Arbeitsmarkt in der Oberpfalz unter Druck: So blicken Experten auf 2025

Von Franziska Mahler, Lorenz Nix · 23. Dezember 2025 um 15:07

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist angespannt. Zwar stehen die Oberpfalz und der Landkreis Kelheim im Vergleich noch gut da, doch auch hier wächst die Unsicherheit – vor allem in der Automobilindustrie. Es gibt aber auch Lichtblicke.

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Das Jahr 2025 war „kein einfaches für den Arbeitsmarkt“, bilanziert Fred Gaida, Chef der Regensburger Arbeitsagentur, die für Stadt und Landkreis Regensburg sowie die Landkreise Neumarkt und Kelheim zuständig ist. Es sei geprägt gewesen von einer schwachen Konjunktur, einem gedämpfen Konsumverhalten und auch die US-Zölle sowie internationale Krisenherde hätten Einfluss auf die exportabhängige Region genommen.

Besonders deutlich wird das, wenn man einen Blick auf die Entwicklungen in der Automobilindustrie wirft: Nachdem 2024 unter anderem den Regensburger Belegschaften der großen Zulieferer Schaeffler und Continental – heute Aumovio – Stellenabbau verkündet wurde, standen in diesem Jahr eher Standorte außerhalb der Bezirkshauptstadt im Fokus. So will der Sitzhersteller Grammer aus der Firmenzentrale in Ursensollen im Kreis Amberg-Sulzbach etwa 100 Jobs nach China verlagern. Die Abbaupläne in der Region sind Teil eines Restrukturierungsprogramms, das notwendig geworden ist, nachdem der Zulieferer 2024 ins Straucheln gekommen war.

Jobabbau bei Benteler in Schwandorf

Die jüngste Hiobsbotschaft kam im November aus Schwandorf. Benteler will dort etwa 120 Stellen streichen. Das Werk produziert vor allem Komponenten für Elektrofahrzeuge. Letztere stehen auch bei Webasto in Schierling im Landkreis Regensburg im Fokus. Dort fertigt das Unternehmen aus Stockdorf bei München Batteriesysteme für Nutzfahrzeuge. Im Frühjahr blieb das Werk noch von einem großen Stellenabbau bei dem Zulieferer verschont, im Herbst traf es dann aber auch die Oberpfalz. Allerdings sollten von den insgesamt etwa 350 Jobs in Schierling nur zwei wegfallen.

Das sind nur einige Beispiele. Generell hatte es das verarbeitende Gewerbe heuer nicht leicht, sagt Gaida. Genauso die Bereiche Handel und Kfz-Dienstleistung. Überall habe es Beschäftigungsrückgänge gegeben.

Siegfried Bäumler verweist als Chef der Schwandorfer Agentur, die die Landkreise Schwandorf, Cham und Amberg-Sulzbach sowie die Stadt Amberg betreut, besonders auf die Stahl- und Metallindustrie sowie Maschinenbauhersteller, die 2025 massiv unter Druck standen. „Das lag an der allgemeinen konjunkturellen Lage, teils an den hohen Energiepreisen und der weltwirtschaftlichen Lage. Einige Betriebe mussten Insolvenz anmelden oder ganz schließen.“ Dennoch ist die Lage in der Oberpfalz nicht so prekär wie in anderen Teilen Bayerns und Deutschlands. Zwar ist die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf gestiegen – im November lag die Quote im Regierungsbezirk zum Beispiel bei 3,6 Prozent (Vorjahr: 3,4). Aber die Stärke des regionalen Arbeitsmarkts ist Bäumler und Gaida zufolge der gute Branchenmix. „Dies bietet Stabilität und gleicht kleinere Schwankungen aus“, so Bäumler.

IG-Metall-Chef Irmischer: Jahr war „sehr anspruchsvoll“

Rico Irmischer, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Regensburg, hat das Jahr als „sehr anspruchsvoll und sehr gespalten“ erlebt. Einerseits treffe viele Arbeitnehmer die Schwäche der Automobilindustrie – andererseits überschlagen sich bei Firmen wie der Maschinenfabrik Reinhausen oder Krones die positiven Meldungen, so Irmischer. „Es ist unheimlich ambivalent.“

Größte Sorgenkinder in der Region seien aber die Zuliefererbetriebe. Um die Lage zu verbessern, fordert Irmischer politische Rahmenbedingungen, „die besser sind als das, was wir jetzt haben“. Im September erst hatte die IG Metall gemeinsam mit dem Verband der Automobilindustrie (VDA) das Verbrenner-Aus ab 2035 in Frage gestellt. Nicht, weil man an eine dauerhafte Zukunft des Verbrenners glaube. Vielmehr sollte die Geschwindigkeit der Umstellung angepasst werden, um Arbeitsplätze zu sichern.

Tatsächlich hat die EU-Kommission Autoherstellern nun Spielraum gewährt, indem sie vorschlägt, den CO2-Ausstoß von Neuwägen statt um 100 Prozent ab 2035 um 90 Prozent im Vergleich zu 2021 zu senken. Irmischer lobt diese Entscheidung – dem VDA allerdings geht sie nicht weit genug.

Arbeitsmarkt in der Oberpfalz: Bessere Lage beim Bau

In anderen Branchen macht sich derweil etwas Optimismus breit. Laut Bäumler ist zum Beispiel die Nachfrage bei Baubetrieben wieder gestiegen, weil sich die Baukosten stabilisiert und die Finanzierungssituation verbessert haben. Deshalb werde auch wieder mehr Personal gesucht. Gaida verweist außerdem auf das Gesundheitswesen und die Bereiche Verkehr, Logistik sowie die öffentliche Verwaltung. 2026 werde außerdem der Bedarf im Gastgewerbe und im Verkauf zunehmen.

Dennoch sind sich Bäumler und Gaida einig, dass die nächsten Jahre für Arbeitnehmer und -geber unter anderem wegen der fortschreitenden Digitalisierung eine Herausforderung werden. „Arbeitsplätze werden sich verändern. Qualifizierung oder auch Neuorientierung wird die Arbeitswelt der Zukunft prägen“, sagt Bäumler. Gaida betont: „Allen Akteuren am Arbeitsmarkt bieten die Veränderungen auch Chancen.“