Mehr Platz und einige Interessenten: Was sich am Wirtschaftsstandort Wackersdorf tut

Von Philipp Breu · 4. Juni 2025 um 05:00

Wackersdorf (Landkreis Schwandorf) und seine Wirtschaft sind untrennbar miteinander verbunden. Namhafte Betriebe wie BMW, Gerresheimer oder Sennebogen sorgen dafür, dass die Gemeinde mehr Arbeitsplätze als Einwohner hat. Und die jüngsten Entwicklungen nähren die Hoffnung, dass das auch zukünftig so bleibt. Ein Überblick, was sich am selbsternannten „Spitzenstandort“ gerade alles so tut.

Video ansehen

Startschuss für neues Gewerbegebiet ist gefallen

Auch Kleinunternehmen und Start-Ups sollen sich künftig im Wackersdorfer Industriegebiet ansiedeln. Dazu hat die Gemeinde kürzlich begonnen, eine neue Gewerbefläche mit dem Namen Ottostraße II zu erschließen, die sich in Schlagweite zur Feuerwache II erstreckt. Elf Einzelflächen mit einer Größe zwischen 1400 und 3500 Quadratmetern sollen auf dem insgesamt 26 500 Quadratmeter großen Areal ausgewiesen werden. Die Grundstücke werden über eine neue Straße von Seiten des bestehenden Gewerbegebiets Ottostraße erreichbar sein. Der offizielle Spatenstich ist bereits erfolgt. Bis Dezember sollen die Erschließungsarbeiten abgeschlossen sein. „Ein großes Ziel unserer Wirtschaftspolitik ist es, den Branchenmix zu stärken“, erklärt Bürgermeister Falter. Mit sieben Unternehmen stehe man bereits im Gespräch, verrät der Rathauschef.

Intensive Gespräche mit dem nächsten großen Betrieb

Auch im bestehenden Gewerbegebiet Ottostraße ist noch Platz. Zwischen den Firmen Hammerer und Mulzer steht seit mehreren Jahren eine 32 900 Quadratmeter große Fläche leer. Das könnte sich aber bald ändern. Denn wie Bürgermeister Falter verrät, gibt es intensive Gespräche mit einer größeren Firma. Die Vergabe der Fläche stehe kurz bevor. Noch im Juli, spätestens im August soll die Ansiedlung in trockenen Tüchern sein. Einen Namen will Falter noch nicht nennen, „aber es ist kein automobillastiges Unternehmen.

BMW-Batterietestzentrum ist bald fertig

Auch beim größten Arbeitgeber in Wackersdorf, dem BMW Group Werk, geht es voran. Das neue Batterietestzentrum, für das der Automobilkonzern rund 100 Millionen Euro in die Hand nimmt, steht kurz vor der Fertigstellung. Auf einer Fläche von mehr als 8000 Quadratmetern werden künftig Batteriezellen, komplette Hochvoltbatterien und weitere Elektro-Antriebskomponenten für zukünftige BMW Group Modelle bereits in einer sehr frühen Entwicklungsphase auf Herz und Nieren getestet.

Die Teilinbetriebnahme erfolgte im November vergangenen Jahres. Die vollständige Inbetriebnahme soll noch im dritten Quartal 2025 erfolgen. „Eine wichtige Zukunftsinvestition und ein starkes Signal für den Standort Wackersdorf“, kommentiert Falter

Röchling schließt Werk im Juni – Zukunft noch unklar

Diese Nachricht sorgte bei vielen für Entsetzen. Die Firma Röchling Automotive SE hatte im Februar 2024 angekündigt, ihr Werk an der Ottostraße in Wackersdorf Mitte 2025 zu schließen. Am 30. Juni wird es nun soweit sein, wie das Unternehmen auf Nachfrage mitteilt.

Ein Großteil der Mitarbeiter hätte inzwischen neue Arbeitsplätze gefunden, heißt es. Auch innerhalb der Röchling Group sei man bemüht, eine alternative Beschäftigung in einem anderen bayerischen Werk zu finden. So weit so gut, doch wie geht es nach dem 30. Juni weiter? Das Werk sei noch nicht verkauft worden, heißt es auf Nachfrage. Somit wird ab 1. Juli eine kleine Anzahl an Mitarbeitern die noch ausstehenden Restarbeiten am Werk in Wackersdorf erledigen.

Ab 7. Juni herrscht wieder freie Fahrt auf der Industriestraße

Positive Nachrichten gibt es in Sachen Infrastruktur. Die Sanierung der Industriestraße neigt sich dem Ende zu. Am Samstag wird auch der dritte Streckenabschnitt zwischen dem Kreisverkehr im Kreuzungsbereich mit der SAD 9 und dem Kreisverkehr an der Kartbahn wieder freigegeben.

Die Arbeiten an der Industriestraße sind weit fortgeschritten. Am Samstag wird nun auch der dritte Streckenabschnitt wieder für den Verkehr freigegeben. - Foto: Mario Bernhardt, Vogelperspektive

Damit herrscht auf der gesamten „Hauptschlagader“ der Wackersdorfer Industrie- und Gewerbegebiete sowie des Murner Sees wieder freie Fahrt. Die Restarbeiten südlich der B85 und dem Ortsausgang in Richtung Steinberger See wurden aufgrund überörtlicher Großbaumaßnahmen auf 2026 verschoben.

So geht es in der Ortsmitte weiter

Tagespflege: Auf dem Areal gegenüber dem Ärztehaus soll eine Seniorentagespflege entstehen. Die Gemeinde hat den Bau und den Betrieb ausgeschrieben. Die Frist endete zum 28. Mai. Laut Falter gibt es mehrere Interessenten.

Ärztehaus II: Mit einem weiteren Haus der medizinischen Versorgung will die Gemeinde das Angebot des bestehenden Ärztehauses ergänzen. Baubeginn an der Schulstraße 2 ist im Frühjahr 2026, die Fertigstellung ist Ende 2027 geplant.

Ehemalige Apotheke: Das Gebäude soll im Herbst 2025 abgerissen werden. Im Neubau sollen unter anderem ein Tages-Café, öffentliche Toiletten und ein barrierefreier Sitzungssaal Platz finden.