Osram-Sparprogramm trifft vor allem Regensburg: So viele Jobs stehen im Feuer

Neue Sparpläne erschüttern den Standort des Halbleiterkonzerns ams Osram in Regensburg. Der Vorstandsvorsitzende erklärt, warum der Stellenabbau vor allem das Oberpfälzer Werk trifft. Inzwischen ist auch klar, wie viele Jobs genau wegfallen könnten.
Wieder ein schwerer Schlag für die Region: Der deutsch-österreichische Halbleiterhersteller ams Osram will weltweit 2000 Jobs streichen, die Hälfte davon in Europa. Besonders betroffen ist das Regensburger Werk. Hier sollen dem Vorstandsvorsitzenden Aldo Kamper zufolge Stellen im „niedrigeren bis mittleren dreistelligen Bereich“ wegfallen. Die Gewerkschaft IG Metall spricht von bis zu 500 Arbeitsplätzen, die an dem Oberpfälzer Standort mit aktuell etwa 2700 Beschäftigten abgebaut werden sollen, und kritisiert die Pläne des Konzerns scharf.
Betroffen von den Streichungen sind sowohl der Entwicklungsbereich als auch die Produktion in Regensburg. Insgesamt sollen mit dem neuen Sparprogramm „Simplify“ – auf deutsch heißt das „vereinfachen“ – weltweit 200 Millionen Euro eingespart werden. Man brauche agile Strukturen und Prozesse, um die Chancen der Zukunft zu nutzen, sagte Kamper. Die Stellenstreichungen seien „notwendig, damit ams Osram dauerhaft wettbewerbsfähig bleibt“.
Regensburger Werk: IG Metall bezeichnet Pläne als „brandgefährlich“
Ganz anderer Meinung ist hier die Arbeitnehmerseite. Olga Redda, 2. Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg und Mitglied des Aufsichtsrats von ams Osram, übt scharfe Kritik am Vorgehen des Konzerns: „Wieder einmal soll die Senkung der Personalkosten herhalten, weil das Management seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Statt eine klare Strategie zu entwickeln, Schulden abzubauen, Aufträge an den Standort zu holen und gute Produkte verlässlich in die Serienproduktion zu bringen, wird bei den Menschen gespart.“ Dass sowohl die Produktion als auch die Entwicklung „massiv betroffen sind, ist brandgefährlich für den gesamten Standort“, sagt die Gewerkschafterin.
Osram-Chef Kamper erklärte am Dienstag, man wolle die Aktivitäten „konsequent dort bündeln“, wo sie am effizientesten sind. Manche Produkte könne man in Asien bis zu 50 Prozent günstiger produzieren, als in Deutschland. Für Regensburg bedeutet das, dass insbesondere die Entwicklung und Fertigung von blauen Chips, die die Grundlage für viele LED-Produkte bilden, nach Malaysia verlagert werden. Diese Technologie habe man seit 20 Jahren in Regensburg, so Kamper. Nun sei es an der Zeit, dort Platz für komplexere Produkte zu schaffen, bei denen – anders als bei den blauen Standardchips – noch viel Entwicklung benötigt werde.
Wie viele Stellen in Regensburg genau abgebaut werden, hängt Kamper zufolge deshalb „wesentlich am Hochlauf dieser neuen, zukunftsträchtigen Themen“. Als Beispiel nennt der Vorstandsvorsitzende, der 1994 seine Karriere bei Osram in Regensburg begonnen hatte, sogenannte Augmented-Reality-Brillen. Digitale Informationen – zum Beispiel Textnachrichten, Bilder oder auch Untertitel, um den eine andere Sprache sprechenden Gesprächspartner zu verstehen – werden hier direkt ins Sichtfeld eingeblendet. „Wir sind sehr optimistisch, dass das ein wichtiges Geschäft wird“, sagte Kamper. Gleichzeitig sei die Technologie aber „hochkomplex“ und deshalb wie gemacht für das Regensburger Werk. „Dort haben wir viele Dekaden an Erfahrung und Expertise.“ Darin würden auch die Kunden einen großen Wert sehen, so der Osram-Chef. Auch beispielsweise intelligente Scheinwerfer für Autos sollen weiterhin in Regensburg entwickelt und in hochautomatisierten Fertigungslinien produziert werden.
Viele sind wütend und verunsichert, weil sie das Gefühl haben, dass ihre Leistung nichts mehr zählt.Irene Weiniger, Betriebsratsvorsitzende bei ams Osram in Regensburg
Er hoffe, bei den Mitarbeitern ein „Grundverständnis“ für die Sparpläne zu kreieren, sagte Kamper im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. Dazu wolle man „transparent, ehrlich und offen“ mit der Belegschaft kommunizieren. Aktuell herrscht unter den Beschäftigten aber wohl eher Verunsicherung. In der Entwicklung und in der Produktion „arbeiten Kolleginnen und Kollegen, die seit Jahren ihr Know how, ihre Erfahrung und ihre Kreativität einbringen“, sagte am Dienstag Irene Weiniger, Betriebsratsvorsitzende von ams Osram in Regensburg. „Viele sind wütend und verunsichert, weil sie das Gefühl haben, dass ihre Leistung nichts mehr zählt.“ Aufsichtsrätin Redda ergänzte: „Wir erwarten vom Unternehmen, dass es endlich gemeinsam mit Betriebsrat und IG Metall eine verlässliche Perspektive für alle Bereiche am Standort erarbeitet – statt die Belegschaft scheibchenweise auszudünnen.“
Ams Osram in Regensburg: „Über die Jahre wichtiges Wissen aufgebaut“
Kamper beteuerte am Dienstag aber erneut die Bedeutung des Regensburger Werks für den Konzern. Es sei der „weltweit wichtigste Innovationsstandort für Emittertechnologien“. Dabei handelt es sich um Halbleiterelemente, die aktiv Licht aussenden – vor allem Leuchtdioden, also LED. „Über Jahrzehnte wurde hier in Regensburg wichtiges Wissen aufgebaut.“
Der angekündigte Stellenabbau bei Osram fügt sich ein in eine Reihe von Hiobsbotschaften der vergangenen Wochen. Zuletzt hatte die Continental-Abspaltung Aumovio mitgeteilt, etwa 100 Jobs in Regensburg zu streichen. Auch die Witt-Gruppe aus Weiden kündigte kürzlich an, über 200 Stellen abzubauen. Zudem steht der Standort von Schnellecke in Wackersdorf (Lkr. Schwandorf) mit 530 Mitarbeitern vor dem Aus. Für das Viskosefaserunternehmen Kelheim Fibres ist das Ende bereits besiegelt. 460 Mitarbeiter erhielten Kündigungen.
Sparprogramm folgt auf Sparprogramm bei ams Osram
• Stellenabbau: Erst im vergangenen Jahr hatte ams Osram in Regensburg etwa 130 Jobs abgebaut. Das entsprechende konzernweite Sparprogramm „Re-establish the Base“ sei mittlerweile abgeschlossen, sagte Vorstandsvorsitzender Aldo Kamper am Dienstag – über ein Jahr früher als geplant.
• Verlust: Mit „Simplify“ folgt nun aber direkt das nächste Sparprogramm, obwohl sich die finanzielle Situation des Konzerns im vergangenen Jahr verbessert hat: Nach einem Rekordverlust von 785 Millionen Euro im Vorjahr, war es 2025 unter dem Strich nur noch ein Minus von 129 Millionen Euro.
• Verkauf: Das Unternehmen leidet aber weiterhin unter hohen Schulden. Um die Last zu verringern, verkauft ams Osram unter anderem sein nicht-optisches Sensorgeschäft an den Halbleiterkonzern Infineon. Osram arbeitet auch weiterhin daran, eine nicht benötigte Fabrik in Malaysia zu verkaufen.