Umsatz fast verdoppelt: Regensburger Unternehmen schreibt Erfolgsgeschichte – Chef dennoch besorgt

Bei der Maschinenfabrik Reinhausen (MR) aus Regensburg läuft es dank der Energiewende rund. Gegenüber der Mediengruppe Bayern hat Dr. Nicloas Maier-Scheubeck, Sprecher der Geschäftsführung, auf 2025 zurückgeblickt. Der MR-Chef sieht gravierende Standortnachteile für Deutschland.
Viele Städte beneiden Regensburg um ein solches Unternehmen: Die Maschinenfabrik Reinhausen ist einer der erfolgreichsten Global Player Ostbayerns. Aus einem kleinen Reparatur- und Maschinenbaubetrieb des 19. Jahrhunderts wurde über Generationen ein weltweit führender Spezialist für Laststufenschalter und Hochspannungstechnik. Und in dem Bereich gilt „Made in Germany“ noch etwas – das Unternehmen profitiert von der Energiewende, die sich auf der ganzen Welt vollzieht. Einer, der durchaus kritisch auf die Entwicklungen in Deutschland und in der Weltwirtschaft blickt, ist demnach auch Dr. Nicolas Maier-Scheubeck, Sprecher der Geschäftsführung bei MR. Zum Jahresende haben wir ihn gefragt, welche Herausforderungen er heuer gesehen hat – und was kommt.
„De-Globalisierung, Destabilisierung, Demographie, Dekarbonisierung und Digitalisierung – das sind die fünf großen Megatrends, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen“, sagt Maier-Scheubeck. Jeder dieser Einflüsse könne sich auf das Geschäft der Maschinenfabrik Reinhausen (MR) entweder förderlich oder schädlich auswirken. Ziel sei es daher, sich bestmöglich auf diese Entwicklungen einzustellen. MR „wolle von diesen Megatrends eher profitieren, denn darunter leiden“.
Ausbau der Netze für Maschinenfabrik Reinhausen „zentrale Chance“
Ein Bereich, in dem sich das bereits heute zeige, sei die weltweite Energiewende. „Zur Begrenzung der Erderwärmung hat sich die Politik auf die Dekarbonisierung geeinigt“, erklärt der Geschäftsführer. Fossile Energieträger würden schrittweise durch nicht-fossile ersetzt, bislang mit Öl oder Gas betriebene Prozesse würden elektrifiziert. „Hierzu müssen die Übertragungs- und vor allem auch die Verteilungsnetze nachgerüstet und ausgebaut werden.“ Für MR sei das eine zentrale Chance. „Als Lieferant von Steuer- und Regelungstechnik für elektrische Netze profitieren wir von der weltweit kräftig gestiegenen Nachfrage.“
Doch nicht alles sei so positiv. Im internationalen Vergleich sieht Maier-Scheubeck gravierende Standortnachteile für Deutschland. „Verglichen mit unseren Standorten in China und den USA ist hier in Deutschland alles wesentlich teurer sowie dramatisch komplizierter und langsamer“, sagt er. Und fügt hinzu: „Das betrifft nicht nur die Regulierung, sondern vor allem die uns innewohnende Denkhaltung.“ Er kritisiert: „Wir halten an überkommenen Prinzipien fest, kennen keine Experimentierklausel, sehen immer erst die Risiken, wollen uns bereits kurzfristig gegen alle Fährnisse absichern und lassen dabei die langfristigen Potenziale liegen.“

Trotz dieser strukturellen Herausforderungen fällt die Bilanz für das Jahr 2025 positiv aus. „Wir haben eine tolle Belegschaft, arbeiten mit hervorragenden Prozessen und Systemen und bieten unseren Kunden zukunftsträchtige Lösungen“, so Maier-Scheubeck. Entsprechend sei es gelungen, die Ausbringung noch einmal massiv zu steigern. „Der Umsatz hat sich in den zurückliegenden vier Jahren nahezu verdoppelt, weltweit arbeiten nun 5500 Mitarbeiter an 60 Standorten im Reinhausen-Konzern.“
Für das kommende Jahr hat sich das Unternehmen viel vorgenommen. „Wir wollen den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen und unsere Marktposition als Innovations- und Qualitätsführer weiter ausbauen“, sagt Maier-Scheubeck. Doch Wachstum um jeden Preis sei nicht das Ziel. „Dazu gehört auch, dass wir im Wachstum darauf achten, uns nicht zu verzetteln.“ Um das zu erreichen, habe man ein umfassendes Programm aufgelegt. „Deshalb haben wir in unserem Kerngeschäft das größte Investitions- und Qualifizierungsprogramm der Unternehmensgeschichte gestartet.“ Das betreffe nicht nur internationale Niederlassungen, sondern auch die Zentrale in der Oberpfalz. „Hiervon profitieren viele Auslandsstandorte, aber auch der Standort Regensburg, wie die enorme Bautätigkeit in Hasl-bach belegt.“
Maier-Scheubeck fordert Beschleunigung: „Müssen schneller werden“
Im letzten Teil des Gesprächs wird Maier-Scheubeck grundsätzlich. Seine Erwartungen für 2026 richten sich nicht nur an das eigene Unternehmen, sondern auch an Politik, Medien und Gesellschaft. Die Koalition bekommt dabei kein gutes Zeugnis. „Der Koalitionsvertrag ist ein Nebeneinander des Unvereinbaren“, stellt er nüchtern fest. Kein Wunder also, dass die Regierung bislang auch keine Wachstumsimpulse habe setzen können.
Mit Blick auf die globale Lage mahnt er mehr strategische Tiefe an. „Angesichts der gewandelten US-Politik sowie der enormen Geschwindigkeit Chinas sollten wir uns am Hintergründigen orientieren.“ Dazu gehöre auch ein neues Verständnis von Wahrheit. „Wir müssen wieder lernen, dass es nicht die eine Wahrheit gibt, sondern sehr oft mindestens zwei völlig gleichberechtigte Sichten.“ Sein wichtigster Appell aber ist ein Appell zur Beschleunigung. „Vor allem müssen wir viel schneller werden. Damit wäre für den Frieden der Welt und die Sicherung unseres Wohlstands schon viel gewonnen.“
Hintergrund: Ein deutsches Wirtschaftswunder
Die Maschinenfabrik Reinhausen mit Sitz im Regensburger Stadtteil Reinhausen ist aus einem kleinen Reparaturbetrieb für Voll- und Spaltgattersägen hervorgegangen, der 1868 in Sallern gegründet und 1891 von Carl und Katharina Dänner übernommen wurde. Nach dem Einstieg von Therese und Andreas Scheubeck, einem Spezialisten für Holzbearbeitungsmaschinen, wurde das Unternehmen 1901 in Maschinenfabrik Reinhausen Andreas Scheubeck umfirmiert und entwickelte sich zu einem regional bedeutsamen Maschinenbauer.
Heute gilt die Maschinenfabrik Reinhausen als einer der weltweit führenden Anbieter in der elektrischen Energietechnik: Mit 5500 Mitarbeitenden weltweit, 60 Standorten in 28 Ländern ist das Unternehmen in Nischen wie Transformatorregelung, Laststufenschaltern, Reaktorschaltern und Power-Quality-Lösungen vertreten. Noch immer mehrheitlich in Familienhand, versteht sich MR als „Power behind Power“ und sorgt mit seinen Produkten dafür, dass Stromnetze weltweit effizient, stabil und zuverlässig betrieben werden können.