Was ein Österreich-Deal für ams Osram und Infineon in Regensburg bedeutet

Es bewegt sich was in der Industrie. Das hat breite Auswirkungen auf den Standort Regensburg. Zum einen hängen immer noch tiefdunkle Wolken über dem Autohimmel. Zulieferbetriebe bekommen zunehmend zu spüren, dass die deutschen Autos in großer Konkurrenz etwa zu chinesischen Fabrikaten stehen. Doch auch die Halbleiterbranche ist im Wandel. Seit mehreren Wochen verdichten sich Marktgerüchte, dass der Konzern Infineon einen Teil der Produktionsstätten des Leuchtmittel-Experten ams Osram schlucken will.
Beide Konzerne betreiben große Werke in Regensburg. Was bedeutet ein solcher Deal für die Arbeitsplätze in der Region?
Die Mediengruppe Bayern hat sowohl Infineon als auch ams Osram einen Fragenkatalog geschickt. Infineon gibt sich extrem schmallippig, beantwortet auch die Frage nicht, ob der Standort Regensburg von einem möglichen Kauf von Osram-Produktionsstätten Auswirkungen hätte. Der Konzern antwortete diese Woche nur dies: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns grundsätzlich nicht zu Marktgerüchten äußern.“
ams Osram will die „Basis wieder herstellen“
Die österreichische Firma ams AG hatte den Leuchtmittel-Experten Osram 2020 übernommen. 2021 erfolgte die vollständige Integration und Fusion. Dadurch häufte das Unternehmen aber auch einen riesigen Schuldenberg auf. Zum 30. September 2025 lag die Verschuldung des Konzerns bei etwa zwei Milliarden Euro. Dass ams Osram seither versucht, wieder liquide zu werden, ist bekannt – die Konzernverantwortlichen starteten das Programm „Re-establish the Base“, übersetzt etwa „die Basis wieder herstellen“.
Aufgrund von Marktgerüchten bestätigt die ams-Osram AG, dass sich das Unternehmen in fortgeschrittenen Gesprächen über den Verkauf einzelner Geschäftsaktivitäten der ams-Osram AG unter langfristiger Sicherung des Standorts in Premstätten, Österreich, befindetams Osram in einer Mitteilung an die Medien
Bereits vergangene Woche kommunizierte ams Osram dann auch, dass es Verkaufsverhandlungen für Teile des Geschäfts gibt. „Aufgrund von Marktgerüchten bestätigt die ams-Osram AG, dass sich das Unternehmen in fortgeschrittenen Gesprächen über den Verkauf einzelner Geschäftsaktivitäten der ams-Osram AG unter langfristiger Sicherung des Standorts in Premstätten, Österreich, befindet“, heißt es dazu. 500 Millionen Euro sollen durch den Verkauf flüssig gemacht und zur Schuldentilgung verwendet werden. Dass es sich dabei ausgerechnet um das Werk in Premstätten bei Graz in der Steiermark handeln soll, ist zumindest pikant: Handelte es sich doch um den Hauptsitz des Konzerns ams AG vor der Übernahme und bis heute um den Konzernhauptsitz. Der Co-Hauptsitz indes liegt in München, dem früheren Hauptsitz von Osram. Verschieben sich die Schwerpunkte also wieder in Richtung Deutschland?
Dementsprechend aufgeregt berichten die österreichischen Zeitungen derzeit über die Gerüchte. So schrieb die Krone-Zeitung, das Pendant zur Bild in Österreich, Mitte Januar: „Es droht die ,Aushöhlung‘ des heimischen Werks.“ 1300 Mitarbeiter sind in Premstätten beschäftigt, „doch bei einem Verkauf wäre die Zukunft des Werks langfristig wohl ungewiss“. Der Grund sei, dass Infineon angeblich die Anlagen gar nicht selbst betreiben will, „sondern lediglich Produkte, Prozesse und Kunden kaufen“ möchte. Der Halbleiter-Hersteller sei also an Technologie, Know-how und Patenten interessiert.
Nach Kauf in unausgelastete Infineon-Werke übersiedeln
Dann wird es für den Infineon-Standort Regensburg interessant: So könnte die Produktion laut diesem Bericht in „unausgelastete Infineon-Werke übersiedelt werden“. Da Infineon eine Anfrage nicht beantwortete, auch nicht auf die Frage hin, ob ein solcher Kauf Auswirkungen auf Regensburg hätte, bleibt Spekulation, ob damit auch der Oberpfälzer Standort gemeint sein könnte. Weiter heißt es in dem Bericht aber auch, dass Infineon nicht der einzige Bieter für den zum Verkauf stehenden Geschäftsbereich sein soll.
Was ams Osram indes bestätigt, ist, dass man an die Pensionsrückstellungen für die Mitarbeiter gegangen ist. „Das Unternehmen hat seine Pensionsstrukturen in Deutschland optimiert und dabei einen Ausgleich gefunden zwischen einer zuverlässigen Absicherung der Ansprüche der Versorgungsberechtigten und einer möglichst geringen Bindung von Mitteln für diesen Zweck“, heißt es in einer Antwort von ams Osram auf eine Mediengruppen-Anfrage. Und weiter: „Dabei wurde der Schutz der Versorgungsberechtigten insgesamt verbessert. Mit der optimierten Konstruktion sind die Pensionen zum Beispiel besser gegen Inflation abgesichert. Die Anpassungen wurden im Einvernehmen mit dem Betriebsrat vorgenommen.“
Fabrik in Kulim ist immer noch nicht verkauft
Nachdem ein wichtiger Kunde in Sachen OLED-Produktion von der Stange gegangen war – die Rede war von Apple, bestätigt ist das nicht – steht eine in Malaysia gebaute Fabrik leer. Wie geht es weiter mit der Fabrik in Kulim? ams Osram antwortet auf die Frage so: „Wir sind weiterhin im Gespräch mit interessierten Parteien, jedoch wird es angesichts des aktuellen Halbleiterzyklus leider, wie schon angekündigt, noch etwas dauern, bis wir zu einem Ergebnis kommen.“
Info-Box: Von Interesse für Infineon
Profitabel: Das Interesse von Infineon an profitablen Geschäftsbereichen bei ams Osram soll sich laut Spekulationen auf die Medizin- und Industriesparte konzentrieren. Eine Einigung erwarten Marktbeobachter für Februar. Infineon plane, durch einen solchen Zukauf zusätzliche Technologiekompetenz in profitablen Spezialanwendungen zu erlangen.
Daten: Zudem ist Infineon an einer Initiative japanischer Autohersteller wie Toyota beteiligt, die durch Sensordaten aus Fahrzeugen, Frühwarninformationen zu Lieferengpässen und Produktprognosen die Lieferketten weiter optimieren wollen. Die Börse goutierte diese Nachrichten: Infineon legte im Handel innerhalb eines Monats um über 15 Prozent zu.