Wackersdorfs neuer BMW-Chef Stefan Betz zieht Zwischenbilanz – Fokus auf E-Mobilität

Von Philipp Breu · 3. Oktober 2025 um 05:00

Einer der größten Arbeitgeber im Landkreis Schwandorf hat wieder einen neuen Chef. Seit 1. Juli leitet Stefan Betz die Geschicke des BMW Group Werks in Wackersdorf. Drei Monate später zieht der 47-Jährige im MZ-Interview eine erste Zwischenbilanz, spricht über die Herausforderungen in der Automobilbranche und verrät, mit welchem Auto der Standortleiter täglich zur Arbeit kommt.

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Herr Betz, im Juli diesen Jahres haben Sie die Nachfolge von Christoph Peters als Leiter des BMW Group Werks in Wackersdorf übernommen. Das sind durchaus große Fußstapfen, in die Sie da getreten sind. Wie kam es dazu?

Stefan Betz: Ich bin ausgebildeter Wirtschaftsingenieur und habe zeitnah nach dem Studium bei BMW begonnen. Meine ersten Schritte habe ich sogar am Standort in Wackersdorf gemacht. Meine Festanstellung hat sich am Mittwoch zum 22. Mal gejährt. Ich bin also das, was man als BMW-Eigengewächs bezeichnen kann.

Ich war in meiner Karriere in verschiedenen Funktionen an verschiedenen BMW-Standorten tätig - von der Produktion über die Logistik bis zur IT. Seit 2022 verantworte ich am Standort Wackersdorf die internationale Werke-Versorgung. Am 1. Juli habe ich dann zusätzlich die Standortleitung übernommen. Ich komme selbst aus der Region und freue mich, dass mir dieser neue, verantwortungsvolle Posten übertragen wurde.

Was gefällt Ihnen am Standort Wackersdorf besonders?

Betz: Das Werk Wackersdorf hat einen ganz besonderen Spirit. Das zeigt sich durch die Flexibilität und die Vielfalt. Unsere Mitarbeitenden sind am Standort stark verwurzelt und in der Region angekommen. Unsere Produkte gehen ins gesamte Produktionsnetzwerk der BMW Group. Und ich bin stolz, ein Teil dieses Teams zu sein.

Haben Sie auch schon Stellschrauben gefunden, an denen Sie künftig gerne drehen möchten?

Betz: Mein Vorgänger Christoph Peters hat in den vergangenen drei Jahren eine hervorragende Arbeit geleistet und bereits entscheidende Weichen für die Zukunft des BMW Group Standorts Wackersdorf gestellt: Mit seinen vier Säulen – der Auslandsversorgung für unsere Überseewerke, der Cockpitfertigung, der Türenfertigung für Rolls-Royce und dem neuen Batterietestzentrum – ist der Standort hervorragend für die Zukunft gerüstet.

Die exklusive Türen-Fertigung für die Luxus-Konzernmarke Rolls-Royce haben Sie gerade angerissen. Dieser Schritt hat sich bisher also gelohnt?

Betz: Definitiv. Mit dem Türen- und Klappenzentrum für Rolls-Royce haben wir uns ein weiteres Kompetenzfeld für den Standort erschlossen. Mit höchstem Anspruch an die Qualität fertigen wir dort seit Sommer 2024 alle Türen für Rolls-Royce Fahrzeuge. Karosseriebau und Wackersdorf: Das passt und hat Geschichte. Bei der Eröffnung des Standorts Ende der 1980er Jahre hatte Wackersdorf zunächst viele Jahre Rohkarosserien für das BMW 3er Cabrio hergestellt. Damit ist die Karosseriebaukompetenz nun wieder nach Wackersdorf zurückgekehrt.

Wichtiges Bekenntnis in die Zukunft des Standorts

Und auch beim Batterietestzentrum ist das Geld gut angelegt? Schließlich investiert BWM hier 100 Millionen Euro.

Betz: Unbedingt! Mit unserem Batterietestzentrum werden wir zu einem wichtigen Unterstützer der Transformation hin zur Elektromobilität – und wir haben das Fundament unseres Standorts um eine vierte Säule verbreitert. Das ist ein klares und wichtiges Bekenntnis in die Zukunft des Standorts.

Wie sieht es denn mit dem Baufortschritt vor Ort aus? Schließlich hieß es, dass der Vollausbau des Batterietestzentrums bis Ende 2025 abgeschlossen sein soll.

Betz: In den vergangenen Monaten haben wir die Fertigstellung mit höchster Priorität vorangetrieben. Wir sind stolz, dieses zukunftsweisende Projekt in weniger als zwei Jahren realisiert zu haben. Im November letzten Jahres ist planmäßig bereits der erste Teilabschnitt in Betrieb gegangen.

Mit Abschluss des Vollausbaus Ende des Jahres werden dort dann auf einer Fläche von mehr als 8000 Quadratmetern einzelne Batteriezellen, komplette Hochvoltbatterien und weitere Elektro-Antriebskomponenten für zukünftige BMW Group Modelle bereits in einer sehr frühen Entwicklungsphase – also weit vor ihrem Serienstart – auf Herz und Nieren getestet.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle explizit bei der Politik und den zuständigen Behörden. Ohne deren Unterstützung wäre der Terminplan so nicht möglich gewesen.

BMW ist schon immer seinen eigenen Weg erfolgreich gegangen.

Stefan Betz, Standortleiter des BMW Group Werks Wackersdorf

Welche weiteren Investitionen sind denn künftig am Standort Wackersdorf geplant? Können Sie schon etwas verraten?

Betz: Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Wackersdorf für kontinuierlichen Wandel steht. Das werden wir auch in der Zukunft weiterhin beweisen. Jetzt aber gilt es erst einmal, unser Batterietestzentrum in den Betrieb zu nehmen. Darauf liegt momentan unser absoluter Fokus.

Werfen wir nun einen Blick über den örtlichen Tellerrand hinaus. In der deutschen Automobilbranche herrscht ja Krisenstimmung. Wie groß sind ihre Sorgenfalten?

Betz: Die habe ich nicht. BMW ist schon immer seinen eigenen Weg erfolgreich gegangen – und wird es auch weiterhin tun. Mit der Neuen Klasse realisiert das Unternehmen gerade sein größtes Zukunftsprojekt. Die Neue Klasse steht für den Aufbruch in eine neue Ära – für einen mutigen Sprung bei Innovationen, beim Fahrerlebnis und beim Design.

Was muss passieren, damit die Autonation Deutschland weiter wettbewerbsfähig bleibt?

Betz: Für eine gesamte Branche vermag ich nicht zu sprechen. Für die BMW Group in Wackersdorf kann ich Ihnen versprechen, dass wir alles tun, um uns der notwendigen Transformation heute und in Zukunft zu stellen. Die hohe Flexibilität und Wandlungsfähigkeit unserer Mannschaft – gepaart mit ihrem Qualitätsbewusstsein und ihrer Innovationskraft – machen mich da sehr zuversichtlich.

Vorreiter der E-Mobilität

Welche Rolle spielt dabei die E-Mobilität? Bei BMW wird ja seit Jahren kräftig in diesen Bereich investiert.

Betz: Korrekt. Als BMW Group sind wir Vorreiter der E-Mobilität und haben bereits mehr als drei Millionen elektrifizierte Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert – darunter mehr als 1,5 Millionen vollelektrische Fahrzeuge. Wir haben schon heute eines der breitesten Portfolios im Wettbewerbsumfeld – und wir werden das Angebot an vollelektrischen Modellen konsequent weiter ausbauen. Unsere Neue Klasse hatte ich ja vorhin bereits genannt.

Apropos Neue Klasse: Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) sorgte kürzlich der neue BMW iX3 für Aufsehen. Haben Sie das Auto selbst schon getestet?

Betz: Ehrlicherweise: nein. Die Serienproduktion in unserem ungarischen Werk in Debrecen startet ja erst noch – und oberste Priorität ist es jetzt, erst einmal unsere Händler und Kunden in aller Welt mit dem Fahrzeug zu versorgen. Ich bin sicher, ich werde noch früh genug in den Genuss kommen, dieses charakterstarke Fahrzeug zu fahren.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Welches Auto fährt der Wackersdorfer BMW-Chef eigentlich privat?

Betz: Ich fahre aktuell einen BMW M5. Die Gründe liegen da eigentlich auf der Hand. Das ist Freude am Fahren kombiniert mit absoluter Alltags- und Familientauglichkeit. Ich fahre das Auto wirklich sehr gerne, weil es als Hybrid-Fahrzeug beides kann: Mich früh morgens ruhig zur Arbeit gleiten, aber es hat auch sportliche Aspekte. Außerdem bekommt man viel rein, wenn man mal in den Urlaub fährt.

Mein nächstes Auto wird ein rein elektrisches und zwar der i4. Der gefällt mir persönlich sehr gut, ich mag Coupés. Das Auto ist bestellt und kommt im Februar. Da freue ich mich drauf.