570 Millionen Euro in bar: ams Osram verkauft Geschäftsbereiche an Infineon

Der Verkauf des nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensorgeschäfts von ams Osram an Infineon für 570 Millionen Euro markiert einen strategischen Einschnitt für beide Halbleiterkonzerne – und rückt zugleich die Interessen der Beschäftigten in den Fokus. Die IG Metall Regensburg begleitet die Transaktion nach eigenen Angaben aufmerksam und fordert klare Signale der Verantwortung für Standorte und Arbeitsplätze. Das gilt auch für Regensburg, wo sowohl Infineon als auch ams Osram große Produktions- und Entwicklungsstandorte betreiben.
Mit der Übernahme baut Infineon seine Position im Sensorgeschäft gezielt aus. Das erworbene Portfolio ergänzt das bestehende Angebot in den Bereichen Automotive, Industrie und Medizintechnik. Für das Kalenderjahr 2026 wird ein Umsatz von rund 230 Millionen Euro erwartet. Rund 230 Beschäftigte, vor allem aus Forschung und Entwicklung sowie aus Managementfunktionen, wechseln im Zuge der Transaktion zu Infineon und werden Teil der Geschäftseinheit „Sensor Units & Radio Frequency“. Der Abschluss der Übernahme ist für das zweite Quartal 2026 vorgesehen und steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. 230 Mitarbeiter sollen von Osram zu Infineon wechseln. Das bestätigte der Konzern bei seiner Quartals-Telefonkonferenz am Mittwochmorgen.
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Für ams Osram ist der Verkauf ein Bestandteil des laufenden Entschuldungsprogramms. Der veräußerte Geschäftsbereich erzielte im Jahr 2025 rund 220 Millionen Euro Umsatz sowie etwa 60 Millionen Euro bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Insgesamt bringen die Teilverkäufe dem Konzern rund 670 Millionen Euro ein. Der Pro-forma-Verschuldungsgrad sinkt dadurch von 3,3 auf 2,5. Auch Gesellschaften mit Vermögenswerten von rund 130 Millionen Euro, die bislang als Sicherheiten für Wandelanleihen und Senior Notes dienten, sind Teil der Transaktion. Die Erlöse sollen anteilig für Rückkäufe beziehungsweise Rückzahlungen dieser Finanzinstrumente verwendet werden.
Die IG Metall Regensburg bewertet den Deal differenziert. Rico Irmischer, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg und Mitglied im Aufsichtsrat der Infineon Technologies AG, sieht im Zukauf strategische Chancen: „Der Schritt passt sehr gut ins Portfolio von Infineon. Die technologische Ergänzung ist eindeutig gegeben – und ich bin überzeugt, dass sich daraus Chancen ergeben, die vor allem den Infineon Beschäftigten zugutekommen können. Wenn das Unternehmen die Integration klug gestaltet, kann das langfristig für mehr Arbeitsplatzsicherheit sorgen. Unser Standort in Regensburg ist technologisch hervorragend geeignet, von dieser Erweiterung zu profitieren.“
Für ams Osram verschafft der Verkauf dringend benötigte Liquidität. Das lindert zumindest einen Teil des finanziellen Drucks. Für Regensburg hat der Schritt keine direkten Auswirkungen – für das Unternehmen insgesamt aber selbstverständlich schon, besonders für Premstätten.Olga Redda, IG Metall Regensburg
Aus Sicht des verkaufenden Unternehmens betont die Gewerkschaft vor allem die finanzielle Dimension. Olga Redda, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg und Mitglied im Aufsichtsrat der ams-Osram International GmbH, erklärt: „Für ams Osram verschafft der Verkauf dringend benötigte Liquidität. Das lindert zumindest einen Teil des finanziellen Drucks. Für Regensburg hat der Schritt keine direkten Auswirkungen – für das Unternehmen insgesamt aber selbstverständlich schon, besonders für Premstätten. Dort wird der Verkauf von unseren österreichischen Gewerkschaftskollegen verfolgt, wir achten gemeinsam darauf, dass die Beschäftigten nicht unter die Räder kommen.“
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Beide Gewerkschaftsvertreter machen deutlich, dass sie den weiteren Prozess eng begleiten wollen. In einer gemeinsamen Stellungnahme heißt es: „Wir erwarten von europäischen Unternehmen wie Infineon und ams Osram, dass sie sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind. Wer in dieser Größenordnung handelt, trägt Verantwortung für tausende Menschen. Wir werden sehr genau hinschauen, wie die Unternehmen die nächsten Schritte gestalten – und wir werden uns in unseren Funktionen klar dafür einsetzen, dass die Interessen der Beschäftigten im Mittelpunkt stehen.“
Auch regional hat der Deal Gewicht. Regensburg ist für beide Konzerne ein bedeutender Standort. Zwar umfasst die Übernahme keine Produktionsstätten in Bayern, dennoch dürfte die engere technologische Verzahnung von Infineon und ams Osram die Bedeutung des Standorts weiter unterstreichen.