Schnellecke-Standort in Wackersdorf droht das Aus: 530 Jobs stehen im Feuer

Das Jahr ist noch gar nicht alt und schon gibt es eine erste Hiobsbotschaft aus der Wirtschaft im Landkreis Schwandorf. Die Firma Schnellecke in Wackersdorf steht offenbar vor dem Aus. Es geht um nicht weniger als 530 Jobs.
Seit 2016 arbeitet das weltweit tätige Familienunternehmen mit Hauptsitz in Wolfsburg unter anderem als Verpackungslogistiker für BMW. 2020 hatte der Autobauer der Firma die gesamte Verpackungslogistik für das BMW-Werk in Wackersdorf übertragen. Das war damals eine durchaus überraschende Entscheidung. Wie die IG Metall seinerzeit in einer Pressemitteilung schilderte, sei zwar lange klar gewesen, dass BMW die sogenannte Kontraktlogistik nicht mehr an zwei Anbieter vergeben wird, sondern nur noch an einen.
Doch am Ende machte nicht der Bremer Dienstleister BLG, der seit 2012 Autoteile aus dem Wackersdorfer BMW-Werk für Übersee verpackt und versendet hatte, das Rennen, sondern die kleinere Firma Schnellecke. Seitdem arbeitet diese am Standort Wackersdorf als Kontraktlogistiker nur für einen großen Kunden: BMW. Zu den Kernaufgaben zählen seither die Konsolidierung, Verpackung und Containerisierung von Kleinst-, Klein- und Großteilen einzelner Fahrzeugmodelle, die in ausländischen BMW-Werken weiterverarbeitet werden.
BMW baut Logistikzentrum im tschechischen Osten
Doch das soll sich bald ändern. Wie die MZ aus gut informierten Quellen erfahren hat, kehrt der bayerische Automobilriese seinem Logistiker in Wackersdorf wohl den Rücken. Damit verliert die Schnellecke Logistics Verpackung GmbH mit seinen 530 Mitarbeitern am Standort den einzigen Auftraggeber und steht damit unweigerlich vor dem Aus.
Dasselbe Schicksal hatte seinerzeit auch BLG im Jahr 2020 ereilt. Damals hatte Schnellecke aber 99 Prozent der Mitarbeiter übernommen, um die enormen Kapazitäten zu stemmen. Auf ein ähnliches Prozedere können die 530 Angestellten in Wackersdorf nun aber wohl nicht hoffen. Denn wie mehrere Mitarbeiter, die alle anonym bleiben möchten, auf Nachfrage der MZ schildern, endet der Vertrag mit BMW zum 28. Februar 2027.

Eine Verlängerung sei nicht geplant, denn parallel baut der Automobilkonzern ein neues Logistikzentrum im tschechischen Ostrava. Wie mehrere tschechische Medien übereinstimmend berichten, schafft BMW im strukturschwachen tschechischen Osten etwa 1000 neue Arbeitsplätze.
Die Mitarbeiter am Schnellecke Standort seien bei einer Betriebsversammlung über die Pläne informiert worden. Die erste Kündigungswelle soll im Juli 2026 anrollen. Bis 28. Februar 2027, so heißt es aus Firmenkreisen, sollen alle 530 Stellen abgebaut werden.
Mit dem Auslaufen des Vertrags zwischen Schnellecke und BMW verlieren 530 Menschen ihren Arbeitsplatz – viele von ihnen standen jahrelang in einem System, das ihnen Unsicherheit statt Perspektive geboten hat.Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg
Auch Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Regensburg, ist über die aktuellen Entwicklungen am Schnellecke-Standort in Wackersdorf informiert. „Die IG Metall Regensburg kritisiert die angekündigte Schließung des Schnellecke-Standorts in Wackersdorf zum 28. Februar 2027 scharf. Mit dem Auslaufen des Vertrags zwischen Schnellecke und BMW verlieren 530 Menschen ihren Arbeitsplatz – viele von ihnen standen jahrelang in einem System, das ihnen Unsicherheit statt Perspektive geboten hat“, sagt Irmischer.
Denn die Kontraktlogistik sei eine spezielle Branche. Neben der ständigen Existenzunsicherheit verdienten die Arbeiter im Schnitt etwa 23 Prozent weniger als vergleichbare Kollegen in der Metall- und Elektroindustrie. „Meistens haben sie schlechtere Arbeitsbedingungen – und stehen nach Vertragsende oft ohne Job da“, so Irmischer.
Gewerkschaft fordert ein vielseitiges Maßnahmenpaket
Nach Ansicht der IG Metall sei klar, dass Schnellecke die Risiken des auslaufenden BMW-Vertrags seit Langem gekannt habe und frühzeitig hätte vorsorgen müssen. „Schnellecke ist lange im Geschäft und kennt das Modell. Sie müssen ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden und sich auf so eine Situation vorbereiten. Da reicht es nicht, mit dem Finger auf BMW zu zeigen. Nun stehen 530 Menschen ohne Perspektive da – und das ist nicht akzeptabel“, so Irmischer weiter.
Die Gewerkschaft fordert deshalb ein umfassendes Maßnahmenpaket, wie die Einrichtung einer Transfergesellschaft mit ausreichender Laufzeit, Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote, angemessene Abfindungen sowie individuelle Beratungs- und Unterstützungsangebote.
Irmischer zeigte sich indes überrascht, dass der Betriebsrat von Schnellecke wohl ohne Unterstützung der IG Metall in die Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite gehen möchte. „Wir respektieren diese Entscheidung, auch wenn wir überzeugt sind, dass wir gemeinsam mehr für die Beschäftigten erreichen könnten. Unser Angebot steht weiterhin – jederzeit, falls der Betriebsrat seine Haltung ändert“, so der Gewerkschafter.
Keine konkreten Aussagen von Schnellecke und BMW
Unterstützung signalisiert auch Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter (CSU): „Wir sind uns der Situation der Schnellecke-Belegschaft bewusst. Die Gemeinde Wackersdorf und ich persönlich setzen uns mit aller Kraft für den Erhalt und die Kompensation der Arbeitsplätze am Standort Wackersdorf ein.“
Sowohl BMW als auch Schnellecke hüllen sich dagegen in Schweigen. Zwar wurde seitens BMW der Bau des Logistikwerks in Ostrava auf Nachfrage bestätigt. Ansonsten ließ der Konzern aber alle Rückfragen, auch zu den Auswirkungen auf seinen langjährigen Logistikpartner in Wackersdorf, unbeantwortet. Die Konzernpressestelle teilte lediglich folgendes mit: „Grundsätzlich stehen die Automobilbranche und deren Zulieferunternehmen in einem starken internationalen Wettbewerb. Diesem Wettbewerb müssen sich OEMs und Zuliefererunternehmen in gleichem Maße stellen, um wettbewerbsfähig zu sein. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns nicht im Detail zur Geschäftstätigkeit unserer Zulieferer äußern.“
Schnellecke verweist in seinem Statement auf „vertraglich vereinbarte Vertraulichkeitsverpflichtungen“ gegenüber dem Kunden BMW, an die man gebunden sei. Deshalb könne man keine weiteren Aussagen zur Sache treffen.