Benteler in Schwandorf: Rund 80 Mitarbeiter müssen gehen – IG Metall übt Kritik

Von Philipp Breu · 1. Januar 2026 um 19:00

Nun ist es amtlich: Der Automobilzulieferer Benteler entlässt am Standort Schwandorf etwa 80 Mitarbeiter. Dabei fährt das Unternehmen offenbar einen harten Kurs. Die Gewerkschaft ist bestürzt.

Anfang November war bekannt geworden, dass der Autozulieferer – der unter anderem Komponenten und Module für Fahrwerke, Karosserien, Motor- und Abgassysteme sowie Batteriespeichersysteme für Elektrofahrzeuge produziert – einen größeren Stellenabbau in Schwandorf plant.

Umgehend wurde hinter den Kulissen über die Rahmenbedingungen verhandelt. Eine Einigung schien aber bereits von Anfang an in weiter Ferne zu sein. Letztendlich war eine unabhängige Schlichtungsinstanz nötig, wie Rico Irmischer, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg, nun auf Nachfrage der MZ schildert. Diese wird einberufen, wenn sich die Parteien partout nicht einigen können.

Gewerkschafter mit Ergebnis der Verhandlungen nicht zufrieden

„Der Arbeitgeber fährt einen harten Kurs. Das kennen wir so aus anderen Betrieben nicht“, kommentiert Irmischer. Mit dem Ergebnis der Verhandlungen ist der Gewerkschafter nicht zufrieden.

Zwar konnte der Stellenabbau etwas abgefedert werden. Denn anfangs war gar von 122 Arbeitsplätzen die Rede, die gestrichen werden sollen. Nun sind es etwa 80. Doch mehr war eigentlich nicht zu machen. Dabei waren die Arbeitnehmervertreter mit klaren Forderungen ins Rennen gegangen.

Die IG Metall und der Betriebsrat vor Ort hätten unter anderem ein Freiwilligenprogramm gefordert, mit zusätzlichen Ausgleichszahlungen für diejenigen, die gehen wollen. Dazu sei Benteler aber nicht bereit gewesen. Stattdessen sei die Unternehmensführung anders vorgegangen: Sie habe auf die sogenannte Sozialauswahl gesetzt.

Es wird wohl vor allem die jungen Beschäftigten treffen

Das bedeutet, dass verschiedene Faktoren darüber entscheiden, wer gehen muss und wer nicht. Dazu zählen Alter, Betriebszugehörigkeit, Kinder oder der Grad der Behinderung. „Das führt unweigerlich zu dem Effekt, dass vor allem junge Beschäftigte das Unternehmen verlassen müssen. Ob das immer so günstig für einen Betrieb ist, ist fraglich. Da geht auch Innovation verloren“, kritisiert Irmischer. Dem gegenüber stünden Angestellte, die älter sind, und sich bei einer adäquaten Abfindung durchaus hätten vorstellen können, früher zu gehen.

Dass kein Freiwilligenprogramm angeboten wurde, will Benteler auf Nachfrage so nicht stehen lassen. Man habe von Arbeitgeberseite sehr wohl ein entsprechendes Angebot gemacht, dies sei aber nicht angenommen worden. Letztendlich habe man sich gemeinsam auf einen Interessenausgleich sowie einen Sozialplan einigen können. Ein Sprecher des Unternehmens betont zudem: „Beide Maßnahmen stellen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine faire Lösung dar und berücksichtigen gleichzeitig die herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.“

Auslastung des Schwandorfer Werks liegt unter den Erwartungen

Dass solche drastischen Maßnahmen überhaupt nötig wurden, begründet das Unternehmen mit der wirtschaftlichen Lage. Die Auslastung des Werks in Schwandorf würde seit längerem unter den Erwartungen liegen. Hier werden vor allem Komponenten für E-Fahrzeuge, beispielsweise Batteriewannen, produziert. „Diese werden aktuell aufgrund der bestehenden Unsicherheit und der langsameren Entwicklung der E-Mobilität in geringeren Volumina abgerufen als geplant“, erklärt der Sprecher von Benteler dazu.

Beide Maßnahmen stellen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine faire Lösung dar.“Ein Unternehmenssprecher von Benteler

Das Werk im Schwandorfer Süden war jahrelang einer der Vorzeigestandorte innerhalb des Unternehmens. Nach und nach wurden die Produktionsflächen an der Bellstraße stark erweitert. Das Werk in Schwandorf zählt auch nach wie vor zu den modernsten Produktionsstandorten des Konzerns „und hat eine hohe Bedeutung für unseren globalen Footprint“, erklärt der Unternehmenssprecher. Man setze sich daher mit voller Kraft dafür ein, die Auslastung im Werk wieder zu erhöhen.

Der Benteler-Standort in Schwandorf wurde 1989 gegründet, ein Jahr später war Produktionsstart. Heute zählt Benteler mit seinen noch rund 600 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern in der Großen Kreisstadt. Anfang Januar werden nun die ersten Kündigungen ausgesprochen.

Die Enttäuschung überwiegt

Das Unternehmen beteuert, es sei von Anfang an Ziel gewesen, im Dialog mit den Arbeitnehmervertretern „gemeinsam den bestmöglichen Umsetzungsweg zu finden“. Das sei nach „intensiven Gesprächen und Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten erfolgreich gelungen“, erklärt der Benteler-Sprecher.

Weniger harmonisch äußert sich Gewerkschafter Irmischer abschließend. Man sei grundsätzlich enttäuscht über Arbeitgeber in der Region, „die in guten Zeiten Stellen aufbauen, viel von den Mitarbeitern verlangen, und dann so mit ihnen umgehen, wenn es schlecht läuft“. Das würde sich die Belegschaft auch merken, wenn wieder gute Zeiten kämen, mahnt Irmischer.