieder in Regensburg.

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Sauer sind die Grünen auf mich, weil ich vergangene Woche über ihren Antrag zur dritten Toilette geschrieben habe. Mein Argument: Sorgt doch erst einmal dafür, dass man auf die öffentlichen Toiletten überhaupt gehen kann, so wie die aussehen, bevor ihr Euch um die wenigen Menschen kümmert, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen. Oliver Groth, Sprecher der Grünen, ist sauer: „Die Freigabe von Einzeltoiletten für alle löst nicht nur das Problem für einige Menschen, die sich nicht klar einem Geschlecht zuordnen können. Sie verringert auch Wartezeiten und Engpässe für alle, die unsere öffentlichen Toiletten benutzen.“ Die im Text angemahnte Verbesserung des Zustands der Anlagen sei „absolut notwendig und wird von der Stadt auch vorbereitet. Wenn aber eine einfache und günstige Maßnahme für alle sinnvoll ist, sollte die Politik das auch umsetzen, ohne dass erst das andere fertig sein muss.“ Ok, das sehe ich wie er.

Immerhin wird die Toilette am Neupfarrplatz jetzt saniert. Es wird zwei Unisex-Chemietoiletten geben und eine barrierefreie Kabine. Wir werden sehen, ob das Konzept „Unisex“ erfreulicher ist als die Geschlechtertrennung am Lokus.

Anwalt schimpft auf Dauer-Stau wegen Klimaschützern

Der Regensburger Anwalt Bernhard Schmeilzl ist sauer. „Denn da sperrt seit nunmehr gut 18 Monaten (!) jeden Mittwoch um Punkt 17 Uhr ein Polizeistreifenwagen – wie selbstverständlich – das Straßenstück vom Kullman‘s Diner bis zur großen Kreuzung Friedenstraße und Galgenberg, direkt vor dem Cinemaxx.“ Ein Foto zeigt ein paar vermeintliche Umweltschützer. In der Tat haben sie wahrscheinlich durch den aus dem Protest folgenden Stau mehr CO2 verursacht wie ein Diesel-Lkw in zehn Jahren. Aber für viele Menschen heiligt ja der Zweck die Mittel. Und deshalb bin ich mir sicher, dass ich zumindest im Internet wieder mal als angeblich Rechter bezeichnet werde, nur weil ich der Meinung bin: Unglaublich, dass das so seit 18 Monaten alle jene drangsaliert, die eben mit dem Auto nach der Arbeit nur heim wollen. Ich habe mal gelernt, dass die eigene Freiheit dort endet, wo die anderer anfängt.

„Wir sind das Stadtbild“-Demo

Am Samstag wird in Regensburg demonstriert unter dem Motto „Wir sind das Stadtbild.“ Ich begrüße, wenn Menschen Gesicht zeigen. Sie drücken damit aus, dass sie den Satz von Kanzler Friedrich Merz für rassistisch halten. Auch ich wurde in dieser Woche aufgrund der letzten Kolumne im Netz als Rassist bezeichnet, weil ich die Zustände am Bahnhof beschrieben habe. Da schluckt man. Aber vielleicht meinte Merz mit Stadtbild ja die Betonpoller, die es braucht, um Christkindlmärkte zu schützen?

Am Freitag hat die Polizei eine Mitteilung herausgegeben. Zwei Tunesier, 17 und 21 Jahre alt, haben in der Grünanlage bei der Maxstraße einen 27-Jährigen überfallen. Genau solche Leute meinte Merz. Er meinte dabei nicht das Opfer: Der ist, wie so oft bei Opfern von Ausländergewalt, nämlich selbst ein Ausländer. Er kommt aus Äthiopien. Die Polizei hat ihren Job gemacht, die Täter gefasst. Solche Leute brauchen wir nicht. Den Mann aus Äthiopien schützt unsere Polizei vor solchen Tätern wie jeden anderen auch – Gott sei Dank ohne Ansehen der Herkunft. Respekt für die Arbeit unserer Polizei!